Das Merkelzellkarzinom (MCC) ist ein seltener, aber aggressiver Tumor, der vermutlich von Stammzellen der Epidermis und Dermis und/oder frühen B-Zellen des Immunsystems ausgeht. Es tritt v. a. bei älteren Personen ab dem 70. Lebensjahr und Personen mit geschwächtem Immunsystem auf. Pro 100.000 Einwohner werden jedes Jahr ca. 0,1 bis 0,3 neue Erkrankungen diagnostiziert. MCC neigt außerdem schon früh zur Metastasenbildung und kehrt oftmals trotz intensiver Chemo- und Strahlentherapie rasch zurück .
MCC bei nicht-kaukasischen Patienten nimmt zu
MCC betrifft überwiegend Patienten mit heller, lichtempfindlicher Haut, aber die Häufigkeit und der Anteil von MCC bei Nicht-Kaukasiern nimmt stetig zu. Bisher gibt es jedoch nur wenige Berichte über klinisch-pathologische und prognostische Merkmale bei diesen Patienten. Daher wurden in einer retrospektiven Studie klinisch-pathologische Daten von Kohorten nicht-kaukasischer und kaukasischer MCC-Patienten verglichen. Alle Patienten wurden dabei am Memorial Sloan Kettering Cancer Center (New York, USA) behandelt.
Primärtumore bei Nicht-Kaukasier bei Diagnose bereits größer
Von den 957 eingeschlossenen Patienten mit MCC waren 32 (3,4%) keine Kaukasier. Davon bezeichneten sich 62% als Schwarze/Afrikaner, 17% als Asiaten, 17% als Hispanoamerikaner und 4% als andere Nicht-Kaukasier. Die meisten Primärtumore bei nicht-kaukasischen und kaukasischen Patienten befanden sich an den Extremitäten (60% bzw. 56%). Die Analyse zeigte einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Größe des Primärtumors und der ethnischen Gruppe, wobei Nicht-Kaukasier bei der Diagnose eine größere durchschnittliche Tumorgröße aufwiesen.
Nicht-Kaukasier haben eine schlechtere Prognose
Neben der Tumorgröße war bei den Nicht-Kaukasiern ein Trend zu einem fortgeschrittenen Tumorstadium (III, IV) bei Diagnose festzustellen. Dadurch erhielten v. a. schwarze und hispanische Patienten häufiger eine systemische Therapie (Chemotherapie und/oder Immuntherapie). Damit einher ging auch die Tatsache, dass mehr Menschen nicht-kaukasischer Herkunft an der Krankheit starben bzw. bei der letzten Nachbeobachtung seltener als geheilt galten. Besonders betroffen waren hierbei schwarze und hispanische Patienten.
Häufigeres Auftreten des Merkelzell-Polyomavirus bei Nicht-Kaukasiern
Interessanterweise waren die Tumore von Patienten nicht-kaukasicher Herkunft häufiger positiv für das Merkelzell-Polyomavirus. Diese Infektion kann zu tiefsitzenden Tumoren ohne epidermale Erscheinungen, scheinbaren gutartigen Veränderung oder auch zum Auftreten in jüngeren Jahren führen. Dies wiederum kann die Diagnose verzögern und die Prognose verschlechtern. Die Berücksichtigung von MCC bei der klinischen Differenzialdiagnose aller dermalen/subkutanen Knoten könnte daher diese Verzögerung verringern.
Fazit
Die vorliegenden Daten deuten aufgrund der größeren Tumorgröße bei der Vorstellung und der Tendenz zu einem fortgeschritteneren Tumorstadium auf eine verzögerte Behandlung bei nicht-kaukasischen Patienten hin. Die Autoren der Studie vermuten, dass v. a. sozioökonomische Faktoren und andere Hindernisse beim Zugang zur Gesundheitsversorgung zu diesem Problem beitragen.









