PFAS-Mischungen könnten die Plazentafunktion stören

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen sind allgegenwärtige Umweltchemikalien. Neue Forschungsergebnisse belegen, dass PFAS-Mischungen die Funktion der Plazenta bereits in der Frühschwangerschaft beeinträchtigen und damit potenziell die fetale Entwicklung gefährden.

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Die Belastung durch per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) stellt weltweit ein wachsendes Problem dar. PFAS sind langlebige, endokrin wirksame Chemikalien, die in zahlreichen Industrie- und Konsumprodukten eingesetzt werden. Aufgrund ihrer Persistenz finden sich PFAS in nahezu allen Blutproben und können sich im Körper anreichern – insbesondere in Organen wie Lunge, Niere, Leber und Plazenta. Epidemiologische Studien verknüpfen PFAS-Exposition mit Entwicklungsstörungen und reproduktiven Risiken. Besonders Schwangere sind durch hormonelle und immunologische Veränderungen anfällig für die schädlichen Effekte endokriner Disruptoren. 

Die Plazenta als Zielorgan für PFAS: Aktuelle Daten zur Belastung

Die Plazenta übernimmt als zentrales Organ der Schwangerschaft essenzielle Aufgaben für die Versorgung und Entwicklung des Fetus. Studien zeigen, dass PFAS in der Plazenta akkumulieren und auf den Fetus übertragen werden können, was akute und langfristige Gesundheitsfolgen nach sich ziehen kann. Während bisherige Untersuchungen meist auf Einzelstoffe und späte Schwangerschaftsphasen fokussierten, liefert die aktuelle Studie erstmals Daten zu PFAS-Konzentrationen in Plazentagewebe des ersten Trimesters. In allen untersuchten Proben wurden PFAS nachgewiesen, wobei insbesondere Perfluorononansäure (PFNA), Perfluorooctansulfonat (PFOS), Perfluorobutanoat (PFBA), Perfluorooctanoat (PFOA), Perfluorhexansulfonat (PFHxS) und Perfluordecanoat (PFDA) in relevanten Mengen vorlagen. 

Innovative 3D-Trophoblastmodelle: Neue Ansätze für die Risikobewertung

Die Mehrzahl toxikologischer Studien nutzt 2D-Zellkulturmodelle, die die komplexen Bedingungen im menschlichen Gewebe nur unzureichend abbilden. Die hier vorgestellte Arbeit nutzt erstmals ein physiologisch relevantes 3D-Trophoblastsphäroidmodell, um die Auswirkungen einer realitätsnahen PFAS-Mischung auf die Plazentafunktion zu untersuchen. Die Mischung wurde anhand der in Plazentagewebe gemessenen Konzentrationen zusammengestellt und repräsentiert die tatsächliche Belastung im frühen Schwangerschaftsstadium.

Funktionelle Veränderungen durch PFAS: Ergebnisse im Überblick

Die Exposition von Trophoblastsphäroiden mit der PFAS-Mischung führte zu folgenden zentralen Befunden:

  • Viabilität: Während die Lebensfähigkeit der 3D-Sphäroide weitgehend erhalten blieb, zeigte sich in 2D-Modellen eine dosisabhängige Reduktion der Zellviabilität.
  • Invasion: Die invasive Fähigkeit der Trophoblasten wurde je nach Zelllinie unterschiedlich beeinflusst. In JEG-3-Sphäroiden stieg die Invasivität nach PFAS-Exposition, während sie in HTR-8/SVneo-Sphäroiden signifikant abnahm.
  • Hormonproduktion: Die Produktion des schwangerschaftsspezifischen Hormons β-hCG war nach PFAS-Exposition reduziert, was auf eine gestörte endokrine Funktion der Plazenta hindeutet.
  • Genexpression: Es zeigten sich Veränderungen in der Expression von Genen, die für Apoptose, Proliferation und Invasion relevant sind. Insbesondere wurden apoptotische und proliferative Signalwege unterschiedlich reguliert.

Einordnung der Ergebnisse: Relevanz und offene Fragen

Die Studie adressiert zentrale Lücken in der bisherigen Forschung: Sie untersucht erstmals die Wirkung einer realitätsnahen PFAS-Mischung im ersten Trimester und nutzt ein fortschrittliches 3D-Modell. Die Ergebnisse zeigen, dass PFAS die Funktion der Plazenta auf mehreren Ebenen beeinträchtigen können – auch wenn die zugrunde liegenden Mechanismen noch nicht vollständig geklärt sind. Die unterschiedlichen Effekte auf verschiedene Zelllinien verdeutlichen die Komplexität der Plazentafunktion und die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen.

Ausblick: Bedeutung für die klinische Praxis und zukünftige Forschung

Die Erkenntnisse dieser Studie legen nahe, dass die Belastung mit PFAS-Mischungen bereits in der Frühschwangerschaft relevante Risiken für die Plazentafunktion und damit für den Schwangerschaftsverlauf birgt. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Umweltfaktoren stärker in die Risikobewertung einbezogen werden sollten. Zukünftige Forschung sollte sich auf Langzeitstudien und mechanistische Analysen konzentrieren, um die Auswirkungen von PFAS auf die fetale Entwicklung und mögliche Interventionsstrategien besser zu verstehen.

Autor:
Stand:
09.12.2025
Quelle:

Xia, Y., Fu, Q., Voss, H., Fest, S., Arnold, S., Bauer, M., Fink, B., Zenclussen, A. C., & Stojanovska, V. (2025). Real-life per- and polyfluoroalkyl substances mixture impairs placental function: Insights from a trophoblast spheroid model. Environmental Research, 287, 123037. DOI: 10.1016/j.envres.2025.123037.

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