Steatotische Lebererkrankungen (früher als Fettleber bezeichnet) gehören weltweit zu den häufigsten chronischen Lebererkrankungen und betreffen etwa ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung. Neben metabolischen Faktoren wie Adipositas oder Diabetes kann auch übermäßiger Alkoholkonsum zur Krankheitsentstehung oder -progression beitragen.
Die Differenzierung zwischen metabolisch bedingter steatotischer Lebererkrankung und alkoholassoziierter Lebererkrankung ist klinisch relevant, da sich Diagnostik, Beratung und therapeutische Maßnahmen unterscheiden können. In der Praxis ist diese Unterscheidung jedoch häufig schwierig, insbesondere wenn Alkoholkonsum unterschätzt oder nicht vollständig angegeben wird.
Neuer Labor-Score soll alkoholbedingte Ursachen bei Fettleber identifizieren
Eine Arbeitsgruppe der University of California San Diego School of Medicine untersuchte daher, ob sich mithilfe routinemäßig erhobener Laborparameter ein prädiktiver Score zur Identifikation von Patienten mit steatotischer Lebererkrankung und gleichzeitig übermäßigem Alkoholkonsum entwickeln lässt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal 'Gastroenterology' veröffentlicht.
Als Referenzmarker für Alkoholkonsum diente Phosphatidylethanol (PEth), ein direkter Biomarker für Alkoholexposition. Obwohl PEth als sehr zuverlässiger Marker gilt, kann seine Anwendung im klinischen Alltag durch Kosten oder eingeschränkte Verfügbarkeit limitiert sein. Ein indirekter Labor-Score könnte daher als Screening-Instrument dienen, um gezielt Patienten zu identifizieren, bei denen eine weiterführende Peth-Testung sinnvoll ist.
Internationale Kohorten liefern Grundlage für die Score-Entwicklung
Die Entwicklung des Scores erfolgte in einer prospektiven Kohorte von 503 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas und steatotischer Lebererkrankung aus Südkalifornien. Alle Teilnehmer unterzogen sich einer Untersuchung mittels Magnetresonanztomographie (MRT) bzw. Magnetresonanzelastographie (MRE) sowie einer Peth-Bestimmung.
Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 51 Jahre, der mittlere Body-Mass-Index (BMI) lag bei 32,9 kg/m².
Zur Entwicklung des Vorhersagemodells nutzten die Forscher eine logistische Regressionsanalyse. Als Zielgröße galt das Vorliegen einer Kombination aus metabolischer steatotischer Lebererkrankung und alkoholassoziierter Lebererkrankung (MetALD-ALD), definiert anhand der Peth-Messung. Das Modell wurde intern validiert und anschließend in einer unabhängigen populationsbasierten Kohorte aus Schweden mit 1.777 Teilnehmern extern überprüft.
Routinelaborwerte als Grundlage des Biomarker-Scores
Das finale Modell wurde als MetALD-ALD Prediction Index (MAPI) bezeichnet. Der Score basiert auf fünf klinischen beziehungsweise laborchemischen Parametern:
- Geschlecht
- mittleres korpuskuläres Volumen (MCV)
- Gamma-Glutamyltransferase (GGT bzw. γ-GT)
- HDL-Cholesterin
- HbA1c
Alle Parameter gehören zu routinemäßig erhobenen Laborwerten in der Primärversorgung oder hepatologischen Spezialambulanzen.
MAPI zeigt gute diagnostische Leistung und übertrifft bestehende Alkoholmarker
Die diagnostische Genauigkeit des Scores wurde mithilfe der Fläche unter der Receiver-Operating-Characteristic-Kurve (AUROC) bewertet.
In der Entwicklungskohorte erreichte der Score eine AUROC von 0,76, in der externen Validierungskohorte eine AUROC von 0,75.
Damit zeigte der MAPI-Score eine gute Vorhersageleistung und schnitt im Vergleich mit anderen indirekten Alkoholmarkern am besten ab.
Praxisnaher Score ohne zusätzliche Diagnostik umsetzbar
Die Forscher betonen, dass der Score auf Laborparametern basiert, die in der klinischen Routine bereits erhoben werden. Dadurch kann das Instrument ohne zusätzliche diagnostische Belastung implementiert werden.
Studienleiter Rohit Loomba erklärt: „Dieser neue Score gibt Ärzten eine einfache und zugängliche Möglichkeit, verborgene alkoholbedingte Leberschäden zu erkennen. Indem wir die Klassifikation von Lebererkrankungen verbessern, können wir Patienten zu besseren langfristigen Gesundheitsergebnissen verhelfen.“
Erstautor Federica Tavaglione ergänzte: „Unser Ziel war es, ein praxisnahes Instrument zu entwickeln. Die verwendeten Laborwerte gehören bereits zur Standarddiagnostik, sodass MAPI ohne zusätzliche Kosten oder erhöhte Komplexität in der klinischen Praxis eingesetzt werden kann.“












