Obstruktive Schlafapnoe - Variabilität des AHI als Risikofaktor für kardiovaskuläre Major-Ereignisse

Obstruktive Schlafapnoe ist ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Eine Studie untersuchte nun die prognostische Bedeutung der Nacht-zu-Nacht-Variabilität des Apnoe-Hypopnoe-Index und zeigte, dass diese mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Major Ereignisse assoziiert ist.

Frau mit Wearable im Bett

Obstruktive Schlafapnoe als relevanter kardiovaskulärer Risikofaktor

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) zählt zu den häufigsten schlafbezogenen Atmungsstörungen. Die Erkrankung ist mit einer Vielzahl kardiovaskulärer Pathologien assoziiert, darunter arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall.  

Einzelnacht-PSG-Messung scheint Diagnose und Prognose der OSA nicht genau abzubilden

Traditionell erfolgt die Risikobewertung anhand des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), an dem typischerweise der Schweregrad der Erkrankung festgemacht wird. In der Regel wird der AHI mit Hilfe einer einmaligen nächtlichen Polysomnographie Messung erfasst. Diese Einzelmessung berücksichtigt jedoch nicht die Variabilität zwischen verschiedenen Nächten, da Werte wie beispielsweise der AHI erheblich schwanken können. So gehen Schätzungen davon aus, dass die Zuordnung der OSA zu einem Schweregrad bei bis zu 50 % der Betroffenen zwischen den Nächten schwankt. 

Studien zeigten zudem bereits, dass eine höhere OSA-Variabilität mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie beispielsweise einem unkontrollierten Bluthochdruck oder einer höheren Blutdruckvariabilität assoziiert ist. Unklar war bislang, ob diese Nacht-zu-Nacht-Variabilität auch eine prognostische Bedeutung für kardiovaskuläre Ereignisse aufweist.

Eine aktuelle im Journal Sleep publizierte Studie adressiert genau diese Lücke, indem sie mögliche Assoziationen zwischen dem OSA Schwergrad, der Variabilität und nicht tödlich-endenden kardiovaskulären und zerebrovaskulären Major-Ereignissen, wie beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris und Herzinsuffizienz analysierte. 

Studie evaluierte Nacht-zu-Nacht-Variabilität des AHI bei OSA

In der Studie wurden insgesamt 3.159 Probanden untersucht. Bei ihnen wurden über mindestens 14 Nächte sechs Monate lang Daten zum Schlaf, wie beispielsweise dem AHI, Schlafdauer und Schlafarchitektur erhoben. Dies geschah mit Hilfe eines unter der Matratze liegenden Sensorsystems (Withings Sleep Analyzer [WSA]). Die Forscher berechneten dann die Nacht-zu-Nacht OSA-Variabilität aus der Standardabweichung der nächtlichen AHI-Werte. Als primären Studienendpunkt legten sie das Auftreten von nicht tödlich endenden kardiovaskulären/zerebrovaskulären Major-Ereignissen fest. 

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei hoher Variabilität des AHI

Insgesamt traten bei den Studienteilnehmern 142 Fälle dieser Ereignisse auf. Probanden mit moderatem bis schwerem OSA hatten ein höheres Risiko diese zu erleiden im Vergleich zu denen ohne OSA. Zudem beobachteten die Forscher:

  • Patienten mit hoher Nacht-zu-Nacht-Variabilität hatten eine etwa 34 % höhere Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre Major Ereignisse
  • Dieser Zusammenhang bestand unabhängig von der OSA-Schwere 

Die Variabilität liefert damit einen zusätzlichen prognostischen Wert, der über den etablierten AHI hinausgeht.

Nacht-zu-Nacht-Variabilität des AHI ist klinisch relevant 

Die bisherige klinische Versorgung fokussiert primär auf den mittleren AHI als Risikomarker bei der OSA. Die vorliegenden Studienergebnisse erweitern dieses Konzept jedoch, indem sie zeigen, dass auch die Nacht-zu-Nacht-Variabilität der Erkrankung - also die Dynamik - klinisch relevant ist. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Patienten mit hoher Nacht-zu-Nacht-Variabilität damit möglicherweise eine Hochrisiko-Patientengruppe darstellen könnten.

Als mögliche Mechanismen für ihre Ergebnisse führten die Wissenschaftler an, dass wiederholte Phasen oxidativen Stresses, sympathischer Aktivierung und metabolischer Dysfunktion zu vaskulärem Stress führen und die Empfänglichkeit für kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen könnten.  

Fazit für die Klinik: Mehrnächtige Diagnostik bei OSA könnte Genauigkeit und Risikostratifizierung verbessern

Nach Einschätzung der Studienautoren könnten: 

  • Mehrnächtige Messungen die diagnostische Genauigkeit verbessern
  • Sollte die Risikostratifizierung die Nacht-zu-Nacht-Variabilität berücksichtigen

Insbesondere bei grenzwertigen Befunden könnte die Variabilität entscheidend für die Therapieindikation sein.

Perspektiven für zukünftige Forschung 

Weitere Studien sind erforderlich, um die Assoziation zwischen Nacht-zu-Nacht Variabilität der OSA und der Progression Herz-Kreislauferkrankungen besser zu verstehen.

Autor:
Stand:
26.05.2026
Quelle:

Lechat B et al. (2026): High night-to-night variability in OSA severity is associated with prevalent cardiovascular disease. Sleep. 2026. DOI: 10.1093/sleep/zsag084

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