Diabetesbedingte Fußkomplikationen bleiben eine große Herausforderung
Fußkomplikationen gehören zu den schwerwiegendsten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Das diabetische Fußsyndrom ist mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität verbunden und stellt sowohl Betroffene als auch Behandelnde vor große Herausforderungen. Chronische Wunden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und sind häufig mit langen Behandlungsverläufen sowie einem erhöhten Amputationsrisiko verbunden.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen die diabetische Neuropathie und Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten. Beide Erkrankungen können die Entstehung von Fußulzera begünstigen und deren Heilung erschweren. Vor diesem Hintergrund macht die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) auf ein oft unterschätztes saisonales Risiko aufmerksam: das Barfußlaufen während der Sommermonate.
Neuropathie und Durchblutungsstörungen erhöhen das Verletzungsrisiko
Nach Angaben der DGG entwickeln bis zu 50 % der Menschen mit Diabetes im Verlauf ihrer Erkrankung eine diabetische Neuropathie. Die Schädigung peripherer Nerven führt dazu, dass Schmerz-, Druck- und Temperaturempfindungen an den Füßen vermindert wahrgenommen werden oder vollständig ausfallen können.
Dadurch bleiben kleinere Verletzungen wie Blasen, Druckstellen oder Verbrennungen häufig zunächst unbemerkt. Gleichzeitig haben Menschen mit Diabetes ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Die reduzierte Gewebedurchblutung kann die Wundheilung erheblich beeinträchtigen.
Treffen Neuropathie und Durchblutungsstörung zusammen, kann sich aus einer zunächst harmlos erscheinenden Verletzung rasch ein chronisches Ulkus entwickeln. Damit entsteht die Grundlage für das diabetische Fußsyndrom.
Sommerliche Hitze begünstigt thermische Fußverletzungen
Während der Sommermonate steigt das Risiko für Verletzungen zusätzlich. Asphalt, Steinplatten, Terrassenböden, Sand oder Metalloberflächen können sich bei Sonneneinstrahlung stark aufheizen und Temperaturen erreichen, die zu Hautschäden führen.
Gesunde Personen reagieren normalerweise mit einem sofortigen Zurückziehen des Fußes auf schmerzhafte Hitzeeinwirkungen. Dieses Warnsignal kann bei Patienten mit diabetischer Neuropathie fehlen. Thermische Verletzungen werden daher häufig erst erkannt, wenn bereits eine relevante Gewebeschädigung oder offene Wunde entstanden ist.
Neben Hitzeschäden bergen auch mechanische Einwirkungen Risiken. Scherben, Dornen, Muscheln oder kleine Steine können beim Barfußlaufen Verletzungen verursachen, die aufgrund der eingeschränkten Sensibilität zunächst unbemerkt bleiben.
Diabetische Fußulzera sind mit hoher Mortalität verbunden
Die Folgen eines diabetischen Fußulkus reichen weit über lokale Gewebeschäden hinaus. Laut den von der DGG angeführten Daten sterben etwa 30 % der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren nach Auftreten eines diabetischen Fußulkus.
Darüber hinaus gehen rund 80 % aller Amputationen der unteren Extremität bei Menschen mit Diabetes einem Fußulkus voraus. Besonders ungünstig ist die Prognose nach einer Majoramputation oberhalb des Sprunggelenks: Innerhalb von fünf Jahren versterben laut den vorgestellten Daten etwa 70 % der Betroffenen. In Deutschland werden jährlich rund 40.000 diabetesbedingte Amputationen durchgeführt.
Diese Zahlen verdeutlichen die klinische Relevanz einer konsequenten Prävention von Fußverletzungen und Ulzera.
Internationale Leitlinien empfehlen konsequenten Fußschutz
Die aktuelle Leitlinie der International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) rät Menschen mit Diabetes und erhöhtem Risiko für Fußulzera ausdrücklich davon ab, barfuß zu gehen – sowohl im Freien als auch in Innenräumen. Auch das Tragen von Socken ohne geeignetes Schuhwerk oder dünnsohligen Hausschuhen wird nicht empfohlen.
Als wichtige präventive Maßnahme gilt das Tragen von Schuhen mit fester Sohle, ausreichendem Platzangebot und möglichst ohne Innennähte. Dadurch sollen mechanische Verletzungen, Fremdkörperverletzungen und thermische Schäden verhindert werden.
Regelmäßige Fußkontrollen und Gefäßdiagnostik sind entscheidend
Neben dem geeigneten Schuhwerk empfehlen die Leitlinien eine tägliche Inspektion der Füße sowie eine konsequente Hautpflege. Veränderungen wie Rötungen, Blasen, Druckstellen, Schwellungen, Hautrisse, Geruch oder Sekretion sollten zeitnah medizinisch abgeklärt werden.
Die DGG weist außerdem darauf hin, dass bei schlecht heilenden Wunden die Durchblutung der betroffenen Extremität untersucht werden sollte. Eine frühzeitige gefäßmedizinische Diagnostik kann helfen, Durchblutungsstörungen zu identifizieren und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wundheilung zu verbessern.
Fazit: Prävention bleibt der wichtigste Ansatz
Die von der DGG aufgegriffenen Empfehlungen verdeutlichen, dass scheinbar alltägliche Aktivitäten wie Barfußlaufen für Menschen mit Diabetes erhebliche Risiken bergen können. Insbesondere das Zusammenspiel aus Neuropathie und pAVK erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Verletzungen unbemerkt bleiben und chronische Wunden entstehen.
Für die Praxis unterstreichen die Daten die Bedeutung einer strukturierten Fußprävention, regelmäßiger Untersuchungen und einer frühzeitigen Gefäßdiagnostik sowie täglicher Selbstkontrolle der Füße. Konsequente Schutzmaßnahmen können einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Amputationen und schwerwiegenden Folgekomplikationen leisten.












