Hintergrund
Pneumologen der Medizinischen Klinik Emden fanden heraus, dass Menschen mit Post-Covid scheinbar niedrigere Vitamin-D-Spiegel aufweisen als Personen, die nicht an Covid-19 erkrankt waren. Die Ergebnisse der Studie präsentierten sie auf dem 63. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Düsseldorf [1]. Bereits vor Beginn der Covid-19-Pandemie wurde Vitamin D als Präventivstrategie bei akuten Atemwegsinfektionen diskutiert, berichteten Jens Bräunlich, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, und Kollegen. Mittlerweile gäbe es immer mehr Belege für die positiven Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung bei Covid-19-Patienten – insbesondere in Hinblick auf die Entstehung eines Post-Covid-Syndroms, so die Forschenden.
Blutproben von 75 Post-Covid-Betroffenen ausgewertet
In einer retrospektiven Analyse untersuchte das Team Blutproben von 75 Post-Covid-Betroffenen aus dem Jahr 2021, die während einer Post-Covid-Sprechstunde als Routineuntersuchung entnommen wurden. Eine Hospitalisierung aufgrund der Symptomatik war nicht erforderlich. Die Blutproben verglich die Forschungsgruppe mit Proben von Personen, die sich nicht mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert hatten und als Kontrollgruppe dienten. Diese stammten aus den Jahren 2019, 2020 und 2021.
Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Spiegeln und Post-Covid
Im Ergebnis hatte die Post-Covid-Kohorte signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel als die Kontrollpersonen. Innerhalb des Non-Covid-Arms gab es keine Unterschiede hinsichtlich der Vitamin-D-Spiegel.
Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Bei den 75 Post-Covid-Betroffenen lag die Vitamin-D-Konzentration im Schnitt bei 17,4 ± 8,0 ng/ml.
- Die Kontrollgruppe aus dem Jahr 2019 wies einen höheren Vitamin-D-Spiegel von durchschnittlich 23,5 ± 14,7 ng/ml auf (p<0,05) auf.
- Auch die Kontrollgruppen aus den Jahren 2020 und 2021 hatten mit 21,9 ± 13,7 ng/ml (p<0,05) bzw. 21,2 ± 21,2 ng/ml (p<0,05) im Vergleich zu den Post-Covid-Betroffenen eine höhere Vitamin-D-Konzentration.
In der Post-Covid-Kohorte war die Anzahl der Patienten mit einem Vitamin-D-Spiegel unter 20 ng/ml ebenfalls höher als in den Kontrollgruppen: 65% versus 42% (2019), 51% (2020) und 48% (2021).
Ursachen für niedrige Vitamin-D-Konzentration bei Post-Covid
Unsere Ergebnisse zeigen erstmals erniedrigte Vitamin-D-Spiegel bei Patienten mit Post-Covid-Syndrom im Vergleich zu Personen ohne Covid-19-Erkrankung, so Bräunlich und Kollegen. Hierfür gäbe es mehrere mögliche Ursachen.
Den Forschenden zufolge könnten die niedrige Vitamin-D-Konzentration:
- direkt auf die SARS-CoV-2-Infektion zurückzuführen sein.
- als Effekt einer geringeren Sonnenlichtexposition und schlechteren Ernährung infolge einer längeren Krankheitsdauer auftreten.
- durch die pandemiebedingte Einschränkung von sportlichen Aktivitäten im Freien erklärt werden.
- als Effekt einer verringerten körperlichen Aktivität aufgrund von Post-Covid-Symptomen wie Fatigue auftreten.
Die Ergebnisse legen eine randomisiert-kontrollierte Studie nahe, in der die Auswirkungen einer Supplementierung mit Vitamin D auf Post-Covid-Betroffene untersucht wird, resümiert die Arbeitsgruppe.










