PEN-FAST Score zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Penicillinallergie
Etwa 10% der Bevölkerung berichtet über den Verdacht einer Penicillinallergie. Laut Arbeiten weisen jedoch nur etwa 10-15% von ihnen wirklich eine Allergie auf Penicillin auf. Hauttestungen, nach denen ein Provokationstest folgt, sind der Goldstandard zur Detektion einer Penicillinallergie.
Weil diese Testungen zeitaufwändig sind, wurde ein Score entwickelt, der die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Penicillinallergie hervorsagen soll, der PEN-FAST Score.
Der PEN-FAST Score
Der PEN-FAST Score setzt sich aus drei Kriterien zusammen: Fünf Jahre oder weniger seit der Reaktion vergangen (ja +2), Vorliegen einer Anaphylaxie oder Angioödem oder schweren kutanen unerwünschten Reaktion (ja +2), Notwendigkeit einer Behandlung für die Reaktion (ja +1). Ein PEN-FAST Score unter drei Punkten spricht für ein niedriges Risiko einer Penicillinallergie. Der Score wurde bei Erwachsenen mit überwiegend sofortiger Hypersensitivität validiert.
Allerdings repräsentiert die verspätet einsetzende Reaktionen einer Penicillinallergie, insbesondere ein makulopapulöses Exanthem, die häufigste Form der Penicillinallergie. Ein prolongiertes makulopapulöses Exanthem, welches länger als fünf bis sieben Tage andauert, kann manchmal mit systemischen Symptomen einhergehen und eine frühe Form einer drug reaction with eosinophilia and systemic symptoms (DRESS) darstellen.
Studienteam entwickelte PEN-FAST+ Score
Das Ziel einer aktuellen Studie war es daher, die Performance des PEN-FAST Scores insbesondere bei Patienten mit verspäteter Hypersensitivität sowie den negativen prädiktiven Wert zu verbessern. Hierfür wendeten die Wissenschaftler den PEN-FAST Score bei 27 Erwachsenen, die mit einer gesicherten Penicillinallergie in ihrer Klinik waren, an. Danach schauten sie, welche dieser Patienten der PEN-FAST Score nicht erfasst hätte.
Der PEN-FAST Score zeigte Limitationen in der Vorhersage eins Rezidivs einer sofortigen Haut-Hypersensitivität oder eines verspäteten makulopapulöses Exanthems. 28,6% bzw. 38,4% der Patienten wurden durch den Score falsch eingeschätzt. Die Studienautoren evaluierten die Krankengeschichte dieser fehlklassifizierten Patienten (n=9).
Zwei Zusatzkriterien bei PEN-FAST+ Score
Die Forscher identifizierten zwei potenzielle zusätzliche Kriterien, die bei allen Penicillinallergiepatienten vorkamen: Hautausschlag, der länger als sieben Tage anhielt und eine sofortige Reaktion, die innerhalb von einer Stunde auftrat (generalisiert oder lokalisiert im palmoplantaren Bereich oder Juckreiz/Hitzegefühl im Bereich der Kopfhaut). Die diagnostische Performance des PEN-FAST+ Scores wurde dann im Vergleich zum PEN-FAST Score prospektiv bei 252 Patienten validiert.
Bessere Aussagekraft von PEN-FAST+
12,7% der untersuchten Patienten wiesen eine bestätigte Penicillinallergie auf. Mithilfe des PEN-FAST wurden 37% der Patienten mit verspäteter Penicillinallergie falsch klassifiziert, während mit dem PEN-FAST+ Score nur 11,1% der Patienten falsch klassifiziert wurden.
Der PEN-FAST+ Score klassifizierte 88,9% aller Patienten mit positivem Hauttest und 84,4% der wirklich allergischen Patienten korrekt. Der PEN-FAST Score hingegen nur 55,6% und 56,2%. Obwohl durch den neuen Score die Sensitivität erhöht wurde, wurde die Spezifität nicht gesenkt. Die Area under the curve (AUC) war für den PEN-FAST+ signifikant höher im Vergleich zum PEN-FAST Score (85% versus 72%; p=0,03).
Fazit
Die Studienautoren schlussfolgerten aus ihren Ergebnissen, dass der PEN-FAST+ Score ein besseres Werkzeug darstellen könnte, eine Penicillinallergie, insbesondere eine verspätet einsetzende, bei Patienten zu identifizieren im Vergleich zum PEN-FAST Score.









