Verband fordert, dass die Reformpläne im parlamentarischen Prozess erweitert werden, um die flächendeckende pharmazeutische Versorgung sicherzustellen.
Dringender Handlungsbedarf
Das Bundeskabinett hatte geplant, sich Mitte August mit der Apothekenreform zu befassen, doch wurde dieser Punkt von der Tagesordnung gestrichen. VdK-Präsidentin Verena Bentele sieht angesichts der schrumpfenden Zahl öffentlicher Apotheken allerdings dringenden Handlungsbedarf. „Für viele VdK-Mitglieder sind Apotheken nicht nur für den Arzneimittelbezug essenziell, sondern auch als Ansprechpartner bei Fragen zu Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten, als Anlaufstelle bei ersten Symptomen einer Krankheit oder als Hilfe beim Zurechtfinden im Gesundheitssystem.“
Das Netz der öffentlichen Apotheken könnte nach Vorstellung des VdKs als Wegweiser im Gesundheitssystem genutzt werden. Damit könnte der Gedanke der Gesundheitskioske, der im Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) gestrichen wurde, wieder aufgegriffen werden. Bentele fordert daher, dass die Apotheken-Infrastruktur aufrechterhalten bleibe, und zwar „nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land.“
Kritik und Lob
Die Apothekenreform sieht vor, dass Apothekerinnen und Apotheker nur noch acht Stunden pro Woche anwesend sein müssen. Das kritisiert der VdK. Auch die Einschränkung der Öffnungszeiten und der Wegfall der Pflicht zur Bestimmung von Filialleitern sind nach Ansicht des Sozialverbandes problematisch, da sie die Sicherheit und Beratungsqualität für Patientinnen und Patienten gefährden könnten.
Positiv bewertet der VdK, dass Apotheken künftig Tests auf bestimmte Infektionskrankheiten anbieten sollen und neben Covid- und Grippeschutzimpfungen auch Totimpfstoffe verabreichen können. Auch die Möglichkeit, mehr Zweigapotheken zu eröffnen und die Ausweitung von Onlineberatungen werden als sinnvoll erachtet. Der persönliche Austausch müsse laut dem VdK jedoch weiterhin gewährleistet sein.
Fachwissen nutzen
VdK-Präsidentin Bentele vermisst jedoch wichtige Punkte in den aktuellen Plänen der Bundesregierung zur Apothekenreform und erklärt, dass diese nur ein erster Aufschlag sein könnten. Damit Patientinnen und Patienten zuverlässig versorgt und besser betreut werden können, fordert der VdK, den Apotheken deutlich mehr Kompetenzen zu übertragen.
Das Fachwissen von Apothekerinnen und Apothekern müsse für eine gute Versorgung vor Ort genutzt werden und das reiche deutlich über die reine Abgabe von Medikamenten hinaus, sagt Bentele. „Welcher Wirkstoff kann bei Lieferengpässen problemlos als Alternative genommen werden? Was könnten Gründe dafür sein, dass das Medikament nicht anschlägt? Wie kann eine Über- oder Unterdosierung vermieden werden? All diese Fragen könnten Apothekerinnen und Apotheker beantworten, würden sie enger in die Arzneimitteltherapie eingebunden.“










