Die Zytomegalievirus-(CMV)-Infektion ist weltweit verbreitet und in Deutschland die häufigste kongenitale Virusinfektion. Schätzungen zufolge kommt es bei etwa 0,5–1 % aller Neugeborenen zu einer konnatalen CMV-Infektion, wobei Primärinfektionen in der Frühschwangerschaft das höchste Risiko für schwere fetale Schäden bergen. Nach intrauteriner Transmission können Neugeborene dauerhafte neurologische Defizite, Hörstörungen bis hin zur Taubheit sowie Entwicklungsverzögerungen erleiden – insbesondere, wenn eine Behandlung ausbleibt. Trotz dieser klinischen Relevanz ist bislang keine Impfung verfügbar, weshalb Präventionsmaßnahmen und ein standardisiertes Management von zentraler Bedeutung sind.
Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Virologie wurde nun die S2k-Leitlinie „Prävention, Diagnostik und Therapie der CMV-Infektion bei Schwangeren sowie der konnatalen CMV-Infektion bei Neugeborenen und Kindern“ aktualisiert. Sie fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft zusammen und empfiehlt ein standardisiertes Vorgehen in der klinischen Praxis. Des Weiteren finden sich darin strukturierte Handlungsanweisungen zu Aufklärung, Labordiagnostik und antiviraler Therapie, die je nach Risikosituation kombiniert werden sollten. Ziel ist es, eine verbesserte Prävention, frühzeitige Diagnosestellung und wirksame Behandlung von CMV-Infektionen während Schwangerschaft und Kindheit zu ermöglichen.
A und O: Beratung und Hygienemaßnahmen
Da kein schützendes Vakzin zur Verfügung steht, ist die Aufklärung von Frauen mit Kinderwunsch und Schwangeren von entscheidender Bedeutung. Die Leitlinie empfiehlt:
• Präkonzeptionelle Beratung: Frauen sollten möglichst schon vor Eintritt der Schwangerschaft über die Risiken einer Primärinfektion, Reaktivierung oder Reinfektion informiert werden. Dies gilt besonders für Paare mit Kinderwunsch, bei geplanter assistierter Reproduktion oder Nutzung von Spendersamen.
• Serostatus-Bestimmung: Bei unklarem CMV-Status wird eine serologische Testung spätestens zu Beginn der Schwangerschaft oder vor reproduktionsmedizinischen Maßnahmen empfohlen.
• Hygienemaßnahmen: Alle Schwangeren, auch seropositive, sollen Hygieneregeln konsequent umsetzen. Besonders relevant ist die Vermeidung von Kontakt mit Speichel und Urin kleiner Kinder bis zum dritten Lebensjahr, um eine Primär- oder Reinfektion zu verhindern.
• Beratung nach Geburt: Seronegative Mütter sollten hinsichtlich Schutzmaßnahmen für eine mögliche Folgeschwangerschaft informiert werden.
Bei bestätigter MCV-Infektion: antivirale Therapie
Die Leitlinie legt Wert auf eine frühzeitige und sichere Labordiagnose bei Verdacht auf eine CMV-Primärinfektion in der Schwangerschaft. Bei bestätigter Infektion kann durch den Einsatz antiviraler Medikamente die materno-fetale Transmission reduziert werden. Für konnatal infizierte Neugeborene ist eine antivirale Therapie derzeit die einzige evidenzbasierte Option zur Verbesserung des Krankheitsverlaufs.
Der Einsatz von CMV-Hyperimmunglobulin wird nicht mehr routinemäßig empfohlen, sondern nur noch als individueller Heilversuch bei Kontraindikationen gegen antivirale Medikamente, etwa bei Nierenfunktionsstörungen der Mutter.
Weitere Forschungen – vor allem zur Impfung – sind nötig
Die Autoren stellen allerdings auch fest, dass trotz verbesserter Therapieoptionen weiterhin erhebliche Wissenslücken bestehen. Vor allem wird die fehlende Impfung beklagt. Zudem sei die optimale antivirale Behandlungsstrategie für Schwangere und Neugeborene noch nicht abschließend geklärt. Weitere klinische Studien seien erforderlich, um evidenzbasierte Empfehlungen zu erweitern und langfristige Schäden durch konnatale CMV-Infektionen effektiver zu verhindern.










