Atemwegsinfektionen zählen weltweit zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche und führen häufig zu unnötigen Antibiotikaverordnungen. Dies trägt erheblich zur globalen Antibiotikaresistenz bei, einem der drängendsten Probleme der modernen Medizin. Vor diesem Hintergrund gewinnen präventive Ansätze wie Nasensprays oder verhaltensbasierte Interventionen zunehmend an Bedeutung. Eine groß angelegte Studie hat nun deren Wirksamkeit im Vergleich zu herkömmlicher Versorgung untersucht und festgestellt, dass diese Maßnahmen sowohl die Dauer der Erkrankung verkürzen als auch den Antibiotikaverbrauch reduzieren können. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift 'Lancet Respiratory Medicine' veröffentlicht.
Vergleich von Nasensprays und digitalen Verhaltensinterventionen zur Prävention von Atemwegsinfektionen
Die randomisierte, kontrollierte Studie mit über 13.000 Probanden in 332 britischen Allgemeinarztpraxen verfolgte das Ziel, die Wirksamkeit von zwei Nasenspray-Typen sowie einer digitalen Verhaltensintervention zu bewerten. Die Teilnehmenden waren Erwachsene mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen durch Atemwegsinfektionen, etwa durch Alter, Vorerkrankungen oder wiederkehrende Infektionen.
Die Interventionen umfassten:
- Gelbasiertes Nasenspray, bei dem Viren im Nasenraum gebunden und inaktiviert werden
- Salinenspray, das durch eine Spülung der Nasenschleimhaut die Virenlast reduziert
- Eine digitale Verhaltensintervention, die über eine Online-Plattform Bewegung und Stressmanagement förderte
Die Hauptzielgröße der Studie war die Anzahl der Krankheitstage innerhalb von sechs Monaten.
Reduktion der Krankheitsdauer und Antibiotikaverbrauch
Die Nasensprays reduzierten die durchschnittliche Krankheitsdauer signifikant. Das gelbasierte Spray führte zu einer Krankheitsdauer von 6,5 Tagen im Vergleich zu 8,2 Tagen in der Kontrollgruppe (IRR 0,82). Das Salinenspray verkürzte die Dauer auf 6,4 Tage (IRR 0,81), während die digitale Verhaltensintervention keine signifikante Reduktion zeigte und die Krankheitsdauer bei 7,4 Tagen lag (IRR 0,97).
Zudem führten alle Interventionen zu einer Verringerung des Antibiotikaverbrauchs. Beim gelbasierten Spray war der Rückgang mit 35 % am größten, gefolgt vom Salinenspray mit einer Reduktion von 31 % und der digitalen Verhaltensintervention mit 26 %.
Nebenwirkungen und Akzeptanz
Gelbasierte Sprays verursachten häufiger Nebenwirkungen wie Nasen- oder Kopfschmerzen (7,8 % vs. 4,8 % in der Kontrollgruppe). Dennoch zeigte sich eine hohe Akzeptanz für die Nasensprays.
Einfache Interventionen wie Nasensprays und Verhaltensänderungen fördern verantwortungsbewussten Antibiotikaverbrauch
Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial einfacher, skalierbarer Interventionen, um Atemwegsinfektionen und deren Folgeprobleme zu reduzieren. Besonders hervorzuheben ist die Reduktion des Antibiotikaverbrauchs, was die Strategien zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen stärkt.
Während Nasensprays eine direkte Wirkung auf die Krankheitsdauer zeigen, bietet die digitale Verhaltensintervention ein kostengünstiges, populationsweites Potenzial, das weiterentwickelt werden sollte, so die Studienautoren.









