Sexuelle Gesundheit ist ein integraler Bestandteil der Lebensqualität, wird jedoch bei dermatologischen Erkrankungen oft übersehen. Bei chronischer Urtikaria (CU) – gekennzeichnet durch rezidivierende Quaddeln und Angioödeme – steht primär die Symptomkontrolle im Fokus. Doch die unvorhersehbare Krankheitsaktivität und der damit verbundene Juckreiz beeinträchtigen auch psychosoziale Aspekte, einschließlich der sexuellen Funktion.
Häufigkeit und Einfluss sexueller Dysfunktion bei chronischer Urtikaria
In einer systematischen Analyse wurden 741 Artikel gesichtet, wovon 14 Studien mit 1.092 Patienten die Einschlusskriterien erfüllten. Ziel war es, die Prävalenz und Auswirkungen sexueller Dysfunktion bei Patienten mit chronischer Urtikaria zu untersuchen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sexuelle Dysfunktion sowohl bei Männern als auch Frauen mit chronischer Urtikaria häufig auftritt und stark mit hoher Krankheitsaktivität und schlechter Kontrolle assoziiert ist.
Hohe Prävalenz sexueller Dysfunktion bei Patienten mit chronischer Urtikaria
Die Prävalenz von sexueller Dysfunktion variierte je nach Studie und Geschlecht. Bei Frauen mit chronischer Urtikaria lag sie zwischen 54,5% und 70,5%, bei Männern zwischen 31,2% und 63,6%. Die häufig verwendeten Erhebungsinstrumente, wie der Female Sexual Function Index (FSFI) und der International Index of Erectile Function (IIEF), zeigten durchweg eine signifikant schlechtere sexuelle Funktion im Vergleich zu Kontrollgruppen ohne chronische Urtikaria.
Auswirkungen auf Lebensqualität und psychische Gesundheit
Sexuelle Dysfunktion korreliert eng mit psychischen Belastungen wie Angst und Depression. Studien berichten, dass Patienten mit sexueller Dysfunktion ein um 85% erhöhtes Risiko für Angst und ein um 90% erhöhtes Risiko für Depression haben. Darüber hinaus leidet auch die Schlafqualität, was die Krankheitsbewältigung weiter erschwert.
Die systematische Übersichtsarbeit unterstreicht die Notwendigkeit, sexuelle Gesundheit in die Routinebehandlung von Patienten mit chronischer Urtikaria zu integrieren. Dies erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen, das sowohl dermatologische als auch psychologische Aspekte berücksichtigt.