Anstieg von Magenkrebs bei jungen Erwachsenen

Eine aktuelle Analyse zeigt einen Anstieg von Magenkrebsfällen bei jungen Erwachsenen. Die Ursachen liegen vermutlich in veränderten Lebensstilfaktoren, Ernährungsgewohnheiten und steigender Adipositasprävalenz.

Magenkrebs

Magenkrebs zählt weltweit zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Im Jahr 2022 wurden laut GLOBOCAN-Daten etwa 968.000 neue Fälle und 660.000 krebsbedingte Todesfälle registriert. Die höchste Inzidenz findet sich in Ostasien, das mehr als 50 % aller Fälle verzeichnet.

Bisher galt Magenkrebs als Erkrankung älterer Menschen, doch epidemiologische Daten zeigen eine alarmierende Entwicklung: Während die Inzidenz in der Gesamtbevölkerung vieler Länder rückläufig ist, steigt sie in der jüngeren Bevölkerung – insbesondere bei Frauen in Europa, Ozeanien und Nordamerika. Eine in 'Cancer Biology & Medicine' veröffentlichte Untersuchung analysierte globale und regionale Trends zwischen 2003 und 2017 und bestätigt diesen Anstieg.

Risikofaktoren – Warum steigt die Inzidenz bei jungen Erwachsenen?

H. pylori-Infektionen und genetische Prädisposition

Eine Infektion mit Helicobacter pylori gilt als wichtigster Risikofaktor für Magenkrebs. Die globale Prävalenz von H. pylori ist in den letzten Jahrzehnten rückläufig, jedoch bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Besonders virulente Stämme, wie die ostasiatischen CagA+-Varianten, sind mit einem erhöhten Magenkrebsrisiko assoziiert.

Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Unterschiede in HLA-Genvarianten und genetische Polymorphismen können die Anfälligkeit für Magenkrebs erhöhen. Zudem zeigen Studien, dass die diffuse Form des Magenkarzinoms, die häufiger bei jungen Frauen auftritt, mit der Expression von Östrogenrezeptoren in Verbindung stehen könnte.

Lebensstil und Ernährung als treibende Faktoren

Veränderte Ernährungsgewohnheiten und Lebensstile sind mögliche Ursachen für den steigenden Trend bei jungen Erwachsenen. Folgende Faktoren stehen besonders im Fokus:

  • Adipositas: Die zunehmende Adipositasprävalenz, insbesondere in westlichen Ländern, ist ein relevanter Risikofaktor. Übergewicht und Fettleibigkeit sind eng mit einem höheren Risiko für kardiale Magenkarzinome assoziiert.
  • Westliche Ernährungsweise: Ein hoher Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln, gesättigten Fettsäuren und rotem Fleisch könnte die Tumorentstehung begünstigen.
  • Geringerer Verzehr von Ballaststoffen und Antioxidantien: Pflanzliche Nahrung liefert essenzielle Mikronährstoffe mit schützender Wirkung gegen Magenkrebs. Der Rückgang des Gemüse- und Ballaststoffkonsums könnte die Krebsprävention negativ beeinflussen. 
  • Alkoholkonsum und Rauchen: Beide Faktoren sind etablierte Risikofaktoren für Magenkarzinome und interagieren mit H. pylori-Infektionen.

Bedeutung der Früherkennung und Screening-Programme

In Ländern wie Japan und Südkorea haben nationale Früherkennungsprogramme für Magenkrebs zu einer verbesserten Detektionsrate und besseren Prognosen geführt. Dort werden seit Jahrzehnten endoskopische Untersuchungen ab dem 40. Lebensjahr routinemäßig durchgeführt.

In westlichen Ländern fehlen vergleichbare Programme. Da ein flächendeckendes endoskopisches Screening aufgrund hoher Kosten und fehlender Risikostratifizierung schwer umsetzbar ist, könnten Hochrisikoprofile eine Lösung bieten, um Früherkennungsmaßnahmen gezielt und effizient einzusetzen.

Handlungsbedarf für die Forschung

Zukünftige Studien sollten sich verstärkt mit der Identifikation spezifischer Risikofaktoren bei jungen Erwachsenen befassen. Besonders relevant sind genetische Prädispositionen, mikrobiologische Einflussfaktoren wie virulente H. pylori-Stämme sowie umwelt- und lebensstilbedingte Faktoren.

Prospektive Langzeitstudien sind notwendig, um den Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und der Tumorentstehung besser zu verstehen.

Autor:
Stand:
26.02.2025
Quelle:

Tan, N. et al. (2024): Global, regional, and national burden of early-onset gastric cancer. Cancer Biology & Medicine, DOI: 10.20892/j.issn.2095-3941.2024.0159.

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