Telemedizin: Virtuelle Diabetesklinik verbessert die Versorgung der Patienten

In einer Studie zur virtuellen Diabetes-Betreuung haben Wissenschaftler positive Resultate in Bezug auf die Patientenversorgung und das Diabetes-Management festgestellt. Ebenso konnte das nachweislich effektive kontinuierliche Glukosemonitoring in dieses Konzept eingefügt werden.

Telemedizin Smartphone

Die Prävalenz des Diabetes mellitus hat in den Vereinigten Staaten in beunruhigendem Maße zugenommen, wobei schätzungsweise 37,3 Millionen Amerikaner betroffen sind. Im Jahr 2022 gab es jedoch nur 8.524 Endokrinologen in den USA, was zu einem Verhältnis von 4.375 Diabetes-Patienten pro Facharzt führte. Diese ungleiche Verteilung hat zur Konsequenz, dass die Betreuung von Diabetes-Patienten oft in der Primärversorgung erfolgt.

Kontinuierliches Glukosemonitoring: Die Zukunft der Diabetes-Überwachung

Das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM) hat sich als wahrer Durchbruch in der Versorgung von Diabetes-Patienten erwiesen. Diese Technologie ermöglicht es Menschen mit Diabetes, ihren Blutzuckerspiegel kontinuierlich und in Echtzeit zu überwachen. Dies geschieht etwa alle fünf Minuten mithilfe einer Blutzuckermessung im Unterhautfettgewebe. Im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten liefert das CGM somit kontinuierliche Daten, die es den Betroffenen bzw. ihren Ärzten ermöglichen, Trends und Muster zu erkennen.

Telemedizin als Hoffnungsträger in der Diabetes-Versorgung

Obwohl die klinischen Vorteile des CGM bei Typ-1- und insulinbehandeltem Typ-2-Diabetes (DM1, DM2) belegt sind, ist seine Verbreitung noch begrenzt. Dies gilt vor allem für Patienten in der primären Gesundheitsversorgung und kann auf mangelndes Wissen, mangelnder Technologiebereitschaft oder Ressourcenbeschränkungen zurückgeführt werden.

Die Telemedizin bietet eine Lösung für diese Herausforderungen, da sie Ärzten ermöglicht, die Blutzuckerwerte der Patienten aus der Ferne zu überwachen. Ausgehend davon können sie fundierte Therapieentscheidungen treffen und die erforderliche Unterstützung bieten, ohne persönliche Besuche bereitzustellen.

Die virtuelle Diabetes-Spezialklinik: Ein telemedizinischer Ansatz

Eine wegweisende prospektive Studie, über eine "Virtuelle Diabetes-Spezialklinik" (VDiSC), untersuchte kürzlich die Machbarkeit und Wirksamkeit einer virtuellen endokrinologischen Klinik zur Verbesserung der Diabetesbetreuung. Ziel war es, die Integration von CGM und die Bereitstellung von Unterstützung im Bereich der Verhaltensgesundheit für diabetesbezogene Probleme zu erleichtern.

Die VDiSC-Studie erstreckte sich von August 2020 bis Mai 2022 und umfasste US-Bürger ab 18 Jahren mit DM1 oder DM2, die Insulinpumpen oder mehrere tägliche Insulininjektionen verwendeten und über ein Smartphone mit Internetzugang für virtuelle Besuche verfügten. Die Studie bot entfernte Schulungssitzungen, individualisierte Betreuung und das CGM-Gerät Dexcom G6 Pro.

Typ-1-Diabetiker profitieren von der virtuellen Klinik

Die VDiSC-Studie verzeichnete eine Teilnehmerzahl von 160 Personen mit DM1. Die Akzeptanz des CGM-Systems durch die Teilnehmer war hoch, was sich in einem durchschnittlichen CGM-Verbrauch von 96% niederschlug. Schon nach 3 Monaten sank der durchschnittliche HbA1c-Wert von 7,8% auf bemerkenswerte 7,1%. Diese Verbesserung in der Langzeit-Glukosekontrolle hielt sich auch nach 6 Monaten Follow-Up stabil.

Die Zeit, in der sich die Blutzuckerwerte in einem akzeptablen Bereich (Time in Range [TIR]) von 70 bis 180 mg/dL befanden, erhöhte sich von 50% zu Beginn auf 61% über den Zeitraum von 6 Monaten. Weitere CGM-Metriken zeigten ähnliche, ermutigende Verbesserungen hinsichtlich der Hyperglykämie.

Diabetes-Typ-2-Patienten zeigten ebenfalls positive Veränderungen

Die Studie umfasste 74 Teilnehmer mit DM2. Diese profitierten ebenfalls von den Vorzügen der virtuellen Diabetes-Versorgung. Mit einem durchschnittlichen CGM-Verbrauch von 94% zeigten auch sie eine allgemeine Akzeptanz dieser Technologie. Die Verbesserungen in der Regulierung des Blutzuckers waren ebenfalls deutlich. Der durchschnittliche HbA1c-Wert sank von 8,1% zu Beginn auf 7,1% nach nur 3 Monaten und hielt dieses Niveau über weitere 3 Monate.

Die durchschnittliche TIR verbesserte sich von anfänglichen 48% auf beachtliche 66% bei den Follow-Up-Untersuchungen nach 6 Monaten. Der durchschnittliche Blutzuckerspiegel fiel von anfänglichen 199 mg/dL auf 166 mg/dL.

Telemedizin: Ein vielversprechender Ansatz in der Diabetes-Behandlung

Die VDiSC-Studie verdeutlicht, dass ein virtuelles Klinikmodell für Diabetes-Patienten klare klinische Vorteile bieten kann, die sich in den glykämischen Ergebnissen und den CGM-Metriken widerspiegeln. Dieses Modell eröffnet die Möglichkeit, den Zugang zur Diabetes-Versorgung zu erweitern und Gesundheitsdisparitäten für Patienten zu verringern, die nicht persönlich an der Diabetes-Betreuung teilnehmen können. Es erleichtert auch die Einführung von Technologien und gezielten Schulungen zur Selbstverwaltung von Diabetes.

Während persönliche Arztbesuche nach wie vor empfohlen werden, um mögliche langfristige Komplikationen zu beurteilen, zeigt die VDiSC-Studie, wie erfolgreich Telemedizin eingesetzt werden kann, um die Diabetes-Versorgung zu optimieren. Weitere umfangreiche Studien und Kostenanalysen sind notwendig, um die Ausweitung von virtuellen Versorgungsmodellen zu unterstützen.

Autor:
Stand:
24.10.2023
Quelle:

Aleppo G, Gal RL, Raghinaru D, et al. (2023): Comprehensive Telehealth Model to Support Diabetes Self-Management. JAMA Netw Open, DOI: 10.1001/2Fjamanetworkopen.2023.36876

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