Frühgeburtsrisiko steigt, wenn der Vater über 50 ist

Frauen, die von Männern jenseits der 50 schwanger werden, haben ein höheres Risiko für einen Frühgeburt sowie für Geburtskomplikationen wie ein zu niedriges Geburtsgewicht. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ein Mädchen ist, steigt, wenn die Väter schon im Rentenalter sind.

Älterer Mann Baby

Nicht nur in den USA, auch hierzulande werden die Menschen immer später Eltern. Daten des Statistischen Bundesamts zufolge lag in Deutschland das Durchschnittsalter erstgebärender Frauen im Jahre 2021 bei 31,8, jenes erstmaliger Väter bei 34,7 Jahren. 1991 lagen diese Werte noch bei 27,9 bzw. 30,0 Jahren. Und die späte Elternschaft hat gesundheitliche Auswirkungen. So ist bekannt, dass das mütterliche Alter mit dem Risiko für Infertilität, Früh- und Fehlgeburten korreliert. Kinder von späten Vätern haben eine höhere Wahrscheinlichkeit Autismus, pädiatrische Tumorerkrankungen, Achondroplasie und Schizophrenie zu entwickeln. 

Während die Auswirkungen des Alters der Mutter auf die Schwangerschaft – z.B. gilt ein Alter über 40 Jahre per se als Risikoschwangerschaft – gut untersucht sind, gibt es bisher kaum Erkenntnisse, ob das Alter des Vaters perinatale Komplikationen beeinflusst. 

Querschnittsstudie mit über 46 Mio. Datensätzen

Um diese Wissenslücke zu schließen, haben US-amerikanische Wissenschaftler in einer großen epidemiologischen Querschnittstudie aus dem National Vital Statistics System die soziodemografischen und perinatale Daten von 46.195.453 Lebendgeburten analysiert. Von 2011 bis 2022 nahm das mittlere Alter aller Väter von 30,8 auf 32,1 Jahre zu. Insgesamt betrug das Durchschnittsalter der Väter 31,5 Jahre. Davon waren 484.507 (1,1 %) Väter zwischen 50 und 59 Jahre alt. Auf die Altersgruppe 60–69 Jahre entfielen 47.785 (0,1 %) Männer, und 3.777 (0,008 %) Väter waren zum Zeitpunkt der Geburt älter als 70 Jahre. 

Bei der Auswertung wurden die Daten der älteren Väter in 5-Jahressegmente (50-54, 55-59, …, 80+ Jahre) und 10-Jahressegmente (50-59, 60-69, …, 80+ Jahre) unterteilt und die Werte der Parameter mit denen von Vätern unter 50 Jahren verglichen.

Mehr assistierte Reproduktionstechniken, mehr Frühgeburten

Die wichtigsten Ergebnisse: 

  • Die Wahrscheinlichkeit für unerwünschte perinatale Ereignisse nahm mit jedem 10-Jahressegment zu. 
  • So lag bei den 50-59-jährigen das Risiko für eine Frühgeburt verglichen mit den jungen Vätern (30-39 Jahren) um 16% (adjusted Odds Ratio aOR 1,16) höher. Bei den sehr alten Vätern über 70 Jahren lag das Frühgeburtsrisiko mehr als 20% (aOR 1,21) über dem der Referenzgruppe.
  • Auch ein zu niedriges Geburtsgewicht (unter 2.500 g) kam bei den älteren Vätern häufiger vor als bei den über 30-Jährigen: über 50 Jahren war dies um 14% (aOR 1,14) häufiger, bei den sehr späten Vätern lag dieses Risiko 24% (aOR 1,24) über dem der Referenzgruppe. 
  • Je älter die Väter waren, desto häufiger hatten sie auch assistierte Reproduktionstechniken (ART) in Anspruch genommen, um zu Nachwuchs zu kommen. In der Altersgruppe der 50-59-Jährigen war das mehr als zweimal so häufig (OR 2,23) wie in der Referenzgruppe, bei den über 70jähreigen mehr als sechsmal so häufig (aOR 6,51).
  • Die Wissenschaftler untersuchten auch, ob das Alter der Väter Einfluss auf das Geschlecht des Kindes hat. Und tatsächlich bekommen späte Väter eher eine Tochter als einen Sohn. Allerdings ist dies nur in den hohen Altersgruppen signifikant. In der Gruppe der 70–74-Jährigen sind es 8% weniger Jungs (aOR 0,92) in der Gruppe über 75-Jährigen ist die Chance auf einen Sohn um 16% (aOR 0,84) reduziert.
  • Für viele der älteren Väter war es das erste Kind. Bei den 60-69-Jährigen lag die Rate der ersten Vaterschaft um 40% höher im Vergleich zur Referenzgruppe der 30-39-Jährigen (aOR1,39); bei den über 70-jährigen Vätern sogar um über 50% (aOR 1,55).

Fazit

Auch wenn eine spätere Vaterschaft Vorteile für das Kind bedeuten kann – z.B. erhöhte Wahrscheinlichkeit auf wirtschaftliche Stabilität, bessere Ernährungs- und Bildungsmöglichkeiten – ist sie auch mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden. Und das schon bei der Geburt. Darüber sollte bei Patientenberatung und Familienplanung aufgeklärt werden.

Autor:
Stand:
12.11.2024
Quelle:

Ha AS et al. (2024): Sociodemographic Trends and Perinatal Outcomes in Fathers 50 Years and Older. JAMA Netw Open. 2024;7(8):e2425269. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.25269

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