Langfristige Auswirkungen der Geburt auf Beckenbodenfunktion

Diese Langzeitstudie zeigt, dass Frauen auch Jahre nach der Geburt mit Inkontinenz- und Prolapsbeschwerden konfrontiert sind. Ein Kaiserschnitt kann das Risiko deutlich reduzieren, während ein hoher BMI das Risiko erhöht.

Risiko-Schalter

Ein erhöhtes Risiko, das Jahrzehnte anhält

Nach der Geburt eines Kindes steigt das Risiko für Harn- und Stuhlinkontinenz über einen Zeitraum von 26 Jahren kontinuierlich an. Eine aktuelle Studie, die von einem internationalen Team um Prof. Dr. med. Don Wilson aus Neuseeland durchgeführt wurde, zeigt, dass Kaiserschnitte im Vergleich zu vaginalen Entbindungen das Risiko für Inkontinenz und Prolaps deutlich verringern. Es handelt sich dabei um die bisher längste prospektive Longitudinalstudie, die die langfristigen Folgen von Geburten auf die Beckenbodenfunktion untersucht.

Belastende Langzeitfolgen der Geburt

Die Studie untersuchte ursprünglich 6.195 Frauen, von denen nach 26 Jahren 2.270 antworteten. Das mediane Alter der Teilnehmerinnen betrug 55,6 Jahre, und gut die Hälfte der Frauen hatte zwei Geburten. Die Ergebnisse zeigen, dass 61% der Frauen unter Harninkontinenz (engl. urinary incontinence, UI) litten, 22% an Stuhlinkontinenz (engl. faecal incontinence, FI) und 17% Symptome eines Prolaps Besonders auffällig war, dass Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden hatten, ein signifikant geringeres Risiko für UI (Odds Ratio [OR] 0,63), FI (OR 0,63) und Prolaps (OR 0,44) aufwiesen, im Vergleich zu Frauen mit spontanen vaginalen Entbindungen.

Der Einfluss des Geburtsmodus und des BMI

Die Untersuchung zeigte, dass Frauen, die eine Zangengeburt durchgemacht hatten, ein erhöhtes Risiko für FI und schlimmere Prolapsbeschwerden aufwiesen. Darüber hinaus war ein hoher aktueller Body-Mass-Index (BMI) ein zentraler Risikofaktor für alle Beckenbodenerkrankungen. Frauen mit einem BMI von ≥ 40 kg/m² hatten ein etwa fünfmal höheres Risiko für Harninkontinenz als Frauen mit einem BMI im Normalbereich.

Die Studie verdeutlichte, dass bereits in früheren Auswertungen ein kontinuierlicher Anstieg der Symptome zu beobachten war. So berichteten nach der Geburt 33% der Frauen von UI und 8% von FI. Nach 6 Jahren stiegen diese Werte auf 45% bzw. 10%, nach 12 Jahren auf 53% bzw. 13%. Die Prolapsymptome blieben seit der Erhebung nach 12 Jahren unverändert bei 17%.

Fazit: Aufklärung und Prävention als Schlüssel

Die Studie betont, dass der schützende Effekt des Kaiserschnitts für UI und Prolaps bereits bekannt war. Neu ist die Erkenntnis, dass der Kaiserschnitt auch im fortschreitenden Alter einen Schutzeffekt gegenüber der belastenden Stuhlinkontinenz bietet. Wichtig ist, dass Frauen die Symptome nicht als normale Folge der Geburt hinnehmen, sondern sich therapeutische Hilfe suchen. Besonders modifizierbar ist der BMI als Hauptrisikofaktor, was Präventionsmaßnahmen erleichtern könnte.

Autor:
Stand:
12.11.2024
Quelle:

Hagen S, et al.: Urinary incontinence, faecal incontinence and pelvic organ prolapse symptoms 20–26 years after childbirth: A longitudinal cohort study. BJOG 2024, DOI: 10.1111/1471–0528.17913.

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