Körperliche Aktivität fördert die Blutzuckerregulation
Körperliche Aktivität fördert eine insulinunabhängige Aufnahme von Glucose in die Skelettmuskulatur und trägt zu einer verbesserten Blutzuckerregulation bei. Lange wurde Typ-2-Diabetes-Patienten Ausdauersport empfohlen, um ihre Blutzuckerkontrolle zu optimieren. Seit einiger Zeit mehren sich jedoch die Hinweise, dass auch Krafttraining positive Effekte auf die Blutzuckerregulation hat.
Prof. Dr. Billy Sperlich, Lehrstuhlinhaber für Integrative und Experimentelle Trainings- und Bewegungswissenschaft an der Universität Würzburg erklärte in seinem Vortrag auf dem Diabetes Kongress 2024 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) e.V. in Berlin, warum man die beiden Trainingsformen besten kombiniert.
Effekte von Ausdauertraining
Ausdauersport verbessert die Sauerstoff- und Energieversorgung über Angiogenese Mitochondrien-Biogenese und hat bei Diabetes vor allem folgende Effekte:
- Erhöht die Mitochondriendichte und fördert ihre Funktion
- Erhöht die Muskelperfusion
- Senkt den arteriellen Blutdruck
- Verbessert die funktionale Leistungsfähigkeit
- Kann den Blutzuckerspiegel optimieren
- Kann die Insulinsensitivität bei Diabetes mellitus Typ 2 verbessern
- Reduziert den HbA1c um durchschnittlich 0,73%
Kraftsport fördert den Muskelaufbau
Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 nimmt die Muskelmasse und die muskuläre Kraft tendenziell schneller ab als bei stoffwechselgesunden Personen. Gleichzeitig entwickelt sich mehr ektopes Fett auf der Oberfläche der Muskeln. Diese Entwicklungen tragen zu Reduktion der Insulinsensitivität und zu einer eingeschränkten Funktion der Mitochondrien bei. Kraftsport fördert die Proteinbiosynthese und den Muskelaufbau in jedem Alter und wirkt den negativen Effekten durch den beschleunigten Muskelabbau bei Diabetes entgegen.
Das Krafttraining hat unter anderem folgende Effekte:
- Anstieg der Knochenmineraldichte
- Anstieg der Kraftleistung
- Verbesserung des Blutdrucks
- Verbesserung der Lipidwerte
- Aufbau von Skelettmuskulatur
- Verbesserung der Insulinsensitivität
- Tendenziell Reduktion des HbA1c, aber keine eindeutigen Ergebnisse
Kraftsport kann darüber hinaus auch von Diabetespatienten durchgeführt werden, die Ausdauertraining aufgrund von Adipositas, Behinderungen oder Komorbiditäten nur begrenzt umsetzen können
Auswirkungen der Intensität des Trainings
Gegenüber einem moderaten Ausdauertraining verbessert ein hoch intensives Intervalltraining die glykämische Kontrolle und den HbA1c. Allerdings muss die Intensität des Trainings an die aktuelle Kondition und Leistungsfähigkeit des Patienten angepasst werden. Beim Kraftsport scheint eine höhere Intensität ebenfalls mit einer stärkeren Reduktion des HbA1c und darüber hinaus mit einer Reduktion der Insulinsekretion verbunden zu sein.
Vorteile der Kombination von Ausdauer und Krafttraining
Die Kombination von Krafttraining und Ausdauertraining entfaltet Synergieeffekte. Die verbesserte Energie- und Sauerstoffversorgung durch den Ausdauersport unterstützt auch den Muskelaufbau durch den Kraftsport.
Angeregt durch akute Stressreize infolge des Trainings bildet der Skelettmuskel Myokine, die als Signalmoleküle zahlreiche Stoffwechselwege beeinflussen und z. B. entzündungshemmend wirken. Man weiß heute, dass langfristiges Training im Skelettmuskel die Freisetzung von Metaboliten, Enzymen, mikroRNA oder mitochondrialer DNA anregt, die möglicherweise ebenfalls Signalfunktionen lokal oder auf den Gesamtorganismus haben.
Insgesamt induzieren beide Formen der körperlichen Aktivität eine Vielfalt spezifischer molekularer und zellulärer tendenziell gesundheitlich günstiger Adaptationen im Skelettmuskel, im Gehirn, der Leber, im Fettgewebe und im Knochen.
Mehr Aktivität im Alltag
Das American College of Sport Medicine empfiehlt Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 pro Woche mindestens 150 Minuten moderaten oder 75 Minuten intensiven Ausdauersport oder eine Kombination dieser Intensitäten verteilt über mehrere Wochentage. Kraftsport sollte an zwei bis drei Tagen in der Woche, aber niemals an zwei aufeinanderfolgenden Tagen betrieben werden. Empfohlen werden acht bis zehn Übungen, die in einem bis drei Durchgängen zehn- bis 15-mal wiederholt werden sollten. Die Intensität hängt von der individuellen Belastbarkeit ab und kann nach und nach gesteigert werden.
Zusätzlich werden auch Beweglichkeits- und Gleichgewichtsübungen mehrmals wöchentlich empfohlen. Leider können viele Patienten diese Empfehlungen in ihrem Alltag nicht umsetzen. Für den Nutzen körperlicher Aktivität gilt zwar: viel und intensiv hilft viel. Aber wenn das nicht funktioniert, gilt auch: Jede Art von Bewegung ist besser als Sitzen und das in jedem Alter.








