Hitzestress und Diabetes: Warum Betroffene besonders gefährdet sind
Menschen mit Diabetes haben eine eingeschränkte Hitzeantwort durch eine verminderte Hautdurchblutung und geringeres Schwitzen, Adipositas, Komorbiditäten und Komedikationen. Das macht sie vulnerabel, berichtete Dr. Thaddäus Tönnies vom Deutschen Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf: Ihr Risiko für hitzebedingte Mortalität und Morbidität ist erhöht.
Kurzfristige Auswirkungen: Hitzetage erhöhen Mortalitätsrate
Dass Hitzetage einen Einfluss auf die Diabetesmortalität und Morbidität haben, ist gut belegt. Eine Metaanalyse bezifferte die zusätzliche diabetesbedingte Mortalität von Betroffenen in Hitzeperioden auf 18 %. Die Morbidität, definiert als diabetesbedingte Hospitalisierungen, ambulante Arztbesuche oder Besuche in Notaufnahmen, steigt demnach in Hitzeperioden um 10 % an. Dabei sind kardiovaskulären Komplikationen noch nicht berücksichtigt, betonte Tönnies. Aufgrund der hohen kardiovaskulären Komorbidität dürfte auch diese Morbidität und Mortalität bei Patienten mit Diabetes an Hitzetagen deutlich erhöht sein. In Portugal führten Hitzewellen zu einem signifikanten Anstieg von stationären Aufnahmen bei Patienten mit Diabetes wegen endokriner und metabolischer Erkrankungen um 25 %.
Temperaturoptimum 19 °C
Tönnies untersucht aktuell, ob in Regionen in Deutschland mit höherer Prävalenz des Typ-2-Diabetes der Temperatureffekt auf die Mortalität messbar ausgeprägter ist als in Regionen mit niedriger Prävalenz. Vorläufige Daten, die er anlässlich des Internistenkongresses 2025 in Wiesbaden vorstellte, gaben auf Bundeslandebene noch keinen Hinweis auf einen solchen Unterschied. Die regionale Betrachtung auf dieser Ebene sei wahrscheinlich zu grob, sagte Tönnies. Geplant ist nun die Auswertung auf Kreisebene. Ein Mortalitätsminimum zeigte sich unabhängig von der Diabetes-Prävalenz bei einer Durchschnittstemperatur von 19 °C. Bei 30 °C steigt das Mortalitätsrisiko im Vergleich zum Minimum um etwa 30 % an.
Temperatur und Diabetesinzidenz: Noch keine klaren Zusammenhänge
Tönnies berichtete, dass es auch einen möglichen Zusammenhang zwischen der Lufttemperatur und dem Risiko eines Typ-2-Diabetes gibt. Temperaturextreme können die körperliche Aktivität reduzieren und weitere gesundheitsrelevante Verhaltensweisen negativ beeinflussen. Studien zu solchen Zusammenhängen gibt es bislang auf Populationsebene kaum. Tönnies fand in einer eigenen Studie auf Basis von Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung und Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes allerdings keine Assoziation von durchschnittlicher Jahrestemperatur und Diabetes-Inzidenz auf Kreisebene – weder für Männer, noch für Frauen. Zu demselben Ergebnis war bereits eine andere deutsche Untersuchung gekommen, während aus den USA eine relevante Erhöhung der Inzidenz des Typ-2-Diabetes bei steigenden Temperaturen berichtet wurde, sagte Tönnies. Letztlich ist die Frage noch nicht abschließend geklärt.
Alternde Bevölkerung, steigende Vulnerabilität
Unabhängig davon, ob sich die Inzidenz des Typ-2-Diabetes temperaturabhängig verändert – schon aufgrund der Entwicklung der Altersstruktur und der ansteigenden Adipositasprävalenz könnte die Zahl der Hitze-vulnerablen Patienten mit Typ-2-Diabetes ansteigen. Tönnies prognostizierte für 2040 12 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland. Insbesondere die älteren und geriatrisch Betroffenen sind vulnerabel für hohe Temperaturen.
Offen ist, welchen Beitrag die Diabetesprävention zur Verbesserung der zukünftigen Hitzeresilienz in der Allgemeinbevölkerung leisten kann und welche Adaptationsmaßnahmen für Menschen mit Diabetes und einzelne Diabetessubgruppen wirksam sind.









