Hintergrund
Die Stadt Hamm in Nordrhein-Westfalen geht in Sachen Verhütung neue Wege. Ab dem Jahr 2024 sollen Verhütungsmittel an sozial schwache Bürgerinnen und Bürger kostenlos abgegeben werden. Dies wurde am 18.09. einstimmig vom Sozialausschuss beschlossen. Ab dem kommenden Jahr werden hierfür 20.000 Euro zur Verfügung gestellt. Bezahlt werden sollen verschreibungspflichtige Kontrazeptiva mit einer Langzeitwirkung, wie zum Beispiel die Spirale oder Drei-Monatsspritzen. Das geht aus einem Bericht des WDR hervor [1].
Anspruchsberechtigung für finanzierte Verhütung
Anspruchsberechtigt ist jeder Mann und jede Frau von mindestens 22 Jahren mit Wohnsitz in Hamm, die staatliche Transferleistungen beziehen oder ein geringes Einkommen haben. Die Verwaltung der finanziellen Mittel erfolgt durch die Schwangerenberatungsstellen. Gemeinsam mit der Stadt Hamm werden sie auch darüber entscheiden, welche verschreibungspflichtigen Verhütungsmittel finanziell unterstützt werden.
Die Antragsteller müssen mindestens 22 Jahre alt sein, da zumindest junge Frauen bis einschließlich 21 Jahre einen Anspruch auf Kostenübernahme für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel durch ihre Krankenkasse haben.
Hoher Bedarf: Schon jetzt stehen 16 Frauen auf der Warteliste
Die Situation sei dringend, sagte Jannick Haggeney, Leiterin der Familienberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) dem Westfälischen Anzeiger (WA) [2]. Bisher stehen monatlich lediglich 19,16 Euro vom Bürgergeld für Gesundheitspflege zur Verfügung, was alles von Zahnpasta bis hin zur Pille abdecken soll. Langfristige Verhütungsmittel kosten im Durchschnitt aber mehr als 10 Euro pro Monat. Daher ist es nicht überraschend, dass bereits 16 Frauen Interesse an den Mitteln aus dem Verhütungsfonds gezeigt haben, so Haggeney.
In der Vergangenheit war es nur in seltenen Ausnahmefällen möglich, Verhütungsmittel für sozial benachteiligte Personen aus Notmitteln zu finanzieren. Daher begrüßte Haggeney die Entscheidung des Rates im März, einen Fonds für diesen Zweck einzurichten. Ein ähnlicher Fonds existiert bereits im Kreis Unna.











