Volkskrankheit Acne vulgaris
Viele, vor allem junge Menschen sind von einer entzündlichen Erkrankung der Hautanhangsgebilde, der Akne vulgaris, betroffen. Die Entstehung der häufigen Krankheit ist multifaktoriell: Neben hormonellen Faktoren, der erhöhten Sekretion und Obstruktion von Talgdrüsen und einer Hyperkeratose scheinen mikrobielle Faktoren Einfluss auf die Pathogenese zu nehmen. Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Hautflora genau?
Cultibacterium acnes – nützlich oder schädlich?
C. acnes, früher Propionibacterium acnes, ist fester Bestandteil der natürlichen Hautflora des Menschen. Das grampositive, anaerobe Propionibakterium ist eine sogenannte Kommensale, d.h. es nutzt den Menschen als Wirt und seine Haut als Lebensumgebung, ohne ihm dabei automatisch zu schaden. Im Gegenteil, im Gesunden kann C. acnes z.B. durch die Produktion von Virulenzfaktoren dabei helfen, das Wachstum von Pathogenen wie Staphylococcus aureus oder Staphylococcus pyogenes regulieren. Außerdem hat C. acnes besondere Stoffwechseleigenschaften, durch die es z. B. Triglyceride in kleinere Fettsäuremoleküle wie Propionsäure zerlegen kann. So hilft es dabei, den schützenden Säureschutzmantel der Haut zu erhalten.
Doch es gibt unter den über 100 verschiedenen C. acnes-Stämmen auch opportunistische Pathogene. So ist C. acnes nicht nur an der Entstehung von Akne vulgaris beteiligt – das Bakterium gilt als eine der Hauptursachen für zahlreiche Entzündungen wie postoperative Protheseninfektionen oder Endokarditiden – und leider werden Antibiotikaresistenzen auch bei C. acnes ein immer größeres Thema. Ein weiterer Faktor, der antibiotische Therapien erschwert, ist die Bildung eines Biofilms.
Was ist ein Biofilm?
Bei einem Biofilm handelt es sich um einen dünnen Schleimfilm, den Mikroorganismen wie Bakterien selbst bilden und sich darin einbetten. Biofilme dienen Bakterien sowohl als Schutz, als auch als Kommunikationsnetzwerk. C. acnes scheint in diesem Zusammenhang unter anderem eine Art biologischen Kleber zu bilden – der auch für die Acne vulgaris eine zentrale Bedeutung zu haben scheint.
Biologischer Kleber verklebt Poren
Lange war unklar, wodurch genau die Verstopfung von Poren durch Keratinplugs und damit die Entstehung von Komedonen bei Acne vulgaris entsteht. Untersuchungen zu C. acnes zeigen nun: Teile des biologischen Klebers, der durch C. acnes eigentlich für den Biofilm produziert wird, findet sich im Hauttalg wieder. Dieser Kleber könnte ein Grund für das Zusammenpfropfen von Keratinozyten sein, was letztlich zu Komedonen führen kann.
Therapeutische Konsequenzen
Anstatt bei der Therapie der Acne vulgaris weiterhin einen Fokus auf topische Wirkstoffe gegen Keratinpropfen zu legen, empfiehlt der Autor des Papers Craig G. Burkhart, sich in Zukunft stärker auf die Hautflora konzentrieren. Hautmikrobiota und Probiotika, die die Homöostase zugunsten der Phylotypne von C. acnes so verschieben, dass die für den Menschen nützliche Stämme dominieren, könnten in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen. Mögliche Behandlungsformen in der Pipeline sind z. B. Tumor-Nekrose-Faktoren (Biologika), Wirkstoffe, die die Lebensfähigkeit des Biofilms angreifen, Phagentherapien und Impfungen gegen Virulenzfaktoren von C. acnes [1].









