Review: Wirksamkeit und Sicherheit der Ballondilatation bei chronischer Tubenfunktionsstörung

Die chronische Tubenfunktionsstörung kann zu Komplikationen wie Adhäsivprozessen oder auch einem Cholesteatom führen. Eine Behandlungsoption ist die minimalinvasive Ballondilatation. Eine aktuelle Übersichtsarbeit analysierte nun die Sicherheit und Wirksamkeit dieses Verfahrens.

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Tubenfunktionsstörung kann Komplikationen wie ein Cholesteatom begünstigen

Die chronische Tubenfunktionsstörung betrifft viele Erwachsene und kann zu schwerwiegenden Mittelohrproblemen wie Adhäsivprozessen oder einem Cholesteatom führen. Die Tubenfunktion wird zum einen klinisch, mit Hilfe der Tympanometrie sowie von Fragebögen, wie dem ETDQ-7 beurteilt. Bei diesem Fragebogen werden typische Symptome, wie beispielsweise Druckgefühl, Schmerzen und Knacken auf einer Skala von 1-7 bewertet. Therapeutisch stehen bislang konservative Maßnahmen, wie Druckausgleichsübungen, Nasenspülungen und abschwellende Nasensprays im Vordergrund, wobei minimalinvasive Verfahren wie die Ballondilation zunehmend untersucht werden. Obwohl die Erfolgsrate des Eingriffes hoch ist, fehlt bisher eine verlässliche Übersicht über das Outcome der Methode.

Review untersuchte Outcome der Ballondilatation bei Tubenfunktionsstörung

Daher erfolgte kürzlich ein systematisches Review, das 14 Studien von 2013–2025 analysierte. Untersucht wurden Technik, Sicherheit und die Wirksamkeit der Ballondilatation bei Tubenfunktionsstörungen.

Ballondilatation reduzierte Trommelfellretraktion und verbesserte Tympanogramm

Die Übersichtsarbeit schlussfolgerte, dass die Ballondilatation otoskopische Parameter, wie die Reduktion oder gar Normalisierung einer Trommelfellretraktion, die Durchführbarkeit des Valsalva-Manövers sowie die Tympanometrieergebnisse verbesserte. Dies traf insbesondere innerhalb der ersten sechs Wochen nach dem Eingriff zu. Die Verbesserungen nahmen über längere Follow-up-Intervalle noch zu. Einschränkend zur Beurteilung der Langzeitwirksamkeit war das teils kurze Follow-up in einigen Studien. Die Verbesserungsraten lagen je nach Studie zwischen 30 und 80 %. Im Reintonaudiogramm konnten hingegen keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden. Besonders sensitiv für die Erfassung der Wirksamkeit einer Tubenfunktionsstörungsbehandlung ist der ETDQ-7 Fragebogen. Auch hier zeigte sich in der Mehrzahl der Studien eine signifikante Verbesserung der Symptome. 

Durchführung der Ballondilatation in der Regel in ITN

Der Eingriff wurde hauptsächlich in Intubationsnarkose – in Einzelfällen aber auch in Lokalanästhesie – durchgeführt. Die Ballondilatationen, die in Lokalanästhesie durchgeführt wurden, schienen gut toleriert worden zu sein. Hier besteht jedoch noch Forschungsbedarf, um validere Aussagen bezüglich Schmerzen und Diskomfort tätigen zu können.

Technik der Ballondilatation vergleichbar zwischen den Studien

Die Technik war bei den untersuchten Studien ähnlich. Der Katheter wurde 2 cm tief in die Eustachische Röhre eingeführt, um dann mit sterilem Wasser bis zu einem Druck von 10-12 bar für zwei Minuten aufgedehnt zu werden. Die Inflations-Rate wurde konstant bei etwa 1 atm/s gehalten, um schnelle Änderungen des Mittelohrdrucks zu vermeiden. Einige der Studien kombinierten die Ballondilatation mit anderen Operationen, wie einer Parazentese oder Tympanoplastik. Hierbei zeigte sich, dass bei der Behandlung eines Paukenergusses die Addition der Dilatation zur Parazentese gegenüber der alleinigen Parazentese vorteilhaft zu sein scheint. Auch Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis und gleichzeitigen Tubenfunktionsstörung scheinen von einer Ballondilatation zu profitieren.

Reduktion von Komplikationen durch flexible Katheter 

Die minimalinvasive Ballondilatation zeigte sich in den Studien als sicheres Verfahren – mit einer Komplikationsrate von ca. 2 %. Die Autoren der Übersichtsarbeit fassten zusammen, dass der Erfolg und die Komplikationsrate der Ballondilatation von der Patientenselektion abhängen. Zudem spielt das Material des Katheters eine wichtige Rolle. So können harte Katheter nur schwer in die Eustachische Röhre eingeführt werden, was das Risiko für Mukosaschäden und das Auftreten eines postoperativen Emphysems steigen lässt. Folglich kann durch die Nutzung von flexiblen Kathetern das Risiko für Mukosaschäden und nachfolgende Komplikationen gesenkt werden. 

Valsalva-Manöver sollte postoperativ für 2–3 Wochen ausgesetzt werden

Die Katheterspitze gilt als potentielle Infektionsquelle, da sie oft eine Vielzahl von Bakterien, wie Corynebacterium und Staphylococcus aureus beherbergt. Daher wird eine antibiotische Prophylaxe empfohlen, falls eine Schädigung der Mukosa erfolgt ist. Da das Risiko des Auftretens eines subkutanen Emphysems nach Durchführung eines Valsalva-Manövers steigt, empfehlen einige Studienautoren dieses erst frühestens zwei bis drei Wochen postoperativ wieder durchzuführen. Zudem sollten die Patienten das Heben von Gewichten und exzessivem Sport während der Genesungsphase meiden.

Autor:
Stand:
31.10.2025
Quelle:

Gołota et al. (2025): Balloon Eustachian Tuboplasty: A Systematic Review of Technique, Safety, and Clinical Outcomes in Chronic Obstructive Eustachian Tube Dysfunction.Healthcare. doi:10.3390/healthcare13151832

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