Hochverarbeitete Nahrungsmittel enthalten meist eine Reihe an Zusatzstoffen, um sie zu konservieren oder ihre Textur, ihre Farbe, ihren Geschmack oder ihr Aussehen zu verbessern. Hierzu zählen auch Emulgatoren – Zusatzstoffe, die die Textur von Lebensmitteln optimieren und für eine längere Haltbarkeit sorgen. Emulgatoren finden sich in hochverarbeiteten Lebensmitteln wie beispielsweise Schokolade, Eiscreme, Keksen, Gebäck, hochverarbeiteten Früchten, Milchprodukten, Mayonnaise, Speiseölen und Sirupen. Die am häufigsten verwendeten Emulgatoren in Fertignahrungsmitteln sind Lecithine (E322; in 14% der Nahrungsmittel), Monoglyceride und Diglyceride von Speisefettsäuren (E471; 7%), Guarkernmehl/Guargummi (E412; 6%), Xanthangummi (E415; 5%), Carrageene (E407; 4%) und Cellulosen (E460-469; 2%).
Vergangene Studien haben darauf hingewiesen, dass Emulgatoren die Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms direkt beeinflussen und so möglicherweise zu Stoffwechselstörungen und chronischen Darmentzündungen beitragen können. In einer aktuell veröffentlichten Studie untersuchten Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Emulgatoren in Nahrungsmitteln und dem Typ-2-Diabetes-Risiko in der französischen Bevölkerung [2]. Untersucht wurden Daten von insgesamt 104.139 Erwachsenen (79,2% Frauen, Durchschnittsalter 42,7 Jahre), die im Zeitraum von Mai 2009 bis April 2023 an der NutriNet-Santé-Studie teilnahmen. Dabei handelte es sich um eine prospektive Kohortenstudie, bei der die Teilnehmer alle 6 Monate an drei nicht-aufeinanderfolgenden Tagen über einen Zeitraum von zwei Wochen alles protokollierten, was sie gegessen oder getrunken hatten (inklusive Details zu Marken).
Positive Assoziation zwischen bestimmten Emulgatoren und Typ-2-Diabetes-Risiko
In dem Beobachtungszeitraum (durchschnittlich 6,8 Jahre) erkrankten insgesamt 1.056 Studienteilnehmer an Typ-2-Diabetes. Die Aufnahme folgender Emulgatoren hing signifikant mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes zusammen:
- Trikaliumphosphat (E340) erhöhte pro 500 mg am Tag das Risiko um 15% (Hazard Ratio [HR]: 1,03; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 1,02 bis 1,31; p=0,023)
- Guarkernmehl/Guargummi (E412) erhöhte pro 500 mg am Tag das Risiko um 11% (HR: 1,11; 95%-KI: 1,06 bis 1,17; p<0,0001)
- Xanthangummi (E415) erhöhte pro 500 mg am Tag das Risiko um 8% (HR: 1,08; 95%-KI: 1,02 bis 1,14; p=0,013)
- Mono- und Diacetylweinsäureester (E472e) erhöhten pro 500 mg am Tag das Risiko um 4% (HR: 1,04; 95%-KI: 1,00 bis 1,08; p=0,042)
- Natriumcitrat (E331) erhöhte pro 500 mg am Tag das Risiko um 4% (HR: 1,04; 95%-KI: 1,01 bis 1,07; p=0,008)
- Gummi arabicum (E414) erhöhte pro 1.000 mg am Tag das Risiko um 3% (HR: 1,03; 95%-KI: 1,01 bis 1,05; p=0,013)
- Carrageene insgesamt sowie Carrageengummi (E407) erhöhten pro 100 mg am Tag das Risiko um 3% (HR: 1,03; 95%-KI: 1,01 bis 1,05; p=0,0004 bzw. p=0,0007)
Konsequenzen für die Lebensmittelindustrie?
Diese große, prospektive Studie liefert die ersten epidemiologischen Erkenntnisse über die mögliche Beteiligung an der Entwicklung von Typ-2-Diabetes von verschiedenen Emulgatoren, die industriellen Nahrungsmitteln zugesetzt werden und in der westlichen Ernährung täglich von Millionen von Kindern und Erwachsenen konsumiert werden.
Die durchgeführte Studie hatte einige Limitierungen. Dazu zählt beispielsweise die inhärente Beschränkung selbstberichteter Daten sowie der höhere Anteil von Frauen (und gesundheitsbewussten Teilnehmern), die einen direkten Vergleich mit der breiten Bevölkerung erschweren. Außerdem bedeuten die Ergebnisse nicht, dass dem Zusammenhang automatisch eine Kausalität zugrunde liegt.
Hierfür müssen weitere epidemiologische Studien durchgeführt werden. Auch experimentelle Studien zur Untersuchung der direkten biologischen Mechanismen, die dem Zusammenhang zwischen Emulgatoren und Typ-2-Diabetes unterliegen, sind notwendig. Diese Studien könnten in Zukunft die Beweisgrundlage liefern, um existierende Vorschriften für die Verwendung von Emulgatoren in der Lebensmittelindustrie im Sinne eines besseren Verbraucherschutzes zu überdenken.








