Niedrige Natriumzufuhr als präventive Maßnahme bei atopischer Dermatitis?

Der Zusammenhang zwischen Ernährung und atopischer Dermatitis ist nach wie vor kaum untersucht, könnte jedoch dazu beitragen, die Heterogenität des Krankheitsverlaufs zu erklären. Eine Studie hat nun den Zusammenhang zwischen atopischer Dermatitis und Natriumzufuhr untersucht.

Salz

Die atopische Dermatitis  ist eine systemische, entzündliche Krankheit, die mit einer Vielzahl von gesundheitlichen und psychosozialen Folgen verbunden ist.

Lebensstil und Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Prävalenz und Aktivität dieser Erkrankung. Die spezifischen Belastungen, die das Auftreten und die Persistenz von atopischer Dermatitis beeinflussen, sind jedoch nach wie vor nicht umfassend erforscht. Für Patienten ist es besonders wichtig, diese veränderbaren Faktoren zu identifizieren, da die Unvorhersehbarkeit des Krankheitsverlaufs als Hauptursache für die Belastung durch die Krankheit genannt wird.

Daten aus der International Study of Asthma and Allergies in Childhood legen nahe, dass die Ernährung eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von atopischer Dermatitis spielt.

Studie untersucht Zusammenhang Natriumaufnahme und atopische Dermatitis

Da es bereits Hinweise gibt, dass eine niedrige Natriumzufuhr den Krankheitsverlauf der atopischen Dermatitis positiv beeinflussen könnte, wurde in einer Querschnittsstudie untersucht, wie eine höhere Natriumaufnahme über die Nahrung mit der Erkrankung assoziiert ist. Diese Querschnittsstudie wurde mithilfe der UK Biobank durchgeführt, einer bevölkerungsbasierten Kohorte mit mehr als 500.000 Teilnehmern im Alter von 37 bis 73 Jahren. Die analysierte Stichprobe umfasste letztlich 215.832 Teilnehmer. Bei diesen Teilnehmern wurde zu einem einzigen Zeitpunkt die 24-Stunden-Natriumausscheidung im Urin geschätzt, um die übliche Natriumaufnahme widerzuspiegeln.

Die meisten Teilnehmer nehmen mehr Natrium auf als empfohlen

Die geschätzte 24-Stunden-Natriumausscheidung im Urin betrug im Durchschnitt 3,01 g pro Tag. Lediglich 11% der Teilnehmer erreichten die empfohlene Natriumzufuhr von 2,1 g oder weniger, wie sie in Großbritannien vorgeschrieben ist. 

Der primäre Endpunkt der Studie war das Vorliegen von aktiver atopischer Dermatitis, basierend auf Diagnose- und Verordnungscodes aus verknüpften elektronischen Krankenakten.

Knapp 11.000 Teilnehmer litten an atopischer Dermatitis, wobei bei etwa 12% dieser Teilnehmer innerhalb von zwei Jahren nach der Urinsammlung eine aktive Erkrankung festgestellt wurde. Von den Teilnehmern mit atopischer Dermatitis hatten 44% eine mittelschwere und 3% eine schwere Form der Erkrankung.

Mehr Natrium erhöht die Wahrscheinlichkeit und Schwere von atopischer Dermatitis

Die Auswertung ergab außerdem, dass eine um ein Gramm höhere geschätzte 24-Stunden-Natriumausscheidung im Urin mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für aktive atopische Dermatitisverbunden war. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Schweregrad der Erkrankung mit einer höheren geschätzten 24-Stunden-Natriumausscheidung im Urin zunimmt, war erhöht. Besonders auffällig war, dass dieser Zusammenhang bei Frauen stärker ausgeprägt war als bei Männern.In einem Modell, das nur Teilnehmer einschloss, die die empfohlene 24-Stunden-Natriumausscheidung im Urin von 2,1 g oder weniger aufwiesen, gab es keinen Zusammenhang mit  atopischer Dermatitis.

Natriumreduktion als mögliche Strategie bei atopischer Dermatitis?

Zusammenfassend ergab die Analyse, dass eine um ein Gramm (entspricht ca. einem halben Teelöffel Kochsalz) höhere geschätzte 24-Stunden-Natriumausscheidung im Urin mit einer um 11% höheren Wahrscheinlichkeit der Diagnose einer atopischen Dermatitis, einer um 16% höheren Wahrscheinlichkeit einer aktiven atopischen Dermatitis und einer um 11% höheren Wahrscheinlichkeit eines erhöhten Schweregrads der atopischen Dermatitis verbunden war. Diese Ergebnisse deuten also darauf hin, dass die Einschränkung der Natriumzufuhr in der Nahrung eine kosteneffiziente und risikoarme Intervention bei AD sein könnte.

Autor:
Stand:
12.08.2024
Quelle:

Chiang et al. (2024): Sodium Intake and Atopic Dermatitis. JAMA Dermatology, DOI: 10.1001/jamadermatol.2024.1544.

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