Mit Luftverschmutzung steigen Häufigkeit und Schwere von atopischer Dermatitis

Eine aktuelle Metaanalyse bestätigt den Einfluss von Luftverschmutzung und klimabedingten Wetterextremen auf die Prävalenz und den Schweregrad der atopischen Dermatitis bei Erwachsenen.

Kind in City mit Smog

Schätzungen zufolge leiden bis zu 10 % der Erwachsenen in Industrienationen an atopischer Dermatitis (AD) wobei die Inzidenz in den letzten Jahrzehnten zunimmt. Neben genetischen Prädispositionen rücken zunehmend exogene Faktoren in den Fokus, darunter Umweltbelastungen und klimatische Veränderungen.

Der Klimawandel beeinflusst nicht nur Wetterextreme, sondern verschärft auch bestehende Umweltprobleme wie die Luftverschmutzung. Diese Kombination könnte das Risiko für entzündliche Hauterkrankungen erhöhen. Zwar gibt es bisher schon etliche Hinweise, dass ein solcher Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen, Temperaturveränderungen und der Exazerbation von AD besteht, doch waren diese Studienergebnisse zum Teil widersprüchlich. Um hier diese Evidenz systematisch zu bündeln und die Sicherheit der vorliegenden Daten zu bewerten, haben kanadische Forscher eine Metaanalyse aufgelegt. Besondere Aufmerksamkeit galt der Frage, ob klimabedingte Umweltfaktoren – wie Feinstaub, Stickoxide, Schwefeldioxid, Temperatur- und Niederschlagsvariabilität – die Häufigkeit und Schwere der atopischen Dermatitis bei Erwachsenen messbar beeinflussen.

In die Metaanalyse wurden 42 Beobachtungsstudien aus 14 Ländern mit insgesamt mehreren Millionen Patientendaten eingeschlossen. Berücksichtigt wurden Kohorten-, Fall-Kontroll- und Querschnittsstudien, die den Zusammenhang zwischen klimatischen Bedingungen oder Luftschadstoffen und klinischen AD-Endpunkten bei Erwachsenen untersuchten.

Die statistische Auswertung erfolgte mittels Random-Effects-Modelle ergänzt durch 95 %-Konfidenzintervalle. Die Sicherheit der Evidenz wurde nach dem GRADE-System bewertet.

Signifikant: Mehr AD-Konsultationen bei Feinstaubbelastung

Die Analyse ergab eine signifikante Zunahme ambulanter und notfallmedizinischer Konsultationen bei AD pro Schadstoff-Anstieg von 10 µg/m³:

  • Feinstaub PM₁₀: RR 1,008 (95 %-KI 1,003–1,012; hohe Sicherheit)
  • Feinstaub PM₂,₅: RR 1,013 (95 %-KI 0,999–1,027; mäßige Sicherheit)
  • Schwefeldioxid SO₂: RR 1,029 (95 %-KI 1,020–1,039; hohe Sicherheit)
  • Stickoxid NO₂: RR 1,014 (95 %-KI 0,999–1,030; mittlere Sicherheit)

Besonders Feinstaub der Partikelgrößen von weniger als 10 bzw. 2,5 Mikrometern Durchmesser (PM₁₀ und PM₂,₅) sowie Schwefeldioxid waren konsistent mit einer erhöhten Krankheitslast assoziiert.

Extreme Temperaturen verstärken AD-Symptomatik

Neben der Luftqualität spielten auch Wetter- und Klimaextreme eine relevante Rolle:

  • Extreme Temperaturen (Hitze und Kälte) waren mit einer höheren Rate an klinischen Besuchen assoziiert (mittlere bis hohe Evidenzsicherheit).
  • Erhöhte Niederschlagsmengen könnten den Schweregrad der Erkrankung verstärken (geringe Sicherheit).
  • Hohe Luftfeuchtigkeit zeigte eine wahrscheinliche Assoziation mit einer Zunahme der AD-Symptomatik (mäßige Sicherheit).
  • Passivrauchexposition sowie Nähe zu Verkehrs- und Industrieanlagen waren wahrscheinlich mit einer erhöhten Prävalenz verbunden (mäßige Sicherheit).

Der Einfluss längerer Sonneneinstrahlung blieb aufgrund sehr geringer Evidenzsicherheit unklar.

Mehr Umweltanamnese und Beratung zur Schadstoffreduktion 

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Umwelt- und Klimafaktoren nicht nur das Auftreten, sondern auch die Krankheitsaktivität der atopischen Dermatitis beeinflussen können. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Umweltanamnese und Beratung zu Expositionsreduktion stärker in die Betreuung von AD-Patienten integriert werden sollten.

Nach Ansicht der Autoren besteht aber weiterhin Forschungsbedarf. Welche synergistischen Effekte haben die multiplen Schadstoffe? Wie wirken sich die genetischen Dispositionen aus? Welche Präventionsstrategien im urbanen Raum könnten umgesetzt werden? Zukünftige Studien sollten prospektive Kohorten mit standardisierten Expositions- und Outcome-Messungen einbeziehen.

Autor:
Stand:
13.08.2025
Quelle:

Park M et al. (2025: Climate Conditions, Weather Changes, and Air Pollutants and Atopic Dermatitis: A Meta-Analysis. JAMA Dermatol. Published online June 25, 2025. doi:10.1001/jamadermatol.2025.1790

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