Nachhaltige Dermatologie im Klimawandel: Wie die Haut auf globale Umweltveränderungen reagiert

Der Klimawandel verändert die dermatologische Versorgung: höhere UV-Belastung, mehr Hitze, neue Infektionen und steigende Raten atopischer Erkrankungen. Dr. Susanne Saha zeigt, wie Umweltfaktoren die Haut beeinflussen und welche Rolle nachhaltige Praxisentscheidungen für Klima- und Gesundheitsschutz spielen.

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Wie beeinflusst der Klimawandel die Haut – und gelingt der Haut die Anpassung an „global warming“?

Der Vortrag zeigt, dass die Haut bereits heute messbar unter klimabedingten Veränderungen leidet. Steigende Temperaturen, intensivere UV-Strahlung, veränderte Luftfeuchtigkeit und häufigere Extremwetterereignisse verändern das Erkrankungsspektrum:

  • Mehr UV-bedingte Hauttumoren,
  • zunehmende Vektor- und Infektionserkrankungen,
  • häufigere Schübe bei atopischer Dermatitis,
  • schnellere Hautalterung durch Hitze, Luftschadstoffe und chemische Partikel.

Zudem wird deutlich, dass wir mitten im Klimawandel stehen und sich die Auswirkungen bereits heute im dermatologischen Alltag zeigen. Die planetaren Grenzen machen sichtbar, dass Umweltstressoren simultan wirken und nicht isoliert betrachtet werden können.

Welche Rolle spielen Plastik und Mikroplastik in Dermatologie und Hautgesundheit?

Saha begann während der Pandemie, dermatologische Produkte systematisch zu prüfen – mit einem ernüchternden Ergebnis: Viele Pflegeprodukte bestehen zu großen Teilen aus Mikroplastik, flüssigen Polymeren und synthetischen Stoffen, die

  • die Hautbarriere schwächen,
  • entzündliche Prozesse fördern,
  • oxidativen Stress triggern
  • und laut aktuellen Studien die Hautalterung beschleunigen.

Mikroplastikpartikel können bis in tiefe Hautschichten eindringen und dort Fibroblasten altern lassen oder antioxidative Mechanismen hemmen. Über die Plattform „Dermoprotect “ wurden inzwischen mehr als 3.600 Produkte bewertet und mikroplastikfreie Alternativen identifiziert.

Klimaschutz in der Praxis: Lässt sich mit dem Rezeptblock CO₂ einsparen?

Ja – und zwar deutlich. Jede Verordnung, jede apparative Diagnostik und jede Laboranforderung erzeugt CO₂-Emissionen. Entsprechend sinnvoll sind:

  • bewusst entscheiden, ob eine apparative Untersuchung notwendig ist,
  • unnötige Laborparameter vermeiden,
  • bei Pflegeprodukten auf umweltfreundliche Inhaltsstoffe achten,
  • Lieferketten und Packmittel berücksichtigen,
  • Patient*innen häufiger beraten, statt routinemäßig neue Produkte zu verordnen.

Der Vortrag verdeutlicht, dass bewusste Therapieentscheidungen eine relevante Stellschraube für den Klimaschutz darstellen.

Welche Umweltfaktoren verändern das dermatologische Erkrankungsspektrum?

Saha beschreibt zwei zentrale Entwicklungen:

1. Klimabedingte Verschiebung von Infektionen und Allergien

Höhere Temperaturen und veränderte Feuchtigkeit fördern:

  • bakterielle Infektionen,
  • mykotische Erkrankungen,
  • Organismen wie Candida auris,
  • intensivere Pollensaisons,
  • mehr AD-Schübe durch Hitze und Luftschadstoffe.

2. Umweltchemikalien als unsichtbarer Treiber

Besonders relevant sind:

  • Mikroplastik,
  • flüssige Polymere,
  • synthetische Duft- und Farbstoffe,
  • hormonaktive Chemikalien.

Diese Stoffe beschleunigen Hautalterung, fördern Entzündungen und können in Einzelfällen systemische Effekte begünstigen.

Welche Strukturen unterstützen nachhaltige Dermatologie?

Im Bereich nachhaltiger Dermatologie existieren inzwischen mehrere Initiativen:

  • Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) mit über 53 sofort einsetzbaren QM-Vorlagen.
  • Pharmacists for Future, u.a. mit Fokus auf umweltverträgliche OTC-Produkte.
  • Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG e. V.), die Materialien zu Hitzeschutz, UV-Prävention und klimaresilienter Versorgung bereitstellt.

Im Vortrag verweist Saha zudem, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit und strukturelle Prävention für die Transformation des Fachbereichs sind.

Fazit

Klimawandel, Schadstoffe und Mikroplastik verändern die Hautgesundheit – und fordern neue Handlungswege in der Dermatologie. Saha zeigt praxisnah, wie nachhaltige Verordnungen, die Wahl umweltverträglicher Produkte und strukturelle Prävention zur Resilienz beitragen. Die Haut reagiert sensibel auf Umweltveränderungen – doch durch bewusste medizinische Entscheidungen können Dermatolog*innen einen spürbaren Beitrag zu Gesundheitsschutz und Klimaschutz leisten.

Autor:
Stand:
01.12.2025
Quelle:

Saha, S. (2025, 25. Oktober). „Klimaresilienz: gelingt das unserer Haut im global warming?“, Vortrag beim Spektrum Dermatologie „Haut am Limit“-Kongress, Online/Präsenz.

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