Hintergrund
Viele Menschen haben auch nach der akuten Phase einer Corona-Erkrankung Probleme und leiden zum Beispiel an Atembeschwerden oder starker Erschöpfbarkeit. Der Zustand ist als Long- bzw. Post-Covid bekannt, wobei das Phänomen nicht coronaspezifisch ist. Neben SARS-CoV-2 können auch andere Erreger zu langfristigen Symptomen führen.
Eine Studie des Gesundheitssystems in Queensland (Queensland’s Health) hat untersucht, wie häufig Long-Covid im Vergleich zum postviralen Syndrom nach Influenza-Infektionen auftritt. Die bereits als Preprint publizierten Ergebnisse wurden auf dem Europäischen Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID), der vom 15. bis 18. April in Kopenhagen stattfand, präsentiert [1,2].
Daten von mehr als 3.000 Erwachsenen ausgewertet
Forschende des Gesundheitssystems in Queensland (Queensland’s Health), Australien, untersuchten, wie häufig Long Covid im Vergleich zum postviralen Syndrom nach einer Grippeerkrankung auftritt. Hierfür wurden 2.195 Erwachsene mit PCR-bestätigter SARS-CoV-2-Infektion und 951 mit PCR-bestätigter Influenza-Infektion nach Beschwerden befragt, die länger als zwölf Wochen nach der akuten Infektion anhielten.
Die Teilnehmenden infizierten sich Mitte 2022, als Omikron- und Influenzaviren das Infektionsgeschehen dominierten. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 90% der Bevölkerung im australischen Bundesstaat Queensland gegen SARS-CoV-2 geimpft.
Postvirales Syndrom nach Covid-19 ähnlich häufig wie nach Influenza
Bei den mit SARS-CoV-2 infizierten Personen berichteten 21% (469) von Beschwerden, die länger als zwölf Wochen nach der Coronainfektion anhielten. 4% (90) gaben eine moderat bis stark beeinträchtigte Alltagstauglichkeit an. Vergleichbare Ergebnisse ermittelte das Forschungsteam bei den Influenza-Infizierten. In dieser Gruppe hatten rund 23% (214) der Teilnehmenden zwölf Wochen nach der Grippeinfektion fortbestehende Beschwerden, 4% (42) von ihnen wiesen moderate bis starke Alltagseinschränkungen auf.
Auch nach der Berücksichtigung von Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Ethnie und sozioökonomischen Status ergab die Analyse keinen Hinweis darauf, dass mit der Omikron-Variante infizierte Erwachsene drei Monate nach der Diagnose häufiger oder schwerere Funktionseinschränkungen aufwiesen als diejenigen mit Influenza. Interessanterweise gaben aber Menschen jüngeren Alters und nicht-einheimische Bevölkerungsgruppen nach einer Grippe stärkere Funktionseinschränkungen im Alltag an als nach einer SARS-CoV-2- Infektion.
Auswirkungen von Long-Covid auf Anzahl der Infizierten zurückzuführen
In der gut durchimpften australischen Bevölkerung scheinen die Auswirkungen von Long-Covid auf die öffentliche Gesundheit nicht auf eine besondere Eigenschaft von SARS-CoV-2 zurückzuführen zu sein, sagte Dr. John Gerrard, oberster Gesundheitsbeauftragter von Queensland. Vielmehr sei der Effekt auf der schieren Anzahl der in kurzer Zeit infizierten Personen zurückzuführen.
Einschränkungen der Studie
Die Studie weist mehrere Einschränkungen auf. Aufgrund des Designs als Beobachtungsstudie ist kein Kausalitätsnachweis möglich. Zudem sei nicht auszuschließen, dass andere, nicht gemessene Faktoren wie Grunderkrankungen und der Grippeimpfstatus die Ergebnisse beeinflusst haben könnten, so das Autorenteam. Ferner weisen die Forschenden darauf hin, dass das Long-Covid-Risiko während der Omikron-Welle im Vergleich zu früheren SARS-CoV-2-Varianten womöglich geringer war; ebenso könnte die hohe Covid-19-Impfrate für den geringere Schweregrad der Long-Covid-Symptome verantwortlich sein [2].










