Wer weniger als 6 Stunden schläft, hat ein höheres Risiko für Diabetes

Menschen, die gewohnheitsmäßig weniger als 6 Stunden schlafen, zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko für einen DM 2, selbst wenn sie sich gesund ernähren. Zu diesem Ergebnis kommt eine große Kohortenstudie aus dem vereinigten Königreich, die in JAMA veröffentlicht wurde.

Schlafmangel

Zu wenig Schlaf, ein Problem auch in Bezug auf das Diabetesrisiko

Viele Menschen schlafen weniger als 7 Stunden pro Tag. In den USA waren es im Jahr 2020 einer Studie zufolge 33% der Befragten. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Arbeitsbelastung bis hin zur Schlafapnoe. Bereits seit längerem ist bekannt, dass ein Schlafverhalten wie dieses mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert ist. Eine Meta-Analyse von prospektiven Studien mit 482.502 Teilnehmern mit Nachbeobachtungszeiträumen von 2,5 bis 16,0 Jahren zeigte z. B., dass jede Stunde durchschnittliche Schlafdauer unter 7 Stunden pro Tag das relative Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 (DM 2) um 9% erhöht.

Gleichzeitig ist kurzer Schlaf auch mit ungesunden Ernährungsgewohnheiten assoziiert. Es stellt sich also die Frage, ob Menschen mit kurzer Schlafdauer nur deshalb häufiger an Diabetes erkranken, weil sie sich auch schlechter ernähren, oder ob eine kurze Schlafdauer ein von der Ernährung unabhängiger Risikofaktor ist. 

Alles nur eine Frage der Ernährung?

Dieser Frage ging ein Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich nach. Dafür untersuchten sie die Daten von 247.867 Probanden. Der mediane Nachbeobachtungszeitraum betrug 12,5 Jahre. Die Personen wurden anhand ihrer Schlafgewohnheiten in Gruppen eingeteilt, wobei eine Schlafdauer von 7-8 Stunden als normal galt. Zudem wurden ihre Ernährungsgewohnheiten analysiert und von gesund bis ungesund in 5 Kategorien eingeteilt.

Während der Nachbeobachtungszeit wurde bei 3,2% der Teilnehmer ein DM 2 diagnostiziert. Die Analyse zeigte einen signifikanten Anstieg des DM 2-Risikos bei Teilnehmern mit 5 Stunden oder weniger Schlaf pro Tag. Die statistische Analyse wurde bezüglich zahlreicher Störvariablen wie z.B. Alter, biologisches Geschlecht, Body-Mass-Index, körperliche Aktivität etc. bereinigt. Es zeigte sich, dass Personen mit einer täglichen Schlafdauer von 5 Stunden im Vergleich zur Gruppe derer, die 7-8 Stunden schliefen ein 16% höheres Risiko für die Entwicklung eines DM 2 aufwiesen.

Lag die Schlafdauer nur bei 3-4 Stunden, war das relative Risiko sogar um 41% erhöht. Das relative Risiko blieb unabhängig von den Ernährungsgewohnheiten auf diesem Niveau erhöht, wenngleich das Risiko zu erkranken bei gesunder Ernährung insgesamt niedriger lag. Die Daten der Forschenden deuten also darauf hin, dass eine Schlafdauer von weniger als 6 Stunden ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung eines DM 2 ist.

Welcher Pathomechanismus steckt dahinter?

Gemäß den Ergebnissen von Laborstudien kann Schlafmangel durch verschiedene Mechanismen zur Entwicklung von DM 2 beitragen. Dazu gehören eine beeinträchtigte zelluläre Insulinsensitivität, eine erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems und eine veränderte Zusammensetzung der Darmmikrobiota. Zudem stellt sich der Energiestoffwechsel der Skelettmuskeln um, so dass weniger Glukose verstoffwechselt wird.

Autor:
Stand:
30.04.2024
Quelle:

Nôga DA,Meth EDMES,Pacheco AP, et al. Habitual Short Sleep Duration, Diet, and Development of Type 2 Diabetes in Adults. JAMA Netw Open. 2024;7(3):e241147. Doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.1147

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden