Gar nicht so selten: Spontan schwanger nach IVF

Einmal in-vitro-Fertilisation heißt nicht immer In-vitro-Fertilisation: 20% der Frauen, deren erstes Kind in der Retorte gezeugt wurde, sind keineswegs völlig unfruchtbar. Denn sie werden beim nächsten Kind auf natürlichem Weg schwanger.

in vitro fertilisation

“Ein Wunder: Frau nach Retorten-Baby auf natürlichem Weg schwanger” – solche Meldungen in der Publikumspresse kommen vermutlich dadurch zustande, dass die In-vitro-Fertilisation (IVF) 1978 ursprünglich für Frauen mit beidseitigem Eileiterverschluss entwickelt wurde. Seit damals hat sich das Indikationsspektrum jedoch stark erweitert, z.B., wenn Ovulationsstörungen, Eileiterfaktoren, Gebärmutterfaktoren oder männliche Faktoren die Fruchtbarkeit einschränken.

Bisher mehr als 10 Millionen Retorten-Babys

Entsprechend hat der Einsatz der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) in Ländern mit hohem Einkommen drastisch zugenommen. Bis heute wurden weltweit mehr als 10 Millionen Babys durch IVF geboren – 2020 lag in den Industrieländern die jährliche Rate für IVF-gezeugte Babys bei 1–6 %.

Mehr als 5.000 Frauen nach IVF nachbeobachtet

Da also heute IVF bei vielen Paaren mit Subfertilität – nicht völliger Unfruchtbarkeit – eingesetzt wird, wundert es eigentlich nicht, dass gelegentlich weitere Schwangerschaften auf dem herkömmlichen Weg entstehen. Ein britisches Forscherteam wollte nun wissen, wie hoch tatsächlich der Anteil der Frauen ist, die nach einer erfolgreichen künstlichen Befruchtung später auch natürlich schwanger werden. Dafür analysierten die Arbeitsgruppe um Dr. Annette Thwaites vom University College London elf Studien mit über 5.000 Frauen, die zwischen 1980 und 2021 nach ihrer Behandlung mit assistierter Reproduktionstechnologie ART ein Baby entbunden hatten und nachbeobachtet wurden.

Jede Fünfte wird spontan wieder schwanger

Der gepoolte Schätzwert für den Anteil der Frauen, die nach einer ART-Lebendgeburt eine Schwangerschaft mit natürlicher Empfängnis hatten, lag bei 0,20 (95% Konfidenzintervall [KI] 0,17 bis 0,22). Anders ausgedrückt: Mindestens eine von fünf Frauen wurde nach einem Retorten-Baby auf natürlichem Wege erneut schwanger, und das relativ rasch. Nach drei Jahren wurden bereits bei 18% der Teilnehmerinnen Spontanschwangerschaften festgestellt. Der Anteil sei sehr wahrscheinlich höher, da die Dauer der Fruchtbarkeit der Frauen die Nachbeobachtungszeit der Studien übertreffe, vermuten die Wissenschaftler.

Mehr Studien für bessere Kinderwunschberatung

Das Fazit aus dieser Studie: Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist eine natürliche Schwangerschaft nach einer ART-Lebendgeburt alles andere als selten. Aufgrund der heterogenen Studien (Methodik, Population, Ursache der Subfertilität, der Art und des Ergebnisses der Fertilitätsbehandlung sowie Dauer der Nachbeobachtung) halten die Autoren jedoch weitere Studien für erforderlich, um genauere Schätzungen dieser Inzidenz und Analysen der damit verbundenen Faktoren zu erhalten. Diese Ergebnisse sollten dazu dienen, eine maßgeschneiderte Beratung von Paaren, die eine weitere ART in Betracht ziehen, zu ermöglichen.

Autor:
Stand:
18.10.2023
Quelle:

Thwaites et al. (2023): How common is natural conception in women who have had a livebirth via assisted reproductive technology? Systematic review and meta-analysis. Human Reproduction, DOI: https://doi.org/10.1093/humrep/dead121

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