Dieses Jahr beginnt der Ramadan am 22. März und dauert bis zum 21. April. Und auch dieses Jahr werden viele Muslime versuchen die Fastengebote – tagsüber weder zu essen noch zu trinken – einzuhalten. Schwangere sind zwar von diesem Gebot prinzipiell ausgenommen, wenn sie hinsichtlich ihrer eigenen Gesundheit oder der Gesundheit ihres Babys Bedenken haben. Dennoch halten viele Muslima diese Praxis aufgrund tief verwurzelter religiöser Motivationen ein – selbst während einer Schwangerschaft.
Lebenslange Schäden fürs Kind?
Schaden sie damit nicht ihrem Kind? Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass der Ramadan während der Schwangerschaft mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Nachkommen verbunden sein könnte, die sich über deren gesamten Lebensverlauf erstrecken. Doch diese Studiendaten sind widersprüchlich.
Studie mit schwangeren Muslima
Die Studiengruppe um Dr. Fabienne Pradella von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz wollte hier Licht ins Dunkel bringen: Sie befragten retrospektiv 326 muslimische Frauen, die in Mainz entbunden hatten und deren Schwangerschaften sich im Jahr 2017 mit dem Monat Ramadan überschnitten hatte. 2017 fiel der Ramadan auf den Juli, so dass sich aufgrund der langen Tage eine besonders lange Nahrungskarenz von bis zu 18 Stunden ergab. Die Teilnehmerinnen berichteten über das Fasten, die Zusammensetzung der Ernährung und die Schlafzeiten während der Schwangerschaft im Ramadan. Diese Daten wurden mit den Krankenakten der Mütter und ihren Säuglingen verknüpft.
Ein Drittel der Befragten hielt sich ans Fastengebot
Immerhin 30% der 326 befragten Frauen hielten sich im Ramadan 2017 zwischen 3 und 29 Tagen an das Fastengebot. 47% der Fastengruppe fasteten mindestens 20 Tage, wobei sich das erste Trimenon bei 42% der fastenden Frauen mit dem Ramadan überschnitt.
Leichtere Babys durch Fasten im ersten Trimenon
Die Studie ergab, dass diese Form der Nahrungskarenz während der Schwangerschaft mit einem verringerten Gewicht der Neugeborenen assoziiert war. Kinder von Müttern, die im ersten Trimenon fasteten, wiesen ein signifikant niedrigeres Geburtsgewicht auf als Kinder von Müttern, die in ihrem ersten Trimenon nicht gefastet hatten. Im Mittel betrug dieser Unterschied -352,92 g (95%-Konfidenzintervall [KI]: -537,38 bis -168,46). Die Auswirkungen des Fastens über 10–19 Tage und 20–29 Tage waren ähnlich, während die Assoziation zwischen dem Geburtsgewicht und dem Fasten über 3–9 Tage nicht signifikant war.
Fettes Essen hilft
Auffällig war, dass das Geburtsgewicht der Kinder bei den Frauen normal war, die zwar fasteten, aber beim Fastenbrechen – also dem Essen nach Einbruch der Dunkelheit – zu fettreichen Nahrungsmitteln griffen. Eine Schlafreduktion und die Aufnahme süßer Nahrungsmittel hatten keine signifikante Auswirkung auf das Geburtsgewicht.
Aufgrund dieser Ergebnisse kann schwangeren Muslima, die sich an das Fastengebt halten wollen, geraten werden, beim Fastenbrechen eher fettreich zu essen, um einem niedrigeren Geburtsgewicht entgegenzuwirken.
Wie wirken sich andere Makronährstoffe aus?
Wie die Autoren in ihrem Fazit weiterschreiben, sei dies die erste Studie, die Informationen über die Ernährung und den Schlaf von Müttern während des Ramadans enthält. Es müssten weitere Untersuchungen erfolgen, um die Bedeutung bestimmter (Makro-)Nährstoffe und Lebensmittelgruppen beim Fasten in der Schwangerschaft zu bewerten.










