Neue digitale Diagnostik verbessert Erkennung bei Sepsis

Anlässlich des Welt-Sepsis-Tages berichtet die Barmer über die Studie „DigiSep“: Neue molekulargenetische Diagnostik kann Erreger bis zu zehnmal häufiger identifizieren als Blutkulturen. Außerdem: S3-Leitlinie zu Prävention, Diagnose und Therapie der Sepsis ist aktualisiert.

Sepsis Leitlinienupdate

Berlin. Neue digitale Methoden können dazu beitragen, Sepsis-Erreger deutlich schneller zu bestimmen als bislang. Das berichtet die Barmer-Krankenkasse anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September. Mit molekulargenetischer Diagnostik lasse sich der Erreger bereits zu Sepsis-Beginn viermal häufiger ermitteln als mit herkömmlichen Verfahren. Drei Tage nach Sepsis-Beginn ermittle die neue molekulargenetische Diagnostik den richtigen Erreger sogar zehnmal so häufig, berichtet die Barmer aus den Ergebnissen ihrer „DigiSep“-Studie.

An der Studie beteiligen sich 24 Kliniken in Deutschland, darunter große universitäre Einrichtungen. Ziel des Projekts ist es, die neue Diagnostik in einem breiten Versorgungsumfeld zu erproben und ihre Wirksamkeit im Vergleich zu Standardmethoden zu belegen. Die Barmer unterstützt das Vorhaben über den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Sequenzierung von Erbgutbestandteilen direkt aus der Blutprobe

Die Methode basiert auf molekulargenetischen Analysen von Blutproben. Im Unterschied zur klassischen Blutkultur, bei der Erreger in einem mehrtägigen Prozess angezüchtet werden müssen, erfolgt hier die Sequenzierung von Erbgutbestandteilen direkt aus der Blutprobe. Bioinformatische Verfahren gleichen die gewonnenen Sequenzen mit Datenbanken ab, die mehr als 16.000 Mikrobenarten umfassen. Etwa 1.500 davon sind potenzielle Sepsis-Erreger.

So lassen sich die Erreger sehr viel schneller identifizieren. Laut Studienleitung waren rund 85 Prozent der Ergebnisse des neuen Verfahrens plausibel und klinisch relevant.

Dauer künstlicher Beatmung und Länge septischer Schockphase positiv beeinflusst

Neben der verbesserten Diagnostik dokumentiert die Studie auch erste Auswirkungen auf den Verlauf der Behandlung. Demnach führte die neue Diagnostik nach Angaben der Barmer zu schnelleren und gezielteren medikamentösen Entscheidungen. Klinische Parameter wie die Dauer künstlicher Beatmung oder die Länge einer septischen Schockphase seien laut ersten Auswertungen positiv beeinflusst worden.

Sepsis in Deutschland: Zahlen und regionale Unterschiede

Nach Angaben der Barmer erkranken in Deutschland jedes Jahr bis zu 300.000 Menschen an einer Sepsis. Mindestens 85.000 sterben daran oder mit dieser Diagnose. Damit zählt Sepsis zu den häufigsten Todesursachen im Krankenhaus.

Die Häufigkeit ist regional unterschiedlich. So wurden im Jahr 2023 in Hamburg etwa 195 Fälle pro 100.000 Einwohner registriert, in Thüringen hingegen 476. Niedersachsen kam auf 277 Fälle pro 100.000 Einwohner, Bremen auf 284. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass Sepsis eine bundesweite Herausforderung ist, die jedoch je nach Region unterschiedliche Ausprägungen hat.

Neue S3-Leitlinie zur Sepsis-Behandlung

Im Vorfeld des Welt-Sepsis-Tages haben die Fachgesellschaften die neue S3-Leitlinie „Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge“ veröffentlicht. Sie ersetzt die Version aus dem Jahr 2018 und bringt mehrere wichtige Neuerungen.

Beispielsweise wird nunmehr empfohlen, bei Verdacht auf Sepsis so schnell wie möglich intravenöse Antiinfektiva zu verabreichen, bei septischem Schock möglichst innerhalb einer Stunde. Liegt eine Infektion ohne Schocksymptomatik vor, soll die Gabe innerhalb von drei Stunden erfolgen, falls der Verdacht bestehen bleibt.

Beta-Laktam-Antibiotika sollen nach einem initialen Bolus als verlängerte oder kontinuierliche Infusion verabreicht werden. Außerdem erlaubt die Leitlinie nun die periphervenöse Gabe von Vasopressoren, um einen mittleren arteriellen Druck von über 65 mmHg zu erreichen, auch ohne einen zentralen Venenkatheter.

Zur Beurteilung der Gewebeperfusion empfehlen die Fachgesellschaften den Einsatz der Rekapillarisierungszeit als einfach messbaren klinischen Parameter.

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