Die chirurgische Entfernung von Gaumenmandeln (Tonsillektomie) und Rachenmandeln (Adenotomie) gehört zu den häufig durchgeführten Eingriffen bei Kindern und Jugendlichen, die an wiederkehrenden Atemwegsinfektionen oder Atemproblemen, wie obstruktiver Schlafapnoe, leiden. Obwohl die Eingriffe in vielen Fällen wirksam sind, werden zunehmend Fragen zu den langfristigen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit gestellt.
Bisherige Forschungsergebnisse zu diesem Thema sind begrenzt. Frühere Studien deuten jedoch darauf hin, dass chirurgische Eingriffe in der Kindheit das Risiko für psychische Erkrankungen und sogar suizidales Verhalten erhöhen können. Eine aktuelle Studie aus Schweden untersuchte erstmals, ob die Entfernung von Gaumen- und Rachenmandeln mit einem gesteigerten Risiko für stressbedingte Erkrankungen wie posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), akute Belastungsreaktionen oder Anpassungsstörungen verbunden ist. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift 'JAMA Network Open' veröffentlicht.
Daten von mehr als eine Million Kinder und Jugendliche ausgewertet
Die groß angelegte Kohortenstudie umfasste mehr als eine Million Kinder und junge Erwachsene, die zwischen 1981 und 2016 in Schweden geboren wurden. Die Forschenden verglichen die Fälle von Patienten, die eine Tonsillektomie oder Adenotomie durchlaufen hatten (exponierte Gruppe), mit einer Kontrollgruppe von nicht operierten Personen sowie mit den nicht exponierten Geschwistern der betroffenen Personen.
Mehr stressbedingte Erkrankungen nach Mandelentfernung
Im Vergleich zu den Kontrollgruppen wiesen die exponierten Kinder und Jugendlichen ein signifikant höheres Risiko für die Entwicklung von stressbedingten Erkrankungen auf. Dies galt insbesondere für die posttraumatische Belastungsstörung, die mit einer Hazard Ratio (HR) von 1,55 signifikant häufiger diagnostiziert wurde als in der nicht operierten Kontrollgruppe. Im Vergleich zur Referenzbevölkerung war das Risiko in der exponierten Gruppe für alle stressbedingten Störungen um 43% erhöht (HR 1,43).
Auch in der Geschwisterkohorte ließ sich dieser Zusammenhang nachweisen: Das Risiko für stressbedingte Erkrankungen war hier um 34% und das für PTBS um 41% höher.
Besonders hohes Risiko bei Adenotonsillitis sowie Atem- und Schlafstörungen
Das erhöhte Risiko für stressbedingte Erkrankungen zeigte sich unabhängig von Faktoren wie Geschlecht, dem Alter zum Zeitpunkt der Operation, der Zeitspanne seit der Operation, dem Bildungsniveau der Eltern oder einer familiären Vorbelastung mit psychischen Erkrankungen. Am stärksten ausgeprägt war es bei den Patienten, die aufgrund einer Adenotonsillitis oder aufgrund von Atem- und Schlafstörungen operiert wurden.
Zukünftige Forschungsansätze
Die Ergebnisse dieser Studie werfen wichtige Fragen zur Rolle der Adenotonsillen und ihrer Erkrankungen in der Entwicklung stressbedingter psychischer Erkrankungen auf. Zukünftige Forschung ist notwendig, um die genauen Mechanismen zu entschlüsseln, die diesen Zusammenhang erklären. Eine vertiefte Untersuchung der Rolle von Entzündungsprozessen und anderen gesundheitlichen Problemen könnte möglicherweise neue Ansätze für die Prävention und Behandlung stressbedingter Störungen liefern.









