Die hepatische Enzephalopathie (HE) ist eine häufige Dekompensation bei Leberzirrhose, die mit einer erhöhten Sterblichkeit und häufigen Hospitalisationen verbunden ist. Sowohl die Zirrhose als auch die HE werden mit hohen Ammoniakwerten in Verbindung gebracht, die durch das Mikrobiom, die Ernährung und die Aktivität des Enzyms Glutaminase beeinflusst werden. Die Rolle der Ernährung wird intensiv erforscht, wobei Veränderungen des Ammoniakspiegels nach bestimmten Eiweißbelastungen auch prognostischen Wert besitzen.
Herausforderung Ernährung
In den meisten westlichen Ländern ist die Ernährung reich an einfachen Kohlenhydraten und rotem Fleisch, jedoch arm an Ballaststoffen, was die Ammoniagenese fördern kann. In diesem Fall würde sich eine vegetarische oder vegane Ernährung als gesundheitsfördernd erweisen. Eine Umstellung der gesamten Ernährung ist jedoch oft schwer zu erreichen und aufrechtzuerhalten und erfordert umfassende Verhaltensänderungen. Daher haben sich Forscher die Frage gestellt, wie sich eine gelegentliche Ernährungsänderung bzw. die Art der Eiweißquelle auf die Entstehung von Ammoniak auswirkt.
Studie untersucht Auswirkungen der Ernährung
An der Studie nahmen 30 Männer mit Leberzirrhose teil, die sich typisch westlich und nicht vegetarisch/vegan ernährten und von denen ein Teil schon einmal Symptome einer HE erlebt hatte. Die Probanden erhielten nach nächtlichem Fasten entweder eine Fleisch-, eine vegetarische oder eine vegane Burger-Mahlzeit mit jeweils 20 g Eiweiß. Blutproben wurden zu Beginn sowie stündlich für drei Stunden nach der Mahlzeit entnommen. Der Ammoniak-Serumspiegel war zu Studienbeginn in den drei Gruppen vergleichbar.
Fleischkonsum führt zu höheren Ammoniakwerten
Der Serum-Ammoniak-Wert erhöhte sich im Vergleich zum Ausgangswert signifikant in der Fleischgruppe, aber nicht in der veganen oder vegetarischen Gruppe. Entsprechend der Ernährung erhöhten sich bei den Fleischessern Marker für Fleischkonsum (Histidyl-Alanin und 5-Hydroxylysin) und bei den Nicht-Fleischessern Marker für Soja-Konsum (Daidzeinsulfat und Genisteinsulfat). Im Vergleich zu Veganern wiesen Fleischesser einen niedrigeren Gehalt an O-Acetylhomoserin, S-Allylcystein und Dopaminmetaboliten sowie eine höhere Konzentration von Eugenolsulfat auf. Darüber hinaus fanden sich in der Fleischgruppe im Vergleich zu Veganern und Vegetariern höhere Konzentrationen bestimmter Lipidmetaboliten sowie Aminosäuren, die mit HE und Ammoniagenese in Verbindung gebracht werden (Methionin und 5-Hydroxylysin).
Patienten mit früherer HE wiesen unabhängig von der Behandlungsgruppe zu allen Zeitpunkten höhere Serumspiegel von Ammoniak auf. Bei ihnen fanden sich nach Fleischkonsum auch höhere 5-Hydroxylysin-Konzentrationen und niedrigere 3-Hydroxy-2-Methylpyridinsulfat-Konzentrationen als nach fleischlosem Essen. Außerdem war der Methionin-Metabolismus bei Fleischkonsum in dieser Subgruppe höher, während die verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA), Tyrosin und Tryptophan bei Fleischkonsum niedriger waren [1].
Fazit
In dieser Studie wurde gezeigt, dass der Ersatz einer einzigen fleischhaltigen Mahlzeit durch eine vegane oder vegetarische Alternative mit einer Verringerung des postprandialen Ammoniakspiegels einhergeht. Sie verbesserte außerdem die Konzentrationen von Serummetaboliten, die mit der Ammoniagenese und HE in Verbindung gebracht werden. Damit könnte der zeitweilige Ersatz einer fleischhaltigen Mahlzeit mit einer vegetarischen oder veganen Mahlzeit eine Option für Patienten sein, die sich normalerweise fleischhaltig ernähren und denen eine Ernährungsumstellung schwerfällt.









