Hidradenitis suppurativa (HS) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit schmerzhaften Knoten, Abszessen, Fisteln und Narben. Trotz intensiver Forschung bleibt die Pathogenese unklar. Diskutierte Risikofaktoren umfassen genetische Prädisposition, Adipositas, mechanische Reibung, Rauchen, Stress und Ernährung.
Frühere Studien weisen zudem auf eine mögliche Exazerbation durch bestimmte Nahrungsmittel sowie auf einen Zusammenhang mit höheren Umgebungstemperaturen hin. In Anbetracht der systemischen Komorbiditätsrisiken und der zugrunde liegenden chronischen Inflammation erscheint eine vertiefte Untersuchung umwelt- und lebensstilassoziierter Einflussfaktoren geboten.
Neue Studie analysiert Umwelt- und Verhaltensfaktoren bei Hidradenitis suppurativa
Vor diesem Hintergrund hat ein Forschungsteam der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland (USA), in Zusammenarbeit mit der Hidradenitis Suppurativa Foundation (HSF) eine Beobachtungsstudie durchgeführt, um mögliche Zusammenhänge zwischen dem Konsum verarbeiteter Lebensmittel, der Nutzung von Kunststoffen, vermehrtem Schwitzen und dem Auftreten von Hidradenitis suppurativa zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden im 'Journal of Investigative Dermatology' veröffentlicht.
Die Studie geht der Frage nach, ob die am Universitätsklinikum beobachtete Zunahme an HS-Diagnosen in den vergangenen 20 Jahren mit Veränderungen im Lebensstil und sozioökonomischen Faktoren assoziiert ist.
Vergleich zwischen HS-Patienten und Kontrollgruppe
In einer kontrollierten Querschnittsstudie wurden 40 Teilnehmende untersucht – jeweils 20 mit Hidradenitis suppurativa und 20 ohne. Die Probanden der Kontrollgruppe waren hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar.
Neben körperlichen Untersuchungen kamen standardisierte Fragebögen zum Einsatz. Zusätzlich erfolgte eine retrospektive Auswertung elektronischer Patientenakten am Standort der Johns Hopkins University für den Zeitraum von 2000 bis 2023.
Ein Vergleich mit der Häufigkeit von Psoriasis-Diagnosen diente als Referenz zur Einschätzung allgemeiner dermatologischer Trends.
Deutlicher Anstieg der HS-Fälle seit dem Jahr 2000
Die Analyse zeigt einen deutlichen Anstieg der HS-Diagnosen: Während im Jahr 2000 auf 100 Psoriasis-Patienten drei bis vier HS-Patienten kamen, lag das Verhältnis im Jahr 2023 bei 23 bis 24 zu 100.
Die Autoren führen diesen Anstieg unter anderem auf ein gestiegenes öffentliches Bewusstsein, verbesserte diagnostische Verfahren sowie eine Zunahme an Überweisungen in dermatologische Fachzentren zurück.
Assoziation mit soziodemografischen und verhaltensbezogenen Faktoren
Im Rahmen der vergleichenden Analyse wurden darüber hinaus mehrere signifikante Unterschiede zwischen HS-Patienten und der Kontrollgruppe festgestellt:
- Demografische Merkmale: HS-Patienten waren häufiger weiblich, afroamerikanischer Herkunft und hatten dunklere Hauttypen.
- Sozioökonomischer Status: Ein niedrigeres Haushaltseinkommen war bei HS-Betroffenen signifikant häufiger vertreten.
- Ernährungsverhalten: HS-Patienten konsumierten seltener selbst zubereitete Mahlzeiten und häufiger industriell verarbeitete Lebensmittel sowie Dosengetränke.
- Plastiknutzung: Der Gebrauch von Kunststoffprodukten war in der HS-Gruppe deutlich erhöht.
- Körperliche Faktoren: Ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) sowie häufigeres Schwitzen – insbesondere in der Leisten- und Bauchregion – traten bei HS-Patienten vermehrt auf.
Studienergebnisse als Grundlage für weiterführende Forschung
Diese Beobachtungsstudie liefert erste Hinweise darauf, dass bestimmte Lebensgewohnheiten und Umweltfaktoren mit dem Auftreten von Hidradenitis suppurativa assoziiert sind. Ein kausaler Zusammenhang konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterführender, kontrollierter Studien mit größeren Fallzahlen. Künftige Forschung sollte insbesondere die mechanistischen Zusammenhänge zwischen Ernährungsverhalten, Kunststoffexposition, Schweißzusammensetzung und kutaner Inflammation detaillierter untersuchen.








