Die Coronapandemie machte auf drastische Weise klar, wie dringend wirksame Arzneimittel zur Behandlung von Viruserkrankungen benötigt werden. Im Hinblick auf mögliche weitere Virus-Pandemien, sind Virostatika mit einer breiten Wirksamkeit gegen neu auftretende virale Erreger von größter Bedeutung. Am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) hat eine Arbeitsgruppe um Prof. Rolf Müller zwei neue Naturstoffklassen mit einer vielversprechenden antiviralen Aktivität identifiziert [1]. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie International Edition“ veröffentlicht [2,3].
Persicamidine und Thiamyxine mit antiviraler Wirksamkeit
Am HIPS forscht man seit vielen Jahren erfolgreich an antibakteriellen Naturstoffen, die aus Bodenbakterien isoliert werden. Wertvolle Quellen für neue Naturprodukte sind die seit Jahren genutzten Aktinobakterien und die bislang noch deutlich weniger erforschten Myxobakterien. Jetzt konnten die Saarbrückender Forschenden gleich zwei Wirkstofffamilien mit antiviraler Aktivität isolieren: Persicamidine und Thiamyxine. Die Persicamidine wurden aus einem neu entdeckten Stamm der Aktinobakterien isoliert, die Thiamyxine aus einem Myxobakterienstamm, der in der unmittelbaren Nähe des Instituts gefunden wurde [1].
Persicamidine mit Remdesivir vergleichbar
Sowohl die Persicamidine als auch die Thiamyxine weisen stark hemmende Eigenschaften in RNA-Viren in Corona-, Zika- und Dengue-Virusinfektionsmodellen auf [2,3]. Bei den Persicamidinen sei die Aktivität gegen SARS-CoV-2 und hCoV-229E sogar mit dem Covid-19-Medikament Remdesivir vergleichbar, schreibt das Studienteam um Erstautorin Professor Dr. Lena Keller [3].
Bis zur Entwicklung antiviraler Wirkstoffe ist es ein langer Weg
Aufgrund der guten antiviralen Aktivitäten stellen die neuen Naturstoffklassen vielversprechende Startpunkte für die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 und andere RNA-Viren dar, so das HIPS. Eine biotechnologische Optimierung der Produktion oder die Entwicklung einer chemischen Syntheseroute seien wegen der vergleichsweise geringen Produktionsraten der Thiamyxine von großem Interesse, um den Naturstoff in ausreichenden Mengen für weitere Analysen zur Verfügung zu stellen [1].
In Folgestudien wollen die Forschenden die Wirkmechanismen der beiden neuen Naturstofffamilien analysieren. Bis hin zur Entwicklung antiviraler Wirkstoffe ist es noch ein weiter Weg.










