Ein möglicher Zusammenhang zwischen atopischer Dermatitis (AD) und entzündlichen Darmerkrankungen (inflammatory bowel disease [IBD]) ist in der medizinischen Forschung ein kontrovers diskutiertes Thema. Bisherige Studien zu dem Thema zeigen inkonsistente Ergebnisse. Während einige Studien eine erhöhte Prävalenz von IBD bei Patienten mit AD fanden, kamen andere Studien zu dem Schluss, dass das Risiko lediglich bei Erwachsenen mit AD, nicht jedoch bei Kindern, erhöht sei.
Eine kürzlich durchgeführte populationsbasierte Kohortenstudie analysierte über eine Millionen Patientendaten des Health Improvement Networks, einer elektronischen Gesundheitsdatenbank im Vereinigten Königreich, für den Zeitraum zwischen Januar 1994 und Februar 2015. Dabei wurden Patienten mit AD mit bis zu fünf Kontrollprobanden ohne AD gematcht.
Erhöhtes IBD-Risiko mit AD
Insgesamt wurden die Daten von 409.431 Kindern and 625.083 Erwachsenen mit AD untersucht. Die Kinder mit AD waren im Median zwischen vier und fünf Jahren alt und die Mehrheit der jungen Patienten mit AD litt unter einer leichten Form der Erkrankung (93,2%). Die erwachsenen AD-Patienten litten zu 65,7% unter milder AD, zu 31,4% moderater und zu 2,9% schwerer AD. Das Alter betrug im Median 45-50 Jahre.
Bei der Auswertung der Daten beobachteten die Wissenschaftler ein signifikant erhöhtes Risiko für IBD von 44% bei Kindern und 34% bei Erwachsenen im Vergleich zu Patienten ohne AD. Dabei stieg das Risiko mit der Schwere der AD an.
Unterschiede in der IBD-Subtyp-Risikobewertung
Die Studie untersuchte auch das Risiko, spezifische Subtypen von IBD, wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, zu entwickeln. Kinder mit AD hatten ein um 74% erhöhtes Risiko, Morbus Crohn zu entwickeln, aber kein signifikant erhöhtes Risiko für Colitis ulcerosa, außer sie hatten eine schwere Form von AD. Erwachsene mit AD wiesen ein um 36% erhöhtes Risiko für Morbus Crohn auf sowie ein um 32% erhöhtes Risiko für Colitis ulcerosa. Auch bei Erwachsenen erhöhte sich das Risiko mit einer Verschlechterung der AD.
Fazit
Die Studienergebnisse legen nahe, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene mit AD ein erhöhtes Risiko für IBD aufweisen, wobei dieses Risiko je nach Alter, Schwere der AD und IBD-Subtyp variiert.
Bei der Behandlung von Patienten mit AD, insbesondere bei der Verordnung systemischer Therapien für Patienten mit AD und gleichzeitig vorhandenen gastrointestinalen Symptomen, sollten Ärzte die potenziellen Risiken berücksichtigen. Weitere Studien sind jedoch erforderlich, um ein besseres Verständnis der Mechanismen zu erlangen, die dieser Assoziation zugrunde liegen und mögliche Schlussfolgerungen für die Behandlung abzuleiten.









