Ende letzten Monats empfahl die WHO, das Antigen in Covid-19-Impfstoffen für die kommende Erkältungssaison 2024/2025 zu ändern [1]. Das bisher verwendete Antigen, das von der Omikron-Variante XBB.1.5 abgeleitet wurde, soll durch das Antigen der Variante JN.1 ersetzt werden. Am 05. Juni 2024 tagte ein Beraterausschuss der FDA zu dieser Frage. Das ursprünglich für den 16. Mai geplante Treffen wurde verschoben, um aktuelle Daten und Überwachungsinformationen zu berücksichtigen. Die Sitzung war öffentlich und wurde auf dem YouTube-Kanal der FDA übertragen [2].
Die Gesundheitsbehörden wiesen die Amerikaner darauf hin, dass sie mit einer jährlichen Aktualisierung des Covid-19-Impfstoffs rechnen müssen, so wie sie auch jeden Herbst eine neue Grippeimpfung erhalten. Obwohl so gut wie jeder schon einmal mit SARS-CoV-2 infiziert war oder mindestens eine Impfung gegen Covid-19 erhalten hat, bringt das Coronavirus immer wieder neue Varianten hervor, die eine frühere Immunität umgehen können – und auch der Schutz lässt mit der Zeit nach.
Einstimmige Empfehlung für Anpassung
Das Expertenkomitee der FDA stimmte einstimmig mit 16:0 Stimmen dafür, die Impfstoffe auf Basis der JN.1-Variante zu aktualisieren. Diese Empfehlung basiert auf Präsentationen der drei Haupthersteller von Covid-19-Impfstoffen: Moderna, BioNTech/Pfizer und Novavax. Alle drei Hersteller betonten die Notwendigkeit, den aktuell verfügbaren XBB.1.5-Impfstoff zu aktualisieren, da die JN.1-Variante hohe Immunfluchteigenschaften aufweist.
Aktuelle Varianten und zukünftige Überlegungen
Die JN.1-Variante dominiert allerdings nicht mehr das Infektionsgeschehen. Sie wird zunehmend von den JN.1 abgeleiteten FLiRT-Varianten KP.2 und KP.3 verdrängt. Deshalb überlegten die FDA-Beamten, ob diese Entwicklung nicht stärker bei der Empfehlung berücksichtigt werden sollte.
„Wenn sich das im Herbst weiterentwickelt, werden wir dann bereuen, dass wir nicht ein bisschen näher dran waren? sagte Dr. Peter Marks, Direktor der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde (Centers for Disease Control and Prevention [CDC]) und Impfstoffchef der FDA. Er verglich die Entscheidung damit, dass er im Supermarkt immer die „frischeste“ Milch mit dem längsten Verfallsdatum auswählt.
In der Diskussion wurde jedoch mit überwältigender Mehrheit die ältere JN.1-Variante empfohlen. Die Vertreter der Impfstoffhersteller versicherten, dass ein Impfstoff auf Basis der JN.1-Variante auch vor schweren Krankheitsverläufen schützen kann, die durch KP.2, KP.3 und andere Untervarianten verursacht werden.
„Einen Impfstoff zu haben, der den Stamm des Baumes und nicht die Äste abdeckt, halte ich für sinnvoll“, denn er würde einen gewissen Kreuzschutz gegen andere Untervarianten bieten, die auftauchen, sagte Dr. Melinda Wharton, Beraterin vom CDC.
Entscheidungsprozess und Zukunftsperspektiven
Die endgültige Entscheidung der FDA wird in Kürze erwartet, wobei vieles darauf hindeutet, dass sie der WHO-Empfehlung grundsätzlich folgen wird. Unklar bleibt jedoch, ob zusätzlich eine Empfehlung für einen bivalenten Impfstoff ausgesprochen wird.
Die mRNA-Impfstoffhersteller könnten ihre Covid-19-Impfstoffe problemlos an die JN.1- oder die KP.2-Variante anpassen. Pfizer und sein Partner BioNTech könnten ihren aktualisierten Impfstoff sofort nach der Zulassung liefern, während Moderna mit einem Zeitplan für August rechnet. Novavax benötigt für ihren proteinbasierten Impfstoff eine längere Vorlaufzeit und rechnet damit, dass sein JN.1-Impfstoff in den Vereinigten Staaten im September auf den Markt kommen wird.










