Atopische Dermatitis (AD) ist nicht nur durch generalisierte Hautveränderungen gekennzeichnet, sondern stellt auch einen wesentlichen Risikofaktor für das Handekzem (HE) dar. Betroffene leiden häufig unter chronischen Verläufen, die mit Juckreiz, Schmerzen und funktionellen Einschränkungen einhergehen. Obwohl der Zusammenhang zwischen AD und HE bekannt ist, fehlten bislang präzise Daten zur Häufigkeit und zu potenziellen Einflussfaktoren – insbesondere bei Erwachsenen.
Untersuchung an 294 AD-Patienten über mehr als sechs Jahre
In diesem Zusammenhang führte die Northwestern University in Chicago (USA) eine prospektive, dermatologische Praxisstudie mit 294 Erwachsenen (≥18 Jahre) durch, bei denen die Diagnose einer atopischen Dermatitis (AD) nach den Hanifin-und-Rajka-Kriterien gestellt worden war. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von Oktober 2013 bis April 2020. Die Teilnehmenden erhielten Standardtherapien, darunter topische, systemische oder phototherapeutische Maßnahmen. Die Ergebnisse wurden in den 'Archives of Dermatological Research' veröffentlicht.
Der Schweregrad der atopischen Dermatitis wurde anhand validierter klinischer und patientenberichteter Skalen erfasst. Dazu zählten das Investigator’s Global Assessment (IGA), der Eczema Area and Severity Index (EASI), das Scoring Atopic Dermatitis (SCORAD) und dessen objektiver Bestandteil (O-SCORAD), die Body Surface Area (BSA), das Patient-Oriented Eczema Measure (POEM) sowie die Patient-reported Global AD severity (PtGA).
Fast jeder zweite Patient betroffen
Bei 45,9 % der untersuchten AD-Patienten wurde ein aktives Handekzem diagnostiziert. Von diesen wiesen 61,5 % einen milden, 31,9 % einen moderaten und 6,7 % einen schweren Verlauf auf.
Am häufigsten waren die Handrücken oder Finger betroffen (78,6 %), gefolgt von den Handgelenken (51,1 %) und den Handinnenflächen (38,4 %). Nageldystrophien traten mit 5,2 % vergleichsweise selten auf.
Keine demografischen Risikofaktoren – Schwere der AD entscheidend
Die Analyse ergab keine signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Schweregrad des Handekzems und Alter, Geschlecht, Ethnie, Versicherungsstatus oder atopischen Begleiterkrankungen (Asthma, allergische Rhinitis, Nahrungsmittelallergie).
Dagegen bestand ein deutlicher und statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Ausprägung des Handekzems und allen erfassten AD-Schweregradparametern. Patienten mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis hatten ein deutlich erhöhtes Risiko für ein schweres Handekzem im Vergleich zu Patienten mit milder Verlaufsform. In der multivariablen Analyse betrug die adjustierte Odds Ratio (aOR) für Patienten mit schwerer atopischer Dermatitis (gemessen mittels IGA) 29,42 (95 %-KI 9,25–93,57) im Vergleich zu nahezu erscheinungsfreien Patienten.
Fazit: Handekzem frühzeitig erfassen und konsequent dokumentieren
In der untersuchten dermatologischen Fachpraxis wies nahezu jeder zweite erwachsene Patient mit atopischer Dermatitis ein aktives Handekzem auf. Dessen Schweregrad stand in engem Zusammenhang mit dem der Grunderkrankung, während demografische Faktoren keinen Einfluss zeigten. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer gezielten Erfassung und Dokumentation von Handekzemen im Rahmen der AD-Behandlung, um die Krankheitslast der Patienten zu verringern.








