EADV 2023: Einfluss der Ernährung auf Hauterkrankungen

Was der Mensch isst, kann für seine Gesundheit weitreichende Folgen haben. Eine ungesunde Ernährung schadet dem Herzen, der Leber, dem gesamten System. Sie kann aber auch die Haut beeinflussen und Erkrankungen befördern oder lindern.

Gesunde Ernährung

Mangelerscheinungen entstehen, wenn die Ernährung unausgewogen ist. Bekannt ist das bereits für verschiedene Vitamine und Spurenelemente. Spätestens seit den Ernährungsdocs im Norddeutschen Rundfunk (NDR) ist auch weitläufig bekannt, dass die Ernährung ebenso chronische Erkrankungen beeinflussen kann. Deshalb fragen Patienten immer häufiger, wie sie sich ernähren sollen, um ihre chronische Hauterkrankung positiv zu beeinflussen. Eine Session beim EADV-Kongress (European Association of Dermatology and Venereology) 2023 in Berlin befasste sich mit Ernährung in der Dermatologie [1].

Gutes Fett – schlechtes Fett

Bereits in den 90er Jahren konnte in Tiermodellen gezeigt werden, wie wichtig Fettsäuren für Haut und Haare sind. Wurde beispielsweise in Mäusen das Scd1-Gen abgeschaltet, das für ein Lipid-Regulationsenyzm codiert, war die Fellproduktion gestört und die Haut trocken [1,2]. Insbesondere beim Fehlen von Ölsäure (18:1 Delta 9) entwickelte sich Alopezie und die Haare fielen aus [1,3]. Das Gen, so ist mittlerweile bekannt, hilft dabei, dass Stammzellen Ölsäure aufnehmen können. Das ist notwendig, damit sich aus den Stammzellen Talgdrüsen bilden können. Die Talgdrüsen wiederum sorgen dafür, dass die Haut nicht zu trocken wird und die Haare nicht ausfallen.

Die Rolle der Lipidgene für Haut und Haare

Wie wichtig die „Lipidgene“ sind, zeigen Studien aus den letzten 20 Jahren, berichtete Apostopolos Pappas aus den USA: „Sobald ein Lipidgen beschädigt ist, fallen Haare aus und die Haut wird zu trocken.“ Das zeigten auch Studien mit Mäusen, in denen versucht wurde, ein DGAT-Gen (Diacylglycerol-O-Acyltransferasen) auszuschalten. DGAT hängt eng mit krankhaftem Übergewicht zusammen. Wird es ausgeschaltet, so der Gedanke, ließe sich das Gewichtsproblem besser kontrollieren. Das Ergebnis waren jedoch vor allem haarlose Mäuse. Der Körper braucht eine ausreichend Fettzufuhr und einen gesunden Fettstoffwechsel, damit Ölsäure und andere Fettsäuren in den Talgdrüsen landen: 46% des aufgenommenen Fettes enden in der Haut und nur 0,1% im Gehirn. „Fett ernährt Haut und Haare“, resümierte der amerikanische Experte [1,4,5].

Go-Food und No-Food bei Psoriasis

Das gilt auch für die Psoriasis. Sie geht ebenfalls mit trockener Haut einher. Zusätzlich ist die Haut dort aber meist stark entzündet. Deshalb empfehlen sich hier vor allem Ernährungsformen, die nachweislich einen anti-entzündlichen Effekt haben können. Sie können zwar helfen, die Entzündungsaktivität etwas zu reduzieren, wie beispielsweise die mediterrane Ernährung, eine alleinige Therapieoption sind sie nicht. Die Studienlage zu den verschiedenen Ernährungsformen ist bisher meist dünn. Zwar nahmen Betroffene mit einer Ernährung reich an N-3-mehrfachungesättigte Fettsäuren, kurz N-3 PUFA, in einer Studie signifikant weniger Schmerzmittel [1,6]. Weitere Effekte konnten jedoch nicht gemessen werden. Auch eine glutenfreie Ernährung, wie sie oft bei Psoriasis empfohlen wird, hilft nur, wenn Menschen tatsächlich eine Glutenintoleranz haben. „Menschen, die positiv auf Marker für eine Glutensensitivität getestet wurden, können drei Monate lang versuchen, sich glutenfrei zu ernähren. Ob sie davon aber profitieren werden, wissen wir nicht“, erklärte April W. Armstrong aus den USA beim EADV [1].

Ketogene Diäten bei Schuppenflechte

Eine ketogene Ernährung könnte sich vielleicht ebenfalls positiv auf die Psoriasis auswirken, da sie sich in mehreren molekularen Signalwegen als anti-inflammatorisch erwiesen hat. In Studien konnte zwar bei Medikamenten-naiven, übergewichtigen bis adipösen Betroffenen mit stabiler chronischer Plaque-Psoriasis die Krankheitsintensität gesenkt werden. Die Betroffenen nahmen jedoch durch die strikte ketogene und gewichtsreudzierende Ernährung stark ab. Deshalb ließe sich nicht sagen, so Armstrong, ob der Effekt nicht auch am Gewichtsverlust liegen könnte [1,8,9]. Heilen ließe sich die Psoriasis aber auch mit einem Gewichtsverlust nicht. Ebenso wenig würden Nachtschattengewächse eine Psoriasis-Erkrankung verschlechtern, wie oft behauptet wird. Auch Vitamin D in hohen Dosen zu supplementieren nutze nur etwas, wenn tatsächlich ein Vitamin D-Mangel vorliege, so die Expertin [1].

Ausprobieren ist besser als strenge Ernährungsregime

Während die Ernährung zwar das Hautbild insgesamt beeinflussen kann, gibt es, wie Studien zeigen, keine Ernährungsform, die bei Hauterkrankungen per se helfen. Eine mediterrane Ernährung kann für Betroffene gut machbar sein – und gleichzeitig ihr kardiovaskuläres Risiko senken. Am wichtigsten ist es aber, dass Betroffene selbst auf ihre Ernährung achten und herausfinden, was ihre Hauterkrankung verschlechtert und was nicht. Heilen wird aber auch das die Erkrankung nicht.

Autor:
Stand:
19.10.2023
Quelle:
  1. Armstrong A.W. et al: „Nutrition and dermatology“, 32. EADV Kongress, Berlin, 13. Oktober 2023.
  2. Zheng et al. (1999): Scd1 is expressed in sebaceous glands and is disrupted in the asebia mouse. Nature Genetics, DOI: 10.1038/15446.
  3. Miyazaki et al. (2001): Targeted disruption of stearoyl-CoA desaturase1 gene in mice causes atrophy of sebaceous and meibomian glands and depletion of wax esters in the eyelid. The Journal of Nutrition, DOI: 10.1093/jn/131.9.2260.
  4. Chen et al. (2002): Leptin modulates the effects of acyl CoA: diacylglycerol acyltransferase deficiency on murine fur and sebaceous glands. Journal of Clinical Investigation: DOI: 10.1172/JCI13880.
  5. Pappas, Anthonavage, Gordon (2002): Metabolic Fate and Selective Utilization of Major Fatty Acids in Human Sebaceous Gland. Journal of Investigative Dermatology, DOI: 10.1046/j.0022-202x.2001.01612.x
  6. Kristensen et al. (2018): Beneficial effect of n-3polyunsaturated fatty acids on inflammation and analgesic use in psoriatic arthritis: a randomized, double blind, placebo-controlled trial. Scandinavian Journal of Rheumatology, DOI: 10.1080/03009742.2017.1287304
  7. Katsimbri et al. (2021): The effect of antioxidant and anti-inflammatory capacity of diet on psoriasis and psoriatric arthritis penotype: nutrition as therapeutic tool? Antioxidants, DOI: 10.3390/antiox10020157.
  8. Castaldo et al. (2020): Aggressive weight-loss program with a ketogenic induction phase for the treatment of chronic plaque psoriais? A proof-of-concept, single-arm, open-label clinical trial. Nutrition, DOI: 10.1016/j.nut.2020.110757
  9. Castaldo et al. (2021): Effect of very-low-calorie ketogenic diet on psoriasis patients: a nuclear magnetic resonance-based metabolomic study. Journal of Proteome research, DOI: 10.1021/acs.jproteome.0c00646.
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