Modafinil bei Schwangeren steigert Risiko für Wachstumsverzögerung

Modafinil ist zwar in Deutschland nur zur Behandlung der Narkolepsie zugelassen, doch es macht generell wacher. Daher wird es gelegentlich missbräuchlich zur Steigerung kognitiver Funktionen eingenommen. In der Schwangerschaft kann dadurch die Gesundheit des Kindes gefährdet werden: die Gefahr für vermindertes Geburtsgewicht und verringerten Kopfumfang steigt.

Fötus

Modafinil macht wach und steigert das Denkvermögen. Und es hat anders als andere Aufputschmittel wie Amphetamine ein geringeres Suchpotential. Dennoch hat das Psychostimulans reichlich Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, aber auch Unruhe, Schlaflosigkeit, Tachykardie und Angststörungen. In Deutschland ist Modafinil daher nur zur Behandlung bei Narkolepsie zugelassen, wird aber gelegentlich off-label bei anderen Formen von Schlafstörungen bzw. Müdigkeit eingesetzt wie schwere obstruktive Schlafapnoe und Schichtarbeitersyndrom sowie bei Depressionen u.a. In anderen Ländern wie den USA ist Modafinil dafür auch zugelassen. Und: Als “Aufputschmittel light” kommt es auch zu Missbrauch.

Hinweise auf angeborene Missbildungen

Seit 2019 häufen sich die Hinweise, dass Modafinil nicht nur auf den Wachheitsgrad und andere psychische Funktionen wirkt sowie Kopfschmerzen verursacht, sondern auch bei Einnahme in der Schwangerschaft dem Kind schadet. So wurde über ein erhöhtes Risiko für schwere angeborene Anomalien (Major Congenital Anomalies[MCA]) und eine Beeinträchtigung des fetalen Wachstums berichtet.

Internationale Fallserie

Allerdings sind die Daten eher dürftig. Wie viel an dem Missbildungsrisiko durch Modafinil in der Schwangerschaft dran ist, wollte ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Charité Berlin wissen. Es analysierte eine multizentrische prospektive Fallserie mit 175 Frauen, die in der Schwangerschaft Modafinil eingenommen hatten, 173 davon mindestens im ersten Trimester. Die Daten stammten von 18 Informationsdiensten für Teratologie aus 12 mehrheitlich europäischen Ländern.

Berechnet wurde die kumulative Inzidenz von Schwangerschaftsergebnissen, die Rate der nicht-chromosomalen MCA in den im ersten Trimester modafinilexponierten Schwangeren sowie die Perzentile des Neugeborenen-/Säuglingsgewichts und des Kopfumfangs (Head Circumference [HC]).

Ergebnis: Die kumulative Inzidenz von Lebendgeburten betrug unter den Schwangeren, die im ersten Trimenon Modafinil eingenommen hatten, 76,9 %, die für Spontanaborte  9,3% und die für Schwangerschaftsabbrüche 13,9 %.

Entwarnung für MCA-Risiko

Drei von 150 Lebendgeburten wiesen nicht chromosomal bedingte schwere kongenitale Anomalien auf, was einer Rate von 2,0 % entsprach und damit keine Risikoerhöhung für MCA unter Modafinil im ersten Trimenon bedeutete. Aber: Geburtsgewicht und Kopfumfang waren im Vergleich zum Referenzstandard vermindert – und zwar ging jede Steigerung der durchschnittlichen Modafinil-Dosis um 100 mg pro Schwangerschaftstag sowohl beim Geburtsgewicht als auch beim Kopfumfang des Neugeborenen mit einem Rückgang des Standardabweichungsscores um -0,28 einher.

Dennoch: Kein Modafinil in der Schwangerschaft

Die Rate von 2,0 % schwerwiegender angeborener Anomalien in der prospektiven Kohorte von modafinilexponierten Schwangerschaften im ersten Trimester deutet nicht auf ein erhöhtes Risiko hin. Allerdings wirkt Modafinil wahrscheinlich wachstumshemmend auf den Fötus. Daher empfehlen die Forscher, auf Modafinil während der Schwangerschaft zu verzichten – zumindest, bis weitere Ergebnisse zu diesen Sicherheitsbedenken vorliegen.  

Autor:
Stand:
10.04.2024
Quelle:

Onken M, et al. (2023): Effects of maternal modafinil treatment on fetal development and neonatal growth parameters - a multicenter case series of the European Network of Teratology Information Services (ENITS). Acta Psychiatr Scand. Doi:10.1111/acps.13643

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