Chronisch-rezidivierende Bauchschmerzen stellen eines der häufigsten Symptome in der Pädiatrie dar und führen bei Kindern und Jugendlichen zu einer erheblichen Verminderung der Lebensqualität. Funktionelle gastrointestinale Beschwerden (FGIB) werden gemäß den Rom-IV-Kriterien als Störungen der Darm-Hirn-Interaktion definiert und umfassen primär drei Hauptgruppen: funktionelle Störungen mit Übelkeit und Erbrechen, funktionelle Störungen mit Bauchschmerzen sowie funktionelle Defäkationsprobleme.
Die Komplexität dieser Störungen erfordert eine Diagnose und Therapie, die sich am bio-psycho-sozialen Schmerzmodell orientiert, was für alle Beteiligten herausfordernd sein kann. Eine der zentralen Herausforderungen in der Behandlung besteht darin, wie funktionell gastrointestinale Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen möglichst effektiv gelindert werden können.
Die Relevanz individueller und multidisziplinärer Therapiekonzepte
Aufgrund der vielfältigen Auslöser der Beschwerden ist ein individueller und multimodaler Therapieansatz zwingend erforderlich. Dieser Ansatz hat sich bei Störungen der Darm-Hirn-Interaktion in der Behandlung bewährt und umfasst Modifikationen des Lebensstils, psychologische Verfahren sowie medikamentöse Therapie. Die Diskussion relevanter Therapieansätze, insbesondere die Bedeutung individueller Konzepte, wurde im Rahmen des DGKJ-Kongresses 2025 durch Prof. Dr. med. Jan Däbritz, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Potsdam, und Dr. med. Slim Saadi, Kinderarztpraxis München, beleuchtet.
Die Relevanz dieser multimodalen Strategie wird dadurch betont, dass die Behandlung leitliniengerecht erfolgen sollte und über die reine medikamentöse Intervention hinausgeht. Ein zentraler Aspekt ist zunächst die Aufklärung der Familie und des Patienten. Hierbei ist es essenziell, einerseits empathisch zu vermitteln, dass kein pathologischer Organbefund vorliegt, und gleichzeitig klarzustellen, dass die Bauchschmerzen real sind. Das Konzept der Darm-Hirn-Achse muss dabei umfassend erklärt werden.
Kernkomponenten der multimodalen Behandlung und phytotherapeutische Optionen
Die leitliniengerechte multimodale Therapie basiert auf mehreren Säulen:
Modifikationen des Lebensstils und Ernährungstherapie:
Dazu gehören Maßnahmen zur Regulation des Stuhlgangs, ernährungstherapeutische Interventionen und die Identifikation sowie Vermeidung von Schmerztriggern. Das Führen eines Bauchschmerzprotokolls kann hierbei hilfreich sein.
Psychologische Verfahren:
Kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden haben einen hohen Stellenwert. Dazu zählen Psychoedukation, kognitive Verfahren sowie Entspannungsübungen, welche teils auch online durchgeführt werden können.
Medikamentöse Maßnahmen:
Bei den pharmakologischen Ansätzen haben sich insbesondere Phytotherapeutika in der Behandlung von Kindern bewährt. Im Rahmen des Symposiums „Kinder und der Bauch: Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen im Praxisalltag“ wurden hierbei konkrete medikamentöse Therapieoptionen vorgestellt.
Es zeigte sich, dass insbesondere für Pfefferminzöl und STW 5 positive Effekte vorliegen. Die Wirksamkeit von Iberogast Classic (STW 5) wurde in mehreren Studien belegt, darunter einer nichtinterventionellen Studie (NIS) mit Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren sowie in retrospektiven Erhebungen, die in einem Studien-Review zusammengefasst wurden. Iberogast Classic gilt als eine effektive Behandlungsoption und ist für Kinder ab einem Alter von 3 Jahren zugelassen. Die Daten unterstreichen die klinische Relevanz und die Integration phytotherapeutischer Optionen in das therapeutische Spektrum bei funktionellen pädiatrischen Magen-Darm-Erkrankungen.
Implikationen für die Praxis und Ausblick
Die Erkenntnisse des Symposiums betonen die Notwendigkeit, bei der Behandlung funktioneller gastrointestinaler Beschwerden in der pädiatrischen Praxis den multimodalen Ansatz konsequent umzusetzen. Die Linderung der lebensqualitätseinschränkenden Beschwerden steht im Fokus.
Für die therapeutische Praxis bedeutet dies, dass neben essenziellen psychoedukativen und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen auch etablierte medikamentöse Optionen wie STW 5, deren Wirksamkeit und Sicherheit in Studien belegt ist, aktiv in das Therapiekonzept integriert werden können. Die Anwendung dieser bewährten Ansätze stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu besseren Behandlungsmöglichkeiten dar.
Zukünftige Forschung sollte sich darauf konzentrieren, die individuellen Schmerztrigger und die Rolle ernährungstherapeutischer Interventionen im Rahmen des multimodalen Konzepts weiter zu präzisieren. Darüber hinaus bleibt die Optimierung der Interaktion zwischen den verschiedenen therapeutischen Disziplinen – Aufklärung, Psyche, Ernährung und Pharmakotherapie – relevant, um die Komplexität der Darm-Hirn-Interaktion optimal zu adressieren und die Lebensqualität der betroffenen Kinder und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern.









