Primäres Melanom: dem ersten folgt oft ein zweites

Viele Patienten entwickeln nach dem ersten primären Melanom noch ein weiteres. Im ersten Jahr nach der Diagnose der ersten Läsion beträgt die Inzidenz für einen zweiten schwarzen Hautkrebs fast 17 pro 1000 Personenjahre. Besonders ältere Männer sind gefährdet und sollten auf Zweit-Melanome untersucht werden.

Ärztin schaut Haut an

Wer ein erstes primäres malignes Melanom überstanden hat, ist nicht aus dem Schneider: häufig entwickelt sich ein zweiter primärer Tumor. Wie hoch die Inzidenzrate für diese weiteren Melanome (keine Rezidive) ist, wie groß das Intervall zwischen dem ersten und zweiten primären invasiven Melanom ist und welche Risikofaktoren hier eine Rolle spielen könnten, wollte ein norwegisches Forscherteam genauer wissen.  

Daten von fast 20.000 Melanom-Patienten ausgewertet

Für ihre populationsbasierte Kohortenstudie werteten sie Daten des norwegischen Krebsregisters der Jahre 2008 bis 2020 aus. In die Analyse flossen die Daten von 19.196 Erwachsenen ein, bei denen ein erstes primäres Melanom diagnostiziert worden war. Hauptendpunkt war die Inzidenzrate des zweiten primären invasiven Melanoms mindestens 30 Tage nach dem ersten. Die Studie untersuchte die mediane Zeit zwischen dem Auftreten des ersten und des zweiten primären Melanoms sowie die Wahrscheinlichkeit, ob die zweiten primären Melanome an der gleichen oder an einer anderen Stelle als das erste primäre Melanom auftreten.

Risiko für Zweit-Melanom steigt vor allem im ersten Jahr

Ergebnis: Das mittlere Alter bei der Diagnose des ersten primären Melanoms lag bei 62 Jahren (Spanne: 18– 104 Jahre). Die Inzidenzrate betrug

  • im Jahr nach der Diagnose 16,8 (95%-Konfidenzintervall [95%-KI]: 14,9 bis 18,7) pro 1000 Personenjahre,
  • sank im zweiten Jahr auf 7,3 (95%-KI: 6,0 bis 8,6) und stabilisierte sich danach.

Die mediane Zeit zwischen der Diagnosestellung des ersten primären Melanoms und der Diagnose des zweiten nahm mit zunehmendem Alter ab:

  • 37 Monate (95%-KI: 8 bis 49) bei Patienten unter 40 Jahren
  • 18 Monate (95%-KI: 13 bis 24) bei Patienten im Alter von 50 bis 59 Jahren und
  • 11 Monate (95%-KI: 7 bis 18) bei Patienten im Alter von 80 Jahren oder älter

Des Weiteren stellten die Epidemiologen des norwegischen Krebsforschungszentrums fest, dass sich das zweite Primärmelanom bei fast der Hälfte der Fälle (47%) an der gleichen Stelle wie das erste befand. Und diese Zweit-Tumore etablierten sich schnell:  Das mediane Intervall bis zum zweiten Melanom an der gleichen Stelle wie das initiale Melanom betrug 12 Monate (95%-KI: 7 bis 19) bei Männern und 22 Monate (95%-KI: 11-35) bei Frauen.

Ein Zusammenhang zwischen dem Wohnort und dem Risiko für ein zweites primäres Melanom konnte nicht festgestellt werden.

Intensive Nachsorge für ältere Männer

Die Autoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass vor allem ältere Patienten und Männer ein höheres Risiko haben, nach dem ersten primären malignen Melanom ein zweites zu entwickeln. Daher sollten besonders Männer über 50 Jahre nach der Diagnose eines ersten primären Melanoms einer verstärkten Nachsorge für mindestens drei Jahre unterzogen werden.

Autor:
Stand:
23.04.2024
Quelle:

Ghiasvand R et al. (2024): Incidence and Factors Associated With Second Primary Invasive Melanoma in Norway. JAMA Dermatol. doi:10.1001/jamadermatol.2023.6251

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