Berichte über Nebenwirkungen hormoneller Kontrazeptiva, die Safer-Sex-Kampagnen, und auch die zunehmende Verantwortung, die Männer in Sachen Familienplanung übernehmen, sind wohl einige der Gründe, warum sich in Sachen Empfängnisverhütung eine Trendwende vollzogen hat. In den gynäkologischen Sprechstunden wird immer weniger nach der “Pille”, dafür aber nach natürlichen Verhütungsmethoden gefragt.
Know-How zur Beratung in Leitlinie zusammengetragen
Um Patientinnen bzw. Paare entsprechend ihrer Lebenssituation zur Sicherheit und Effektivität der verschiedenen Verhütungsmethoden beraten zu können, bedarf es einigem Know-How. Daher haben die deutschsprachigen Fachgesellschaften der Gynäkologen und Geburtshelfer die Fakten zu nicht-hormonellen Maßnahmen gegen eine ungewollte Schwangerschaft in einer Leitlinie zusammengestellt – die erster ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Das Spektrum der Leitlinie reicht von den Maßnahmen der natürlichen Familienplanung (NFP), über Barrieremethoden, Intraunterinpessare (IUP= Spirale), bis hin zur Sterilisation.
Einzelne Kontrazeptionsmethoden unter der Lupe
Jede der genannten Kontrazeptionsmethoden wird individuell ausführlich diskutiert, wobei stets Vorteile und Einschränkungen betrachtet und aufgelistet werden. Dabei berücksichtigen die Experten in ihren Empfehlungen nicht nur die Zuverlässigkeit und mögliche Nebenwirkungen inklusive der Umkehrbarkeit der jeweiligen Methoden, sondern auch deren Verfügbarkeit, Akzeptanz – z.B. Kosten – sowie die Auswirkungen auf Sexualität und Libido.
Computergestützte NFP
Großen Raum nehmen dabei die Empfehlungen der NFP ein: Schließlich werden hier nicht nur die Messungen der Zyklusparameter wie Basaltemperatur oder Zervixschleim beleuchtet, sondern auch die Auswertung dieser Messwerte via Apps oder Zykluscomputer. Des Weiteren wird betont, dass die verschiedenen NFP-Methoden (z.B. Billings-, Rötzer-, CLER-Methode) bei korrektem Erlernen durchaus funktionieren, aber unterschiedlich effektiv sind. Zudem seien auf Sonderregeln zu achten, die je nach individueller Lebenssituation variieren können – z.B. postpartal, Stillzeit, Perimenopause oder Medikamente, die den Zyklus beeinflussen. Gesondert wird auf die Nutzung der Laktationsamenorrhoe eingegangen, die ebenfalls zu den natürlichen Verhütungsmethoden gezählt wird.
Zu den am häufigsten angewendeten Maßnahmen dürften die Barrieremethoden – allen voran der Gebrauch von Kondomen – gehören. Auch auf andere Produkte mit Barrierefunktion wie Diaphragma, Portiokappen oder Kondome für Frauen geht die Leitlinie ein.
No go: Coitus interruptus
Bemerkenswert ist das Kapitel zum Thema Coitus interruptus. Denn diese alte Verhütungsmethode wird laut den Experten nach wie vor sehr häufig praktiziert. Daher sollte bei einer Beratung zur Verhütung unbedingt darauf hingewiesen werden, wie unsicher dies ist und besser auf andere Methoden zurückgegriffen werden sollte.
Version für Patientinnen in Arbeit
An der Erstellung der insgesamt 175 Seiten umfassenden Handlungsempfehlung waren Autoren aus 15 Fachgesellschaften beteiligt. Eine Patientinnen- und Patientenversion ist derzeit in Arbeit. Finanziell unterstützt wurde die S2k-Leitlinie vom Leitlinienprogramm der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.










