Anhaltende Hitze während der Schwangerschaft ist nicht nur beschwerlich, sondern auch gefährlich. Denn Frühgeburten drohen. Weltweit enden 11% aller Schwangerschaften mit einer Frühgeburt – eine der häufigsten Ursachen für die Morbidität und Mortalität von Säuglingen.
Frühgeburts-Faktor Klimawandel?
Die Ursachen für Fehlgeburten sind vielfältig: sozioökonomischer Status, Infektionen, Drogen, Vorerkrankungen u.a.m. Das Wetter als Risikofaktor wurde in unseren Breiten bisher vernachlässigt. Die wenigen vorliegenden Daten stammen aus geografischen Gebieten mit hohen Umgebungstemperaturen, an die die Schwangeren angepasst waren. Angesichts des Klimawandels, der auch in gemäßigten Zonen zu andauernden Hitzeperioden führt, rückt Hitze mehr und mehr in den Fokus der Geburtshilfe.
Hitzestress in Deutschland
Die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Eppendorf (Hamburg) wollten nun die Wissenslücke füllen, inwieweit in unseren Breiten Hitzeperioden das Frühgeburtsrisiko beeinflussen. Dazu wurden die Daten von 42.905 Frauen mit Einlingsschwangerschaften, die in den Monaten März bis September von 1999 bis 2021 am UKE entbunden hatten, mit den Klimatabellen des Hamburger Wetterdienstes abgeglichen. Primärer Endpunkt war die Feststellung des relativen Risikos einer Frühgeburt in der Zeit von Hitzeperioden über 2 bis ≥ 5 Tage durch Vergleich der errechneten Geburtstermine mit den tatsächlichen Entbindungsdaten.
Lange Hitzeperiode steigert Risiko um 67%
Ergebnis: Bei 8,51% der Teilnehmerinnen kam es zur Frühgeburt (definitionsgemäß Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche). Zwei Drittel dieser Frühgeburten (65,11%) ereigneten sich zwischen der 34. und 37. SSW (späte Frühgeburt), die übrigen 34,9 % noch vor der 34. SSW. Stieg die Temperatur um mehr als 35% über die Durchschnittstemperatur erhöhte sich das Frühgeburtsrisiko um 59 % (Faktor 1,59; p=0,025). Hielt die Hitze von mehr als 30°C länger – bis zu 5 Tagen – an, stieg das Risiko einer vorzeitigen Geburt in der kritischen Schwangerschaftsphase zwischen der 34. und 37. SSW um 67% (Faktor 1,67; p=0,009).
Hitze vermindert uterinen Blutfluss
Die Hamburger Wissenschaftler wollten auch wissen, welche pathophysiologischen Prozesse eine Frühgeburt begünstigen. Dazu werteten sie Ultraschalluntersuchungen aus, die von 612 Teilnehmerinnen vorlagen. Die Analyse ergab, dass Hitzeperioden von mindestens 4 Tagen zu einer Gefäßerweiterung der Arteria uterina und zu einer Abnahme des Pulsatilitätindex (einem Maß für die Blutflussgeschwindigkeit) führen. Dieser verminderte Blutfluss könnte die Versorgung des Fetus mit Sauerstoff und Nährstoffen so weit gefährden, dass die Frühgeburt ausgelöst wird. Zudem erhöht der fehlende Schlaf in schwülen Nächten den Stress. Parallel sinken die Schwangerschaftshormone, der Cortisolspiegel steigt – was wiederum das Risiko einer Frühgeburt erhöht.
Pränatale Routinebetreuung anpassen
Fazit der Autoren: Hitzestress erhöht das Risiko einer Frühgeburt in einer geografischen Region mit gemäßigtem Klima. Dieser Umstand sollte in die pränatale Routinebetreuung einfließen, um eine aktive Überwachung der gefährdeten Frauen zu gewährleisten. Generell sollte Frauen, die sich zwischen der 34. und 38. Schwangerschaftswoche befinden, eindringlich empfohlen werden, bei anhaltend hohen Temperaturen möglichst die Sonne meiden, sich in klimatisierten Räumen aufhalten sowie viel Flüssigkeit zu sich nehmen.











