Italienische Forschende um Francesco Menegale vom Center for Health Emergencies der Bruno Kessler Foundation in Trento sind der Frage nachgegangen, wie gut Covid-19-Impfstoffe im Laufe der Zeit vor einer SARS-CoV-2-Infektion schützen. Diese Erkenntnisse helfen bei der Beurteilung des Schutzniveaus der Bevölkerung und des künftigen Bedarfs an Auffrischungsimpfungen im Hinblick auf erneute Epidemiewellen. Die Metaanalyse deutet darauf hin, dass die Schutzwirkung der Covid-19-Impfung gegen laborbestätigte Infektionen mit Omikron- oder Delta-Varianten und symptomatische Erkrankungen mit der Zeit deutlich abnimmt. Die Ergebnisse der Metaanalyse wurden im Fachjournal „JAMA Network Open“ publiziert [1].
Daten von 40 Studien ausgewertet
Für die umfassende Metaanalyse haben die Forschenden insgesamt 799 Originalartikel und 149 Übersichtsarbeiten aus Fachzeitschriften mit Peer-Review sowie 35 Preprints identifiziert, die die Wirksamkeit der Covid-19-Impfung zu verschiedenen Zeitpunkten nach Verabreichung der Impfstoffe untersuchten. 40 davon flossen in die Analyse ein. Untersucht wurde die Impfeffektivität für mRNA-1273 von Moderna (Spikevax), BNT162b2 von BioNTech/Pfizer (Comirnaty), ChAdOx1 nCoV-19 von AstraZeneca (Vaxzevria) und CoronaVac von Sinovac.
Impfwirkung gegen Omikron sinkt nach sechs Monaten unter 20%
Die geschätzte Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe gegen eine im Labor bestätigte Omikron-Infektion und eine symptomatische Erkrankung lag sechs Monate nach Verabreichung der letzten Impfdosis bei unter 20%. Nach einer Auffrischungsimpfung stieg das Schutzniveau wieder und war mit der Wirkung kurz nach Abschluss des ersten Impfzyklus vergleichbar. Neun Monate nach dem Booster sank die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen Omikron auf unter 30%, bezogen auf eine im Labor bestätigte Infektion und eine symptomatische Erkrankung.
Omikron vs. Delta – Abnahme der Wirksamkeit im Vergleich
Im Vergleich zur Delta-Variante nahm die Wirksamkeit gegen Omikron-Varianten deutlicher und schneller ab. Die Halbwertszeit der Schutzwirkung gegen symptomatische Infektionen mit der Omikron-Variante wurde auf durchschnittlich 87 Tage (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 67–129) geschätzt, die gegen symptomatische Infektionen mit der Delta-Variante auf durchschnittlich 316 Tage (95%-KI 240–470).
Der nachlassende Schutzeffekt der Impfstoffe war in verschiedenen Altersgruppen ähnlich. Bei Personen über 60 Jahren sank die Impfstoffwirksamkeit gegen eine Infektion mit der Omikron-Variante im Vergleich zu Personen unter 18 Jahren:
- nach einem Monat auf durchschnittlich 39,2% gegenüber 38,7%,
- nach sechs Monaten auf 13,6% gegenüber 13,1% und
- nach neun Monaten auf durchschnittlich 7,4% gegenüber 6,4%.
Auch bei den laborbestätigten Delta-Infektionen waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen bezüglich der abnehmenden Impfeffektivität ersichtlich.
Einschränkungen
Die Forschenden weisen auf mehrere Einschränkungen der Arbeit hin. So sind geschätzte Wirksamkeiten von Impfstoffen bei laborbestätigten Infektionen, die symptomatische und (meist stärker untererfasste) asymptomatische Fälle umfassen, immer vorsichtig zu interpretieren und Schlussfolgerungen nicht verlässlich möglich.
Ein weiterer Faktor sind die unterschiedlichen Studiendesigns in den Originalstudien, die zur Entwicklung des statistischen Modells der abnehmenden Schutzwirkung verwendet wurden. Das in der Metaanalyse verwendete Modell integriert jedoch die Heterogenität der Studienpopulation (zum Beispiel Alter, Geschlecht und Komorbiditäten) und des Studiendesigns (Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studien).
Die Analyse berücksichtigt nicht, ob es Unterschiede bei der Abnahme des Impfschutzes zwischen zuvor SARS-Cov-2-infizierten und nicht infizierten Personen gab. Ferner ist es möglich, dass eine Hybridimmunität (Impfung nach einer vorherigen Infektion oder umgekehrt) möglicherweise dauerhafter ist als eine ausschließlich durch den Impfstoff induzierte Immunität.










