Nasaler Anti-CD3-Antikörper lindert Covid-19-Symptome

Der erste nasal zu applizierende Anti-CD3-Antikörper Foralumab reduzierte in einer Pilotstudie mit mittelschwer an Covid-19 erkrankten Personen das Pneumonie-Risiko und verringerte schwere Krankheitsverläufe.

Nasenspray Applikation

Hintergrund

In der Frühphase einer SARS-CoV-2-Infektion spielen T-Zellen eine entscheidende Rolle für die Krankheitsprognose und die langfristige Immunität. T-Zellmodulatoren könnten die Entzündung dämpfen und den Covid-19-Verlauf abmildern. Ein möglicher Kandidat hierfür könnte Foralumab in nasaler Darreichungsform sein.

In einer Pilotstudie mit mittelschwer an Covid-19 erkrankten Personen unterdrückte die nasale Verabreichung des humanen monoklonalen Anti-CD3-Antikörpers (mAb) die Entzündungsreaktionen der T-Zellen. Dieses Ergebnis wurde auch bei PatientInnen mit Multipler Sklerose (MS) beobachtet, deren entzündliche Prozesse im Gehirn durch Foralumab abnahmen.

Die Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ erschienen [1].

Daten von 39 Covid-Erkrankten ausgewertet

Forschende des Brigham and Women’s Hospital (BWH) in der Longwood Medical and Academic Area in Boston untersuchten unter der Leitung von Thais Moreira, wissenschaftliche Mitarbeiterin für neurologische Erkrankungen am BWH und Dozentin für Neurologie an der Harvard Medical School, in einer randomisierten Pilotstudie Foralumab an 39 PatientInnen mit leichter bis mittelschwerer Covid-19. Die Teilnehmenden erhielten an zehn aufeinanderfolgenden Tagen täglich 100 µg Foralumab nasal. Die Kontrollgruppe wurde nicht mit Foralumab behandelt.

Die Arbeitsgruppe um Thais Moreira analysierte die Auswirkungen von nasalem Foralumab auf die Genexpression im Zusammenhang mit B-Zellen, T-Zellen und Monozyten, indem sie die Werte vor und nach der Behandlung in beiden Gruppen gegenüberstellte. Darüber hinaus verglichen sie die Genexpression der gesamten CD3+-T-Lymphozyten vor der Behandlung mit der an Tag 10.

Weniger Pneumonien, niedrigere Entzündungsmarker

Unter der Foralumab-Gabe änderte sich die Immunsignatur der PatientInnen dahingehend, dass die Effektor-CD8+-Funktion moduliert und ein regulatorisches Transkriptionsprogramm in T-Zellen induziert wurde. Im Ergebnis hatten die PatientInnen weniger Pneumonien als diejenigen aus der Kontrollkohorte. Außerdem war bei mittelschweren Covid-19-Fällen eine abnehmende Konzentration von Interleukin-6 (IL-6) und C-reaktivem Protein im Blut zu verzeichnen.

Genexpression von Entzündungswegen herabgesetzt

Schon im Jahr 2020 erkannte Moreira ein Muster von drei spezifischen Genen (NKG7, TGF beB1 und GIMAP7), die an der entzündungshemmenden Wirkung des Anti-CD3-Antikörpers beteiligt sind.

Bei den mit Foralumab behandelten PatientInnen wurde das proteolytische Enzym Caspase-1, das proinflammatorische Interleukine aktiviert und so an der Vermittlung von Entzündungsreaktionen beteiligt ist, nicht nur in T-Zellen, sondern auch in B-Zellen und Monozyten herunterreguliert.

Das ist von Vorteil, da Caspase-1 mit einer immunvermittelten Covid-19-Pathogenität und einem ungünstigeren Krankheitsverlauf assoziiert ist. Bei den Monozyten verlief der pathogenetische Weg von SARS-CoV-2 im Vergleich zu unbehandelten Personen leicht abgeschwächt. Am stärksten ausgeprägt waren die immunmodulatorischen Effekte von Foralumab in den CD3+-T-Zellen.

Foralumab unterscheidet sich von anderen Covid-19-MAbs

Die Wirkungsweise von Foralumab ist einzigartig unter den Covid-19-MAbs. Andere Vertreter dieser Gruppe wie beispielsweise Evusheld behandeln/verhindern meist nur Symptome, indem sie auf das sich ständig weiterentwickelnde Spike-Protein von SARS-CoV-2 abzielen.

Nach Ansicht der AutorInnen ist die nasale Verabreichung besonders vielversprechend. „Wir haben einen Weg entdeckt, Entzündungen nicht nur bei Covid-19, sondern auch bei Patienten mit Multipler Sklerose sowie bei gesunden Menschen zu stoppen“, schreibt Moreira in einer Pressemitteilung des BWH [2]. Das sei äußerst spannend.

Die Studie lege nicht nur nahe, dass der neue Therapieansatz mit nasalen Anti-CD3-MAb sicher ist und das Immunsystem ohne entscheidende Nebenwirkungen modulieren kann, sondern auch, dass Entzündungen im Rahmen anderer Erkrankungen reduziert werden können.

Weitere Studien in Planung

Als nächster Schritt soll Foralumab in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie in einer größeren Kohorte von PatientInnen mit progressiver MS untersucht werden. Darüber hinaus ist eine neue Studie mit Foralumab zur Behandlung von Long Covid in Vorbereitung.

Autor:
Stand:
30.03.2023
Quelle:
  1. Moreira, T. G. et al. (2023): Nasal administration of anti-CD3 mAb (Foralumab) downregulates NKG7 and increases TGFB1 and GIMAP7 expression in T cells in subjects with COVID-19. Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI: 10.1073/pnas.2220272120.
  2. Brigham and Women’s Hospital (BWH), Pressemitteilung, 07. März 2023.
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