Adipositas auch bei normalem BMI möglich

Um die Faktoren für kardiometabolische Erkrankungen vollständig zu verstehen, muss neben dem Body-Mass-Index der prozentuale Anteil von Körperfett, Muskeln, Knochen und Wasser sowie der Fettanteil am Bauch und an den Oberschenkeln einbezogen werden.

BMI

Der Body-Mass-Index (BMI) allein ist kein ausreichender Indikator für die Stoffwechselgesundheit. Trotz einem BMI <30 kg/m2 ist ein erheblicher Anteil der US-Bürger adipös. Das ergaben neue Forschungsergebnisse, die auf der Jahrestagung der Endocrine Society (ENDO 2023) in Chicago, Illinois, vorgestellt wurden. Zudem wurden ethnische Unterschiede beim BMI, dem Körperfettanteil und der Verteilung des Körperfetts festgestellt. Diese könnten mögliche Ursachen für die ethnischen Ungleichheiten bei kardiometabolischen Erkrankungen sein, sagte Aayush Visaria, Arzt für Innere Medizin an von der Rutgers Universität in New Brunswick, USA, laut einer Pressemitteilung [1].

Vergleich von BMI-Daten und DXA-Adipositasmaßen

Das Forschungsteam um Visaria verglich BMI-Daten und DXA-Adipositasmaße von knapp 10.000 nicht schwangeren Erwachsenen der NHANES-Studie (National Health and Nutrition Examination Survey) und untersuchte sie auf etwaige Adipositas-Diagnosen.

Die DXA-Methode (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry) ist eine bildgebende Technik zur genauen Messung der Körperzusammensetzung und zur Bestimmung des Körperfettanteils.

Der BMI wurde nach ethnischer Zugehörigkeit kategorisiert. Bei Menschen nicht asiatischer Abstammung lagen folgende Gewichtsdefinitionen zugrunde (jeweils in kg/m2):

  • Untergewicht <18,5
  • Normalgewicht 18,5–24,9
  • Übergewicht 25–29,9
  • Adipositas ≥30

Bei Asiaten wichen die Maßangaben etwas ab:

  • Untergewicht <18,5
  • Normalgewicht 18,5–22,9
  • Übergewicht 23–27,4
  • Adipositas ≥27,5

DXA-Scans enthüllen hohe Adipositas-Raten bei US-Erwachsenen

Frauen gelten als adipös, wenn der Körperfettanteil bei mindestens 30% liegt, Männer ab einem Anteil von mindestens 25%. Gemäß der DXA-Maße traf das auf 74% der Erwachsenen zu. Anhand der traditionellen BMI-Definition hätten jedoch nur gut 30% eine Adipositas gehabt.

Die Untererfassung variierte nach der ethnischen Abstammung. Asiatische Amerikaner und Hispanoamerikaner mit vermeintlich normalem BMI waren häufiger von Fettleibigkeit betroffen und hatten einen größeren Anteil an Bauchfett als nicht hispanische Weiße (jeweils 49% vs. 44%). Afroamerikaner hingegen wiesen bei normalen/übergewichtigen BMI-Bereichen ein deutlich geringeres Risiko für Adipositas und einen geringeren Bauchfettanteil (27%) auf.

Körperfettmessung als Ergänzung zum BMI

Aufgrund der diagnostischen Ungenauigkeit des BMI sei es wichtig, zusätzlich routinemäßig auch den Körperfettanteil zu erfassen, erklärte Visaria. Dies ist über eine Messung des Taillenumfangs oder mit der sogenannten bioelektrischen Impedanzanalyse möglich. Letztere erfasst den elektrischen Gesamtwiderstand des Körpers. Die DXA-Messung wäre zwar genauer, ist aber auch sehr kostenintensiv.

Die Studiengruppe hofft, dass ihre Forschung dazu beiträgt, das Konzept der gewichtsintegrierenden Versorgung zu stärken und Ärztinnen und Ärzte animiert:

  • neben dem BMI routinemäßig zusätzliche Maßnahmen zur Körperfettmessung wie Taillenumfang oder bioelektrische Impedanzmessungen (zum Beispiel Smart-Waagen) einzusetzen,
  • Praktiken zu etablieren, um Vorurteile aufgrund eines hohen BMIs zu vermeiden und
  • klinische Entscheidungen zu treffen, die nicht ausschließlich von einer BMI-Berechnung abhängen, sondern vielmehr ein umfassendes Bild der Körperzusammensetzung und der Verteilung des Körperfetts berücksichtigen.
Autor:
Stand:
27.06.2023
Quelle:

Endocrine Society, Pressemitteilung, 16. Juni 2023

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