Schwangerschaftsdiabetes (auch Gestationsdiabetes oder Typ-4-Diabetes) zeichnet sich durch erstmals erhöhte Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft aus. Es stellt eine häufige Komplikation der Schwangerschaft dar und geht mit etlichen Risiken für Mutter und Kind einher, wie z. B. Präeklampsie, neonatale Hypoglykämie, erhöhte Frühsterblichkeit des Neugeborenen, Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Daher werden Schwangere in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche (SSW) routinemäßig auf Schwangerschaftsdiabetes getestet.
Besteht ein erhöhtes Diabetes-Risiko, wird auch früher getestet. Sind die Glukosewerte erhöht, aber unter den Werten, die bei nicht schwangeren Erwachsenen für die Diagnose herangezogen werden, kann ein früher Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert werden und wird entsprechend behandelt.
Studie untersucht Vorteile einer frühzeitigen Behandlung
Eine vor Kurzem veröffentlichte randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte mögliche Vorteile einer frühzeitigen Behandlung (Therapiebeginn vor der 20. SSW) gegenüber einer späteren bzw. keiner Behandlung [1]. Die TOBOGM-Studie (ACTRN12616000924459) wurde von 2017 bis 2022 an 17 verschiedenen Kliniken in Australien, Österreich, Schweden und Indien durchgeführt.
Teilnehmen konnten Frauen ab 18 Jahren zwischen der vierten und 19. SSW, bei denen mindestens ein Risikofaktor für eine Hyperglykämie vorlag. Bei allen wurde vor der 20. SSW ein oraler Glukosetoleranztest (oGGT) mit 75 g Glukose durchgeführt. Nach den Kriterien der WHO waren dabei v. a. folgende Referenzwerte ausschlaggebend:
- Nüchternglukosespiegel von ≥92 mg pro Deziliter (≥5,1 mmol pro Liter)
- oGGT: 1-Stunden-Glukosespiegel von ≥180 mg pro Deziliter (≥10,0 mmol pro Liter)
- oGGT: 2-Stunden-Glukosespiegel von ≥153 mg pro Deziliter (≥8,5 mmol pro Liter)
Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes
Die Behandlung umfasste Aufklärung, Ernährungsberatung, eine Anleitung zur Messung des Blutzuckerspiegels im Kapillarblut sowie ggf. eine Insulin- oder Metformin-Therapie. Das geburtshilfliche Management wurde entsprechend der jeweiligen örtlichen Praxis durchgeführt.
Ergebnisse der TOBOGM-Studie
Insgesamt nahmen 802 Frauen an der Studie teil. Davon wurden 406 sofort behandelt, 396 waren in der Kontrollgruppe. Abschließende Ergebnisse konnten von insgesamt 793 Frauen erfasst werden.
In der Gruppe der sofort Behandelten erhielten mehr Frauen eine Insulin- (58,1% gegenüber 41,4%) oder Metformin-Therapie (23,6% gegenüber 10,4%) als Frauen in der Kontrollgruppe. Schwangerschaftshypertonie trat in 10,6% (sofort Behandelte) bzw. 9,9% (Kontrollgruppe) der Fälle auf.
Die mütterliche Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und der Prozentsatz der Frauen, die sich einem Kaiserschnitt oder einer Geburtseinleitung unterzogen, waren in beiden Gruppen ähnlich. Schwere Dammverletzungen traten bei 0,8 % (sofort Behandelte) bzw. 3,6 (Kontrollgruppe) auf.
Bei den Säuglingen kam es bei 9,8% (sofort Behandelte) bzw. 17,0% (Kontrollgruppe) zu neonatalen Atemproblemen, was den Hauptunterschied beider Gruppen darstellte. Insgesamt hatten diejenigen, die sofort behandelt wurden, eine leicht signifikant niedrigere Inzidenz von unerwünschten neonatalen Komplikationen. Die fettfreie Körpermasse der Neugeborenen war in beiden Studiengruppen gleich. Totgeburten oder Todesfälle bei den Neugeborenen waren in beiden Gruppen selten.
Blutzuckerschwankungen im Verlauf der Schwangerschaft
Insgesamt müssen bei der Diagnose eines frühen Schwangerschaftsdiabetes jedoch auch die bereits bekannten Schwankungen des Blutzuckerspiegels im Verlauf des ersten Trimesters berücksichtigt werden. So zeigte z.B. etwa ein Drittel der Frauen, bei denen ein früher Schwangerschaftsdiabetes gemäß den WHO-Kriterien diagnostiziert worden war, bei der Wiederholung des OGTT in der 24. bis 28. SSW keinen Schwangerschaftsdiabetes mehr.
In diesem Zusammenhang läuft derzeit die GO-MOMs-Studie (Glycemic Observation and Metabolic Outcomes in Mothers and Offspring, NCT04860336) mit dem Ziel, die glykämische Gesamtsituation in der Schwangerschaft durch kontinuierliche Glukosemessung noch besser zu verstehen [2].







