Ein MODY (Abk. für engl. Maturity onset diabetes of the young) ist eine monogenetische, autosomal-dominant vererbte Diabeteserkrankung. Bekannt sind mindestens zwölf Gene, deren Mutationen einen MODY verursachen. Je nach Mutation hat die Diagnose des MODY spezifische therapeutische Konsequenzen, erklärte Dr. Luke Sharp vom Diabetes-Zentrum der Universität Exeter im vereinigten Königreich auf dem EASD-Kongress 2023 in Hamburg [1]: Bei einem GCK-MODY wird keine Therapie empfohlen, bei einer Alteration von HNF1A und/oder ABCC8 eine Behandlung mit Sulfonylharnstoffen, bei HNF1B eine Insulintherapie. Wird ein MODY nicht erkannt, erhalten Patienten womöglich eine nicht wirksame Therapie.
Bei den unter 30-jährigen mit einer Diabetes-Neudiagnose weisen je nach Studie 2-4% einen MODY auf. In höherem Alter ist diese Diagnose seltener. Bislang wird ein entsprechender Gentest daher meist nur bis zu einem Alter von 35 Jahren durchgeführt.
Umfassende Testung durch Biobanken
Sharp und sein Team nutzten die populationsbasierte UK-Biobank-Studie sowie Versicherungsdaten einer weiteren großen Kohorte von Patienten aus den USA (Geisinger Kohorte), um die Prävalenz von MODY bei Personen in einem Alter von über 40 Jahren zu untersuchen. Dabei konnten sie auf die Sequenzierung des gesamten Genoms von 72.557 Personen zurückgreifen, 38.967 aus der UK Biobank und 33.590 aus der Geisinger-Kohorte. Untersucht wurde das Vorkommen von den zwölf häufigsten MODY-Genen. In beiden Kohorten war klinisch bei 4,7% der Patienten ein Typ-1-Diabetes festgestellt worden, in 95,3% der Fälle ein Typ-2-Diabetes.
Bedeutende Ergebnisse: MODY bei 1 von 167 Patienten
Insgesamt wurden 251 Personen mit MODY identifiziert. In der UK-Biobank-Kohorte war einer von 167 Patienten mit Diabetesdiagnose in einem Alter über 40 Jahren von einem MODY betroffen. Eine ähnliche Häufigkeit ergab sich für die Gruppe der Patienten mit bisheriger Typ-1-Diabetes-Diagnose (1/168), bei Typ-2-Diabetes war die Prävalenz etwas geringer (1/211). In der Geisinger-Kohorte, die mehr adipöse Patienten umfasste, war die Prävalenz eines MODY insgesamt (1/316) und bezogen auf Patienten mit einer Typ-1-Diagnose (1/756) geringer als in der UK Biobank, während sie bei Patienten mit Typ-2-Diagnose ähnlich war (1/308).
Die häufigste Ursache eines MODY war eine Mutation im Glukokinase-Gen (GCK; 51%) gefolgt von HNF1A/4A (17%) und m.3243A>G (10,6%; wurde nur in der UK-Biobank-Kohorte bestimmt). Die Relevanz der entdeckten MODY-Typen ist hoch: Von den Betroffenen erhielten in der UK-Biobank-Kohorte 36% und in der Geisinger-Kohorte 49% eine für ihren Genotyp ungeeignete Therapie.
Charakteristika bei MODY-Patienten
Das Erstdiagnosealter der Patienten mit MODY war in der UK Biobank im Vergleich zu Patienten mit Typ-2-Diabetes niedriger (im Mittel 54 vs. 57 Jahre), im Vergleich zu Patienten mit Typ-1-Diagnose höher (54 vs. 50 Jahre). Der mittlere Body Mass Index (BMI) war in der MODY-Gruppe niedriger als in der Gruppe mit Typ-1- oder Typ-2-Diagnose (27 kg/m2 vs. 29 kg/m2 und 31 kg/m2). Einen von Diabetes betroffenen Elternteil gaben 41% der Patienten mit MODY an und damit häufiger als die Betroffenen mit Typ-1-Diabetes (32%) und Typ-2-Diabetes (38%).
Der HbA1c war bei MODY-Patienten vergleichbar mit dem bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, aber niedriger als bei Typ-1-Diabetes (51 vs. 60 mmol/mol). Triglyceride waren in der Typ-2-Diabetes-Gruppe am höchsten (MODY: 1,6 mmol/mol, Typ-1-Diabetes: 1,5 mmol/mol, Typ-2-Diabetes: 2 mmol/mol).
MODY-Biomarker gesucht
Mit Hilfe der untersuchten klinischen Parameter ließe sich ein MODY aber nicht mit ausreichender Sicherheit von einem Typ-1-oder Typ-2-Diabetes abgrenzen, erklärte Sharp. Wünschenswert wäre, mit Hilfe von Biomarkern Risikogruppen zu identifizieren, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit im genetischen Screening ein MODY aufweisen. Bei einer Prävalenz eines MODY von unter 0,6% im Alter von über 40 Jahren ist ein breites Screening ohne hohes Risiko für ein MODY nicht sinnvoll.
Breitere Betrachtung von MODY
Die Entdeckung von MODY bei älteren Patienten wirft ein neues Licht auf die Notwendigkeit, genetische Tests möglicherweise auch in höheren Altersgruppen in Betracht zu ziehen, insbesondere wenn klinische Indikatoren darauf hinweisen. Die Identifizierung von MODY kann eine gezieltere und effektivere Behandlungsstrategie ermöglichen, was sowohl für den Patienten als auch für das Gesundheitssystem Vorteile bringt. Die Herausforderung besteht darin, kosteneffektive und präzise Methoden zur Identifizierung von Personen zu entwickeln, die von einem genetischen Test profitieren könnten, um eine übermäßige Belastung der Ressourcen zu vermeiden.








