Neuro-immuner Signalweg im Darm begrenzt Entzündung und schützt Gewebe

Neuronen des enterischen Nervensystems setzen das Neuropeptid Adrenomedullin 2 frei, das gewebeschützende Immunantworten aktiviert und dadurch Entzündungen im Darm begrenzt.

Darm-Hirn-Verbindung

Entzündliche Darmerkrankungen (IBD) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betreffen weltweit Millionen von Patienten. Trotz Fortschritten in Diagnostik und Therapie bleibt die Krankheitslast weiterhin hoch. Insbesondere die Regulation von Gewebeschädigung und -heilung im entzündeten Darm ist nicht vollständig verstanden. Vor diesem Hintergrund rückt die Rolle des enterischen Nervensystems zunehmend in den Fokus.

Enterisches Nervensystem und Immunregulation

Das enterische Nervensystem, oft als „zweites Gehirn“ bezeichnet, umfasst Hunderte Millionen Neuronen. Neben der Kontrolle von Motilität, Durchblutung und Resorption wird seine Bedeutung für immunologische Prozesse zunehmend erkannt. Bisher war jedoch unklar, wie neuronale Signale die Balance zwischen proinflammatorischen und gewebeschützenden Immunantworten beeinflussen.

Untersuchung von ADM2 in Mausmodellen und humanen Proben

Eine Forschungsgruppe am Jill Roberts Institute for Research in Inflammatory Bowel Disease, Weill Cornell Medicine (New York, USA), untersuchte die Rolle eines neurogenen Signalwegs bei intestinaler Entzündung. Im Fokus standen Typ-2-innate lymphoide Zellen (ILC2), die für die Produktion des gewebeschützenden Wachstumsfaktors Amphiregulin bekannt sind. Analysiert wurden präklinische Mausmodelle sowie humanes Gewebe und Blutproben aus der Jill Roberts Live Cell Bank. Die Ergebnisse der präklinisch-translationalen Studie wurden in 'Nature Immunology' veröffentlicht.

Mausmodelle belegen Schutzfunktion von ADM2

In Mausmodellen führten genetische Eingriffe an Rezeptorkomponenten in ILC2 zu einer signifikanten Abnahme gewebeschützender Antworten, zu einer signifikanten Abnahme gewebeschützender Antworten, einer verminderten Amphiregulin-Produktion und einer erhöhten Anfälligkeit für Darmschäden und Entzündungen. Umgekehrt führte die Gabe von rekombinantem ADM2 zu einer Expansion amphiregulinproduzierender ILC2 und begrenzte die intestinale Entzündung.

Humane Proben bestätigen Relevanz des ADM2-Signalwegs

Bei Teilnehmenden mit entzündlichen Darmerkrankungen war die Expression der ADM2-Rezeptorgene (CALCRL, RAMP3) verändert. Zudem stimulierte ADM2 in humanen ILC2 die Produktion von Amphiregulin. Damit ist die Relevanz des identifizierten Mechanismus auch für den Menschen belegt.

Fazit: Neuro-immunologischer Mechanismus unterstützt Heilung im entzündeten Darm

Die Studie belegt, dass der Ligand-Rezeptor-Signalweg enterischer Neuronen entscheidend für gewebeschützende ILC2-Funktionen ist. Damit ist ein bislang nicht beschriebener neuro-immunologischer Mechanismus im Darm identifiziert, der Heilungsprozesse bei intestinalen Entzündungen unterstützt und als Grundlage für die Entwicklung neuer Strategien im Umgang mit entzündlichen Darmerkrankungen dienen kann.

Autor:
Stand:
23.09.2025
Quelle:

Uddin, J. et al. (2025): CGRP-related neuropeptide adrenomedullin 2 promotes tissue-protective ILC2 responses and limits intestinal inflammation. Nature Immunology, DOI: 10.1038/s41590-025-02243-2.

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