Eine Jugendliche mit atopischer Dermatitis stellte sich mit asymptomatischen, hautfarbenen Papeln am Abdomen vor. Bereits zwei Monate zuvor waren ähnliche Läsionen an Thorax und Abdomen aufgetreten, die jedoch nicht ärztlich untersucht wurden. Fotografische Dokumentationen deuteten auf Molluscum contagiosum hin, klinisch zeigten sich teils eingedellte, teils flache Papeln. Eine Biopsie bestätigte den Verdacht auf eine sekundäre Anetoderma.
Histologische Befunde und Krankheitsverlauf
Die histopathologische Untersuchung ergab Fibrose und Gefäßproliferation in der papillären Dermis. Eine spezielle Elastinfärbung zeigte dort einen kompletten Verlust elastischer Fasern, während sie in tieferen Hautschichten erhalten blieben. Rückstände der Virusinfektion konnten nicht nachgewiesen werden. Auch die Dermatoskopie zeigte typische Veränderungen, darunter weiße Ringe mit zentral braunen Arealen ohne auffällige Gefäßmuster.
Diagnostische Einordnung
Diese Befunde sprechen für eine sekundäre Anetoderma infolge einer durchgemachten Molluscum-contagiosum-Infektion. Über zwei Jahre hinweg blieben die Läsionen unverändert bestehen, was den chronischen Charakter der Erkrankung unterstreicht. Therapeutisch wurde schließlich eine Laserbehandlung zur ästhetischen Verbesserung empfohlen. Der Fall zeigt eindrücklich, wie aus zunächst harmlosen Virusläsionen eine seltene und bleibende Hautveränderung entstehen kann.
Klassifikation und Pathogenese
Anetoderma ist eine seltene Form elastolytischer Dermatosen und kann primär oder sekundär auftreten. Neben postinflammatorischen und infektiösen Ursachen sind auch Arzneimittel, genetische Faktoren oder Frühgeburtlichkeit beschrieben. Pathogenetisch werden Komplementaktivierung und Makrophagen-vermittelte Elastinzerstörung diskutiert. Damit rückt die Immunantwort gegen Molluscum contagiosum in den Fokus möglicher Auslösemechanismen.
Literatur und klinische Parallelen
In der Literatur sind bisher nur wenige Fälle von Anetoderma nach Molluscum contagiosum beschrieben. Einer der wenigen Fallberichte beschrieb ähnliche Läsionen mit dem sogenannten „wobble sign“, einer durch Unterhautherniation charakterisierten Bewegung der Haut. Größere Virusläsionen können papulöse Strukturen mit wassertröpfchenartigem Aspekt hinterlassen, kleinere eher flache Makulae. Beide Formen sind klinisch relevant, da sie die Entstehung sekundärer Anetoderma fördern.
Differenzialdiagnosen und klinische Relevanz
Dermatoskopisch können die Läsionen leicht mit Lichen nitidus verwechselt werden, der histologisch durch dichte lymphohistiozytäre Infiltrate imponiert. Auch miliariaartige Veränderungen oder Infektionen wie Mpox müssen differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden. Eine Biopsie bleibt daher essenziell, um die Diagnose zu sichern. Für die klinische Praxis verdeutlicht dieser Fall, wie wichtig eine frühzeitige Abklärung persistierender Hautveränderungen ist.








