Etwa 13% der pädiatrischen Verordnungen sind fehlerhaft und können die Gesundheit von Kindern gefährden. Um Fehler zu vermeiden, müssen Fehler-Arten und -Ursachen bekannt sein. Diese sammelten Autoren bereits 2021 für eine Publikation in der Fachzeitschrift „The Pharmaceutical Journal“ und präsentierten Lösungsvorschläge. Die Arbeit wurde nun in aktualisierter Form erneut veröffentlicht.
Um Verschreibungen sicherer zu machen, wird das Fachwissen des Apothekenpersonals gebraucht. Es kann Fehler entdecken, die Verordner anleiten, Rückmeldungen geben, Schulungen durchführen und Initiativen zur Qualitätsverbesserung leiten. Je mehr über Verschreibungsfehler bekannt ist, desto effektiver können diese Maßnahmen durchgeführt werden. An belastbaren Erkenntnissen aus Studien mangelt es jedoch für den pädiatrischen Arzneimittelgebrauch.
Fehler und ihre Folgen
Ein klinisch bedeutsamer Verschreibungsfehler liegt vor, wenn dadurch eine rechtzeitige und wirksame Behandlung nicht zustande kommt beziehungsweise ein Schaden für den Patienten entsteht. Die meisten Fehler werden vor oder während der Verabreichung bemerkt und haben keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.
Wenn Fehler den Patienten erreichen, kann er den Fehler häufig tolerieren. Einige wenige Medikationsfehler haben jedoch katastrophale, mitunter tödliche Folgen. Hinzu kommen emotionale Schäden. Familien können das Vertrauen in die beteiligten Gesundheitsdienstleister verlieren. Diese wiederum belastet psychisch, wenn sie an Fehlern beteiligt waren.
Ursachen
Faktoren wie eine unordentliche Arbeitsumgebung, schlechte Kommunikation und individuelle Unzulänglichkeiten sind generelle Ursachen für Verschreibungsfehler. Müdigkeit, Ablenkungen und Unterbrechungen können zu Fehlern führen, ebenso Unerfahrenheit und ein Mangel an Unterstützung und Informationen.
Pädiatrische Herausforderungen
Fehler können auf unvollständige Verordnungen zurückgehen oder auf die unsachgemäße Verwendung von Abkürzungen, die die Maßeinheiten für die Dosierung betreffen. Ein weiteres Problem ist, dass Ärzte bei Kindern keine Erwachsenenpraktiken anwenden können und stattdessen bei der Dosierung pädiatrische Regeln beachten müssen. Arzneimittel werden häufig nach dem Körpergewicht dosiert, was bei Erwachsenen selten der Fall ist.
Eine spezielle Herausforderung sind übergewichtige Kinder und Frühgeborene. Bei Übergewicht wird beispielsweise für ein Kind die Dosis anhand des Alters oder des idealen Körpergewichts berechnet. Wenn nach dem tatsächlichen Gewicht dosiert wird, verschreibt der Arzt übergewichtigen Kindern eine zu hohe Dosis. Bei Frühgeborenen mag ein bestimmtes Volumen zwar plausibel erscheinen mag, kann jedoch eine erhebliche Überdosis darstellen. So entspricht eine Dosis von 15 ml intravenös verabreichtem Paracetamol weniger als einem Drittel eines 50 ml-Fläschchens, könnte aber bei einem 2 kg schweren Baby eine zehnfache Überdosis darstellen.
Wenn Kinder wachsen und sich ihr Gewicht oder das Dosierungsschema ändert, müssen Ärzte die Dosierung entsprechend anpassen. Das kann versäumt werden. Fehler können weiterhin passieren, wenn Dosierungsangaben in Milligramm mit Angaben in Milliliter verwechselt oder nicht korrekt umgerechnet werden.
Fehlinterpretationen vermeiden
Bei verschiedenen Wirkstärken von flüssigen Darreichungsformen muss das verschriebene Volumen an die Menge enthaltenen Wirkstoff pro ml angepasst werden. Änderungen müssen den Eltern mitgeteilt werden. Die Tagesdosis muss klar auf die einzelnen Gaben aufgeteilt werden. Wenn beispielweise ein Antikonvulsivum als 20 mg/kg/Tag in geteilten Dosen gegeben werden soll, darf nicht zweimal täglich 20 mg/kg verordnet werden.
Die Versorgung in nicht spezialisierten pädiatrischen Einrichtungen könnte das Fehlerrisiko erhöhen. Das Personal hat weniger Erfahrung mit pädiatrischen Verschreibungen und es kann meist nicht auf die Unterstützung durch pädiatrische Pharmazeuten zurückgreifen.
Feedback zur Verschreibung
Um Verordnungsfehler zu vermeiden, wird laut den Autoren am besten bereits bei der Ausbildung angesetzt. Medizinstudenten sollten unter Aufsicht Medikamente einschließlich für Kinder verschreiben dürfen und eine Rückmeldung dazu erhalten.
In der Praxis beklagen sich Lernende häufig darüber, dass das Feedback unzureichend, selten oder von geringer Qualität sei. Es bleibt ein Lerneffekt aus, wenn (Krankenhaus)-Apotheker Fehler korrigieren, ohne den Verordner zu informieren. Zum Feedback gehöre laut den Autoren daher eine offene Diskussion über die Ursachen von Fehlern. Lösungen sollten über den einzelnen Verordner hinausgehen können und Systemänderungen nicht ausschließen.









